Bundeskartellamt: Amazon hat überragende marktübergreifende Bedeutung

Das Bundeskartellamt ist derzeit emsig. Unter anderem hat man Apple, Facebook und auch Google im Visier, nun trifft es auch einmal wieder Amazon. Unternehmen mit überragender marktübergreifender Bedeutung für den Wettbewerb unterliegen einer schärferen Wettbewerbskontrolle. Das Bundeskartellamt könnte so wettbewerbsgefährdende Verhaltensweisen gezielt aufgreifen und unterbinden.

Amazon ist in extrem vielen Bereichen tätig – dazu zählt nicht nur der klassische E-Commerce, auch Streaming, Cloud-Angebote, die Sprachassistentin Alexa und mehr gehören dazu. Bei seinen Marktplatzdienstleistungen für Dritthändler hält das Bundeskartellamt Amazon für marktbeherrschend. Laut einem Bericht der Tagesschau wolle Amazon sich wehren, sicherlich nicht überraschend. „Wir werden die Entscheidung sowie unsere Optionen, auch Rechtsmittel, sorgfältig prüfen“, erklärte ein Amazon-Sprecher. Amazon sei „in erster Linie ein Einzelhändler“. Mal schauen, was konkret passiert und was bei den Untersuchungen herauskommt.

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Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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24 Kommentare

  1. Ganz schlechte Juristen hat Amazon da. Jeder weiß das Amazon in Deutschland ein Versandhändler und kein Einzelhändler ist. Ich glaube nicht das Amazon mit der Einzelhändlernummer durch kommt.

    • Tja, aber die Entscheidung hat das BKartA getroffen. JETZT sind die Juristen von Amazon am Zug, auch wenn der Laden ja gar nicht wirklich in Deutschland seinen Sitz hat.

      Und „Jeder weiß“ heißt auch nicht, dass es rechtlich so ist. Es weiß ja auch jeder, dass man vorzeitig aus einer Mietwohnung ausziehen kann, wenn man drei Nachmieter vorgeschlagen hat. Ist aber eben auch nicht so.

  2. Man kann Amazon sicher viel vorwerfen, aber eins muss man ihnen lassen: die haben ihre Kundenprozesse im Griff! Das ist für mich der wichtigste Grund, warum die so groß geworden sind. Mittlerweile bekommen das auch andere hin, aber wenn ich mich an meine letzten 20+ Jahre Bestellungen bei Internetshops erinnere, da waren einige haarsträubende Erlebnisse in Sachen Reklamation oder Rückgabe dabei. Bei Amazon bis jetzt Null Probleme. Sowas merkt man sich als Kunde und bestellt im Zweifel sogar für ein paar Euro teurer bei Amazon, weil man weiß, dass die Rückgabe bei denen funktioniert.

    • Die haben eher alles im Griff. Ihre Prozesse und die der angeschlossenen Händler. Und genau darum geht es. Das Kartellamt hat Amazon nicht auf dem Kieker, weil Amazon das kundenfreundlichste Unternehmen sein will.

      • Meine ich ja, ich will nur sagen, dass das nicht von ungefähr kommt. Warum kaufen so viele Leute bei Amazon? Weil man wenig Probleme hat. Wenn andere große Internet-Händler das Thema genau wie Amazon von Anfang an so angegangen wären, wäre Amazon wahrscheinlich nicht so groß wie es jetzt ist.

        • Christophis says:

          Genau das ist aber auch ein riesen Problem, denn Amazon ist auch kein Gutmensch und trägt den Kundenservice auf dem Rücken der Händler aus. Betrügerein werden gefördert, Sanktionen bleiben aus. Die Schattenseite ist richtig gut bestückt.

          • Musste auch die Erfahrung sammeln als nen Akku vom Kopfhörer kaputt gegangen ist und ich nen Garantiefall bei cambridge audio einreichen wollte. Ich hab 2 mal bei Amazon angerufen. Und beide MAs haben mir von sich aus zugesichert dass ich garantiert ein ersatzprodukt oder eine Erstattung bekomme.egal was ist.

            Wenn der Händler sich weigert soll ich nich an Amazon wenden.

            Wenn solche Aussagen einen aufgedrängt werden ohne danach gefragt zu haben animiert das ja manche menschen die garantieansprüche bei eigenverschulden auszunutzen.

    • Amazon ist so groß geworden, weil die die Wünsche der Kunden verstanden haben und das umsetzen konnten – das schaffen viele Versender bis heute noch nicht.

      Nur ist das Versadngeschäft bei Amazon schon länger nicht mehr der Haupt-Umsatzbringer, die verdienen das meistre Geld genauso wie Microsoft und Google mit Cloud-Diensten.

