Caschys Blog

Das Ende der Disk naht: Warner Bros. und Universal legen ihre Heimkino-Vertriebe zusammen

Es ist bekannt, dass optische Datenträger mehr und mehr aufs Abstellgleis geraten. Wer am PC zockt, hat nur noch selten ein entsprechendes Laufwerk verbaut, denn man muss ohnehin alle Titel an digitale Konten bei Steam, dem Epic Games Store, GOG und Co. binden. Und auch im Heimkino verliert die Disk dank des Streamings an Bedeutung. Darauf reagieren nun Warner Bros. Home Entertainment und Universal mit einem drastischen Schachzug.

So werden die beiden Studios sich den internationalen Vertrieb aufteilen und für die USA ein Joint Venture nutzen, statt separate Abteilungen zu unterhalten. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist wiederum geplant, dass Warner sich zurückzieht und den Vertrieb von DVDs, Blu-rays und Ultra HD Blu-rays Universal überlässt. Diese Umstellung soll im dritten Quartal 2020 vonstatten gehen.

In anderen Ländern wird es im Übrigen genau umgekehrt klaufen. So wird Warner Bros. etwa in Großbritannien, Italien, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg ab dem ersten Quartal 2021 auch die Titel von Universal vertreiben. Je nach Region löst also jeweils der ein oder andere sein Gegenüber ab. Naheliegend ist, dass durch die Zusammenlegung mittel- bis langfristig weniger Filme und Serien überhaupt noch als physische Datenträger auf den Markt kommen dürften. Denn die Ressourcen sind natürlich geringer.

Zwar schwingen Universal und Warner Bros. nun natürlich große Reden, welche auch den physischen Medien eine glänzende Zukunft voraussagen, es ist aber klar, dass es sich da um Schadensbegrenzung handelt. Schließlich hat der neue Schachzug vor allem einen Zweck: die Kosten zu senken. Und die Verkaufszahlen von DVDs, Blu-rays und Ultra HD Blu-rays sinken bereits seit Jahren, weil sich viele Kunden vermehrt dem Streaming hingeben.

Ein Wunder ist das freilich nicht: Nur Enthusiasten werden 25 bis 30 Euro für eine Ultra HD Blu-ray auf den Tisch legen, wenn sie dafür einen Streaming-Anbieter mit einem deutlich breiteren Portfolio abonnieren könnten. Für mich persönlich bleibt die Frage, was dann etwa aus Warner Archive werden soll. Unter jenem MOD-Banner (Manufacturing on Demand) vertrieb Warner in den USA viele kleinere, aber sehr interessante Titel, die ich immer gerne importiert habe – z. B. zuletzt „Young Justice: Outsiders“, eine Exklusivserie von DC Universe.

Die Vereinbarung von Warner Bros. und Universal ist auf zehn Jahre ausgelegt – mal sehen, was dann überhaupt noch vom Markt für physische Disks übrig sein wird. Meine Prognose? Ich glaube, dass sich nach und nach alle größeren Studios aus dem Vertrieb schrittweise zurückziehen werden. Kleinere Vertriebe werden dann eine Nische für Enthusiasten bedienen und im Falle des Falles einzelne Titel lizenzieren. Das breite Angebot an Filmen und Serien auf Disk, wie wir es heute kennen, wird es dann aber wohl nicht mehr geben.

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