Blizzard Entertainment: Entwickler rebellieren gegen ungerechte Bezahlung

Traumberuf Spieleentwickler: Was für manchen Jugendlichen noch verlockend klingt, sieht in der Realität leider in der Regel anders aus. „Crunch“, also Zeiten, in denen die Entwickler extreme Überstunden ableisten müssen, um Meilensteine zu erreichen, sind leider in vielen Studios mehr die Regel als die Ausnahme. Oft passt die Bezahlung nicht zur geleisteten Arbeit und die Atmosphäre ist rau. Das gelte laut vielen Meldungen auch für Blizzard Entertainment („World of Warcraft“), die allerdings Anpassungen versprachen. Nun wurden die Gehälter vieler Mitarbeiter zwar angehoben – doch die Unzufriedenheit kocht noch mehr hoch.

Bobby Kotick, der CEO des Mutterkonzerns, Activision Blizzard, nimmt gut und gerne mehr als 40 Mio. US-Dollar im Jahr mit. Mit Mikrotransaktionen macht sich der Publisher zusätzlich zu Spieleverkäufen ebenfalls die Taschen voll. Da fällt es vielen Mitarbeitern offenbar schwer, nachzuvollziehen, dass wenig für andere Ebenen übrