Cell Broadcast: Bundesrat stimmt der Einführung zu

Es war im Gespräch, nun hat man im Bundesrat den Sack zugemacht. Cell Broadcast ist eine beschlossene Sache. Diese Technologie ermöglicht es, im Katastrophenfall schneller Warnungen über Mobilfunknetze zu verbreiten – eine Lehre aus dem Juli-Hochwasser, so der Bundesrat. Warnungen über Cell Broadcast erreichen automatisch alle Mobilfunkteilnehmer, die mit ihrem Endgerät in einer Mobilfunkzelle eingebucht sind, ohne dass es besonderer Apps bedarf.

Rechtsgrundlage für die Verordnung ist eine Änderung im Telekommunikationsgesetz, die Bundestag und Bundesrat bereits im Sommer verabschiedet hatten und die zum 1. Dezember 2021 in Kraft tritt. Da sind auch die Telekommunikationsanbieter in der Pflicht, entsprechende Voraussetzungen zu schaffen.

Bevor es losgeht, sind nach Angaben der Bundesregierung zunächst konkretisierende Anforderungen des gesetzlich geforderten Leistungsumfangs und Rahmenbedingungen festzulegen. Ziel ist es, Planungssicherheit für die betroffenen Unternehmen herzustellen und die fehlerfreie Aussendung von Warnungen an die Mobilfunkendgeräte zu gewährleisten – im Einklang mit dem europäischen System EU-Alert. Da wird es dann später „Cell Broad­cast Center“ geben, die die Unternehmen wie Telekom, Vodafone, O2 und Co. aufbauen müssen.

Nun ist es ja so, dass im Katastrophenfall vielleicht kein Mobilfunknetz „Cell Broad­cast Center“ mit zur Verfügung steht. Da ist es dann so, dass man in Deutschland wieder ein Sirenensystem aufbaut. Gab es Anfang der 1990er-Jahre etwa rund 80.000 Alarmsirenen, waren es zuletzt noch ca. 15.000. Für den Aufbau des Netzes sind 88 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden.

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Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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15 Kommentare

  1. Das kann nur besser funktionieren als die Nina App

    • Wenn die gleiche Meldestruktur wie NINA & Co, genutzt wird, dann kann es nicht besser werden. Bei der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal lag das „Überraschungsmoment“ eher nicht an der Warn- sondern eher an der Meldeinfrastruktur. Wenn für die Warnung via Cell Broadcasting die gleichen, nicht funktionierenden Verantwortlichkeiten gelten wie bisher, dann kann es nicht besser werden.

  2. Bert Gerstemann says:

    ENDLICH !!! In den USA schon seit Jahren erfolgreich im Einsatz. Wir, als digitales Deutschland, mussten erst mit vielen Millionen (Milliarden) und einigen Apps merken, das diese Fragmentierung in einem solch Wichtigen Sektor/Thema einfach nix bringt. GLÜCKWUNSCH ! Besser Spät als Nie.

  3. warum habe ich das ungute gefühl das unsere ministerialraketenwissenschaftler schulter an schulter mit mckinsey einen bisher unentdeckten weg finden werden auch das zu vermurksen?

  4. StargateForLife says:

    Wieso die Sirenen (und auch die analogen Telefonleitungen, die auch im Falle eines Stromausfalls für ne Zeit noch funktioniert haben) abgebaut wurden, und gegen super anfällige und im Notfall dann nicht mehr zu brauchende digitale Lösungen ausgetauscht wurden, kann mir auch keiner erklären.

    • “ kann mir auch keiner erklären.“
      doch kann ich.
      die sirenen waren ein kind des kalten krieges und man dachte der sei vorbei und ein bißchen war anfang der 90er auch die sehnsucht das alles hinter sich zu lassen der vater des verschlampens.

      die analogen telefonleitungen waren schlechter im klang und haben unnötig bandbreite und vor allem geld für die separate technik gefressen. das war wohl der hauptgrund für die telkom komplett auf NGN umzusteigen.
      ich vermiße auch des öfteren die zuverläßigkeit und unkompliziertheit von POTS anschlüßen so ist es nicht aber allnetflats haben auch ihren charme.

    • Geld?

      Ich persönlich glaube, dass es uns recht lange tollerweise sehr gut ging. Dann braucht man nicht so viel teuren Katastrophenschutz. Das ist die ärztliche Versorgung, die Bundeswehr, THW, … aber auch Sirenen oder doppelte Infrastruktur.

      In der Industrie ist das ja nicht anders. Mit Just-in-time Logistik wurden die Kosten optimiert und alles auf ein Optimum getrimmt.

      Und da hier viele ITler sind: Das leidige Thema Backup nervt doch auch nur… Bis man es halt braucht.

      Das ist alles so lange gut, bis etwas nicht mehr klappt. Aber wer kann in guten Zeiten schon genau wissen, was man zukünftig braucht? Wenn es dann Experten gibt, dann ist das Thema „Geld ausgeben ohne sichtbaren Mehrwert“ auch nicht gerade populär.

      Ironischerweise war es vielleicht gut, dass wir Corona und Hochwasser bekommen haben. Jetzt denken wieder mehr Menschen darüber nach. Das gilt sowohl im öffentlichen als auch privaten Bereich.

      Das heißt nicht, dass wir alle „Prepper“ werden müssen. Das heißt nur, das jedes Individuum, aber auch die Gesellschaft das Risiko bzw die Risikobereitschaft abschätzen muss und entsprechend Maßnahmen ergreift. Gegen alles kann man sich logischerweise auch nicht schützen.

    • Der Informationsgehalt von Sirenensignalen ist auch sehr begrenzt. Heul- oder Dauerton in verschiedener Taktung. „Rundfunkgerät einschalten und auf Durchsagen achten“ setzt einen passenden Empfänger voraus.

      Die klassischen Sirenen wurden aus dem öffentlichen Stromnetz gespeist und hatten keine Notstromversorgung.

      Ich sehe eher die Probleme, wer wann zeitnah einen Alarm auslösen muss. Bei Sirenensignalen zur Alarmierung der freiwilligen Feuerwehr ist es ja noch einfach.

      • Den „passenden Empfänger“ gibt’s diese Woche für 17.99€ im ALDI:
        Ein kleines Kofferradio (Batterie- (4xAA) und Netzbetrieb) mit UKW und DAB+.

        Nicht schön, kein Klangwunder, aber mMn genau für den Einsatzzweck „Notfallradio“ geeignet.
        Haken(?): Läuft mit 4xAA nur etwas über 5h.

  5. Die CDU reagiert mal wieder nachdem was passiert. Proaktiv ist nicht so ihr Ding.
    Arme CDU.

  6. EtHättImmerJotJejange says:

    Warum auch immer gegen die CDU … war die FDP nicht Mal nicht mehr im Bundestag? Noch ärmer?
    Ist die SPD nicht im Prinzip und verglichen mit den > 100 Jahren vorher immer noch arm dran. Noch weniger proaktiv?

    Zur Sache:
    Das ist generelles menschliches Verhalten.
    Der, der Probleme hat, lernt, wird besser und hat später „die Nase vorn“.
    Der, dem es gut geht, läßt laufen und wird irgendwann überholt.

    „“Schön““ zu sehen in der Pandemie.
    Wir sind im Vergleich gut durch die ersten Wellen gekommen. Italien z.B. erging es viel schlimmer.
    Und jetzt gerade verstehen die Italiener nicht, was bei uns los ist.

    Wiederkehrendes Muster in unserer Geschichte.
    Zeiten, Skalen und Auswirkungen variieren. Das Muster ist menschlich.

    … womit ich nicht sage, daß man nicht daran arbeiten soll, weiter besser zu werden und das Muster zu brechen.

    In dem Sinne allen ein schönes, katastrophenfreies Wochenende.

  7. Finde ich gut, dass man dies nun im Bundestag beschlossen hat. Kann aber nur einer von vielen weiteren Bausteinen sein.
    Zurzeit läuft ein Untersuchungsausschuß zur Hochwasser Katastrophe. An einem der letzten Tage hat unter anderem
    Wetterfee Jörg Kachelmann ausgesagt. Sehr beschämend fand ich, die Katastrophe war im Juli, es sollten ‚Hilfen‘ von den Bundesländern & Bund ausgezahlt werden, dass diese Hilfen erst drei Monate später beantragt werden konnte. Schnell & unkompliziert sieht anders aus. Oftmals funktioniert bei den Häusern noch nicht wieder die Heizung.
    Kann und sollte man mal drüber nachdenken was da, wie in so vielen Dingen in den letzten 24-36 Monaten schiefgelaufen ist, während man im lauschigen Wohnzimmer den ersten Advent begeht.

    • Da ist nicht nur in den letzten 24-36 Monaten was schief gelaufen. Hätte man sich vorher um vorbeugenden Hochwasserschutz bemüht, dann wäre das Ausmaß der Katastrophe vermutlich geringer gewesen. Aber so lange wie’s läuft denkt natürlich niemand an das was kommen könnte. Kaum jemand würde wohl heute noch ein Haus auf den Südseeinseln von Tuvalu und Kiribati kaufen. Es sei denn er sieht eine Möglichkeit den Untergang dieser Inseln irgendwie zu verhindern. Sorry, ich sehe diese Möglichkeit nicht. Ebensowenig wie den dauerhaften Schutz des Ahrtals vor ähnlichen Unwetterereignissen, wie denen die wir leider erleben mussten. Da wird auch ein auf Cell Broadcasting basierendes Warnsystem nichts dran ändern.

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