Bundesregierung will Online-Konzerne zu mehr Transparenz zwingen

BMWIMit dem „Grünbuch Digitale Plattformen“ stellt das Bundeswirtschaftsministerium jetzt ein Dokument vor, welches Vorschläge und Ideen beinhaltet, wie man die Wirtschaft vor Geschäftmodellen großer Online-Konzerne wie Zalando, Amazon und Co. schützt, denn die Gefahr, dass einzelne Kunden aufgrund gewisser Kriterien andere Preise angeboten bekämen als andere, sei tatsächlich gegeben und gefährdet unsere Wirtschaft.

Matthias Machnig, enger Mitarbeiter von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, äußerte nun, dass man schlichtweg neue Regeln und Schranken benötigte, um der Digitalisierung eine Richtung zu geben. Man fordert mehr Transparenz von den Unternehmen, was die individuelle Preisgestaltung je nach Käufer angeht. Das Papier verfolge das Ziel, künftige Gesetze zur Förderung und Regulierung der Digitalwirtschaft in Deutschland vorzubereiten, so ein Bericht der „Rheinischen Post“, welcher das Grünbuch bereits vorliegt.

„Wir brauchen klarere Regeln gegenüber digitalen Plattformen wie Google oder Facebook,“

„Diese Plattformen sind ein enorm wichtiger Teil der Wirtschaft, also müssen wir uns über deren Rahmenbedingungen sowie neue Chancen für Deutschland Gedanken machen.“

  • Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig

Über die Website de.digital sollen Mitbürger nun mitentscheiden können, wie mit den Digitalkonzernen umzugehen ist. Dazu stehen 12 Thesen und 52 konkrete Fragestellungen parat. Ein wichtiger Punkt in der Debatte soll unter anderem auch das Verhältnis zwischen klassischen Telekommunikation-Unternehmen und digitalen Plattformen sein. So machten zum Beispiel digitale Unternehmen wie WhatsApp und Skype Gebrauch von der bestehenden Infrastruktur, um ihr eigenes Geschäftsmodell zu berädern. Damit stünden sie in direkter Konkurrenz zu den klassischen Unternehmen, beteiligten sich aber finanziell überhaupt nicht am Erhalt oder dem Ausbau der Infrastruktur, wie Telefonleitungen oder Datennetz. Hier werden klare Wettbewerbsbedingungen gefordert.

Ein weiterer Punkt, den das Grünbuch mit aufnimmt, ist die geforderte Freiheit, dass Nutzer neben ihrem echten Namen im Netz auch ganz legal ein oder mehrere Pseudonyme nutzen dürfen. Betroffen wäre hier das soziale Netzwerk Facebook, da dieses seinen Usern derzeit verbietet, sich mit falscher oder verdeckter Identität anzumelden.

Neben Regeln will das Wirtschaftsministerium laut „Grünbuch“ Digitalfirmen künftig auch mehr Freiraum geben, so der Bericht. Es werde ausdrücklich gefordert, neue Ideen „nicht durch überbordende Regulierung schon im Keim“ zu ersticken. Der Staat müsse zwar für Datenschutz eintreten, aber er müsse auch die Möglichkeiten eröffnen, „durch Datennutzung neue Geschäftsmodelle und neue Dienstleistungen zu entwickeln“.

  • Presseportal.de / Rheinische Post

 

(via Zeit )

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

Blogger, stolzer Ehemann und passionierter Dad aus dem Geestland. Quasi-Nachbar vom Caschy (ob er mag oder nicht ;D ), mit iOS und Android gleichermaßen glücklich und außerdem zu finden auf Twitter und Google+. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: benjamin@caschys.blog

4 Kommentare

  1. General Failure says:

    Für mich in der Mehrzahl blödsinnige Thesen. Viel Ordnung, Regulierung, Spielregeln, Angleichung. Typisch deutscher Ansatz: wenn du glaubst, Regeln reichen nicht, nimm mehr Regeln.

    Warum ein Unternehmen unterschiedlichen Kunden nicht auch unterschiedliche Preise bieten soll ist mir ein Rätsel. Und warum nur soll es das dafür erforderliche Bewertungsmodell offenlegen? Dann kann man den Laden ja gleich zu machen.

    Die Umfrage ist übrigens hier: https://gruenbuch.de.digital/de/12-thesen/

  2. Naja klingt in der hauptsache wieder nach neuland. Denke auch das wir die autohersteller verpflichten sollten für die ausbau der autobahn zu sorgen und auch jegliche elektronischen verbrauchsherstellwr für den ausbau und erhalt des stromnetzes.
    Und unterschiedliche preise für unterschiedliche käufergruppen? Was spricht da dagegen? Herrscht bei uns nicht vertragsfreiheit was auch für beide seiten vom Tresen gilt?

  3. Das etwas geschehen muß sollte klar sein. Amazon ist ein gutes Beispiel dafür. Teilweise erhält man z.B. in der Android App andere (teurere) Preise als Online. Oder aber auch iPhone Nutzer teurere Preise als andere. Die Ungleichbehandlung ist schon bekannt und nicht nur die individuelle Beobachtung bekannt, sondern auch fachliche Analysen bestätigt worden (war glaube ich Teil einer Masterarbeit o.ä.)

    @Allgemeiner Fehler: Typischer Ansatz ist es auch einfach negatives einfach als typisch deutsch zu deklarieren. Es lebe die Antideutscheinstellung, sie ist genauso dämlich wie die umgekehrte Sichtweise aus den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Vielleicht kapiert auch mal der letzte, daß jede (!) Pauschalisierung falsch ist.
    Übrigens, warum unterschiedliche Preise? Weil z.B. iPhone Besitzer eher bereit sind mehr Geld auszugeben bzw. vielleicht ein iPhone Besitzer im Mittel mehr Geld zur Verfügung hat?

  4. @Uwe4711: Im Prinzip hast du Recht. Aber dein Vergleich greift wahrscheinlich noch zu kurz. Nach allem, was in letzter Zeit zu dieser Thematik durchgesickert ist, geht es nicht darum, dass die Nutzer ODER die Content Provider für den Anschluss zahlen sollen, sondern bitte gerne BEIDE. Zumindest habe ich in dieser schon länger währenden Diskussion noch nicht vernommen, dass im Gegenzug Internetanschlüsse kostenlos oder wenigstens deutlich billiger werden sollen.
    Und wenn Leute mit magentafarbener Kleidung mitten in einer deutschen Großstadt 2011 die Straße aufgraben und Kupfer legen, nur um dann 2015 wieder zu graben und Glasfaser zu legen, dann sollte man erst einmal den wirtschaftlichen Einsatz der verfügbaren Mittel prüfen und nicht die Lobbyisten in Berlin nach mehr Geld heulen lassen…