  3. Alexander says:

    Amazon muss endlich sein Service für den Kunden verschlechtern. Es kann nicht sein dass da die Konkurrenz da mitziehen muss und den gleichen Service zu bieten wie Amazon.

    • Exakt. Jahrzehnte hat die Service-Wüste Deutschland gut funktioniert und es war vollkommen ok 10 Jahre hinter dem technischen/digitalen Fortschritt zu hängen. Und dann kommt Amazon vor 20 Jahren und plötzlich gibt es da ne Oase mitten in der Wüste. Die sollen mal froh sein das Amazon kein Glasfaser verlegt oder Mobilfunknetze baut.

      Disclaimer: Ja, mir is auch bewusst das Amazon Schattenseiten hat. Aber viele deutsche Firmen sind einfach vorgeführt worden weil es im Winterschlaf so gemütlich war.

    • Bei der Lieferung mit eigenen Fahrern haben die das hier schon locker geschafft….

    • Der Service wurde ja teilweise schon arg verschlechtert

      • Ja, sicher, aber selbst damit ist Amazon insgesamt immer noch vorn.

        • Besser als von Media markt saturn?

          Ich habe von Amazon schon Plagiate zugeschickt bekommen. Retourenware. Ware ohne originalverpackung. Hygieneartikel ohne siegel.

          Schlechte Verpackung wo der Inhalt Austritt insbesondere bei hygieneartikeln. Obwohl der Karton von außen unbeschädigt war.

          Was hilft mir eine Erstattung und nen 5euro gutschein on top wenn ich den Ärger habe

  4. Eine Sache zu dem Thema, weil ich denke, das man hier differenzieren muss, auch wenn sie vllt richtig liegen das sie einer besonderen Kontrolle unterliegen.

    Ganz speziell Google & Amazon haben sich das mit fairen Mitteln erarbeitet, das sie eines Tages sehr beliebt bei Nutzerinnen und Nutzer waren.
    Google, weil sie nicht nur eine gute Suchmaschine hatten, sondern allen voran weil das Design nicht so übertrieben altbacken und zugekleistert war. Früher konnte man sogar tief im System gewisse Dinge komplett ausstellen: Den Historieordner manipulieren und all sowas. Da hat Google noch nicht wie ne Wanze alles abgescannt und die Suchfunktion unter Google-Suche eingeschränkt. Irgendwann mal, mit Tracking und Cockies, Dark Pattern, Manipulationsmechanismen usw haben die sich dann vllt irgendwann einen Vorteil verschaffen.

    Amazon wurde damals immer beliebter, weil sie den Kaufservice in Deutschland revolutioniert haben. Kaufen und Zurückschicken möglichst easy.

    WhatsApp genauso: Einfach auf den Punkt getroffen.

    Damals.

    Was ganz anderes als eine Telekom, Post, RWE usw die sich alles daraus ein Vorteil verschafft haben, das es gewisse Dinge früher nicht gab und die Infrastruktur politisch war. Da hast du ganz andere Möglichkeiten dich hochzuarbeiten. Auch heute noch gehören z.B. der Telekom viele Leitungen usw

    Heutzutage ist die Kontrolle sicher gerechtfertigt. Aber die Historie ist eine komplett andere

  5. >> Amazon sei „in erster Linie ein Einzelhändler“. <<

    Da musste ich jetzt doch schon ein wenig lachen.

    • Ja, das müsste eigentlich lauten: „Amazon frisst in erster Linie Einzelhändler“. 😉

  6. Eigentlich sollte man dem Bundeskartellamt zu ein wenig Zurückhaltung im Vorgehen gegen amerikanische Unternehmen raten. Wenn DE den Zorn der Amis auf sich zieht, dann wird’s ziemlich düster. Außerdem wurde ja kein deutsches Unternehmen daran gehindert ähnlich wie Google, Amazon und Co. zu agieren, und das Thema „Kundenzufriedenheit“ ganz oben auf die Agenda zu setzen. Die Kunden haben eben entschieden, diesen Unternehmen zu ihrer Stellung im Markt zu verhelfen. Anstatt diesen Nebenkriegsschauplatz zu eröffnen, sollte sich das Kartellamt mal um die Energie- und andere Unternehmen kümmern, die sich in der vorherrschenden Krise die Taschen füllen.

    Was Arbeitnehmerrechte betrifft, ist dieses Feld von den Gewerkschaften zu beackern. Aber gegen Amazon ist Verdi eben ein zahnloser Tiger und wenn man sich die von dieser Gewerkschaft ausgehandelten Tarifverträge anschaut, dann können einem schon die Tränen kommen. Auch da knabbert Verdi eher an der Hand von der sie gefüttert werden, anstatt mal ordentlich zuzubeißen.

    • Die Verdi-Vertreter agieren in den Unternehmen nicht als Zubeißer, sondern als ausgleichende Faktoren. Der erste Spruch ist meist „die Geschäfte müssen laufen und stehen an erster Stelle“. Das hat mich beim ersten Mal hören verwundert, ist aber eigentlich logisch und verständlich. Denn wo es keine Gewinne gibt, gibt es auch nichts zu verteilen.

      Und das Bundeskartellamt ist keine diplomatische Einheit, deren Aufgaben zur Sicherstellung des Wettbewerbs sind klar umrissen. Und eben darum geht es. Wenn Amazon eine überragende, marktübergreifende Bedeutung hat, kommt niemand um Amazon herum. Selbst Du hast ja bereits Angst, dass ja niemand Amazon angreift, weil es sonst „düster“ wird. Wie geht es dann erst Herstellern, Großhändlern und Marketplace-Anbietern, die von Amazon wirtschaftlich, ja existenziell abhängig sind? Und wie geht es der Konkurrenz (falls irgendwo vorhanden) und vor allem den Kunden, wenn Amazon es nicht mehr nötig hat, Anreize zu schaffen? Denn was kaum jemand versteht, Amazon ist kein kundenfreundliches Unternehmen. Es ist ein US-Unternehmen und daher per se ein Amazon-freundliches Unternehmen. Ich sage immer: fordere von Amazon einfach mal etwas, das Amazon-Prozesse nicht vorsehen. Dann wirst Du schnell sehen, dass es nicht um Dich als Kunden geht.

      • >>Ich sage immer: fordere von Amazon einfach mal etwas, das Amazon-Prozesse nicht vorsehen. Dann wirst Du schnell sehen, dass es nicht um Dich als Kunden geht.

        Das ist kein Alleinstellungsmerkmal von Amazon. Wenn Du als Kunde von einem Unternehmen, jeglicher Art, etwas forderst, dass seine Prozesse nicht vorsehen hast du verloren oder musst einen Rechtstreit führen. Allerdings sehe ich bei Amazon bessere Chancen ohne Rechtstreit zu einer für alle Beteiligten zufriedenstellenden Lösung zu kommen. In den meisten Fällen dürften die Amazon-Prozesse aber den Kundenanforderungen entsprechen oder zumindest entgegenkommen.

        Seltsam das andere Gewerkschaften, von der NGG mal abgesehen, oft bessere Tarifabschlüsse erreichen als verdi. Insbesondere weil verdi ja viele Mitarbeitenden im öffentlichen Dienst oder ihm gleichgestellte Bereiche vertritt. Schau dir doch mal die Tarife für die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen an. Diese Geschäfte sind doch quasi Selbstläufer und trotzdem strotzt verdi mit Zurückhaltung. Dort wo das Thema „Sozialpartnerschaft“ gelebt wird, läuft auch das Geschäft. Da muss man sich nur mal die Automobilindustrie anschauen.

        Aber mal zurück zum Kartellamt. Soll diese Behörde jetzt auch noch die Unternehmen verteidigen die die Zeit verpennt haben und deshalb keine herausragende Bedeutung am Markt erreichen konnten?

        • Da habe ich gänzlich andere Erfahrungen gemacht. Amazon sieht nicht vor, sich mit dem Kunden zu einigen, wenn er oder sie etwas anderes will als Amazon selbst. Und bei einem so großen Konzern hilft Dir nicht einmal ein Rechtsstreit. Da hat man am Ende vielleicht einen Titel, bekommt aber letztlich kein Recht. Das Netz ist voll mit solchen Beispielen, auch bezüglich Klagen der Marktplatzhändler.

          Meine Ausführungen zu Verdi hast Du glaube ich falsch verstanden…

          Und ja, das Bundeskartellamt hat die Aufgabe, den Wettbewerb zu erhalten. Dabei ist es egal, ob jemand etwas verpennt hat, ein großer Anbieter Entscheider bestochen oder ein Monopolist seine Marktmacht ausgenutzt hat.

          Und auch wenn Du das zu glauben scheinst: die Welt ist nicht schwarz/weiß. Nicht jeder Anbieter, der nicht gegen Amazon ankommen konnte, hat die Zeit „verpennt“.

          • >>Das Netz ist voll mit solchen Beispielen, auch bezüglich Klagen der Marktplatzhändler.
            Warum haben sich denn die Marktplatzhändler für die Zusammenarbeit mit Amazon entschieden? Es braucht mir niemand zu erzählen das er von JB’s Vasallen dazu gezwungen wurde. Weil das Geschäftsmodell nicht das erwartete Ergebnis gebracht hat, wird ein Schuldiger gesucht. Man sollte auch nicht Alles glauben was so im Netz steht.

            Naja, Kritik an verdi habe ich tatsächlich nur sehr unterschwellig erkannt.

            Warum ist denn kein deutscher Buchhändler vor JB auf die Idee gekommen?

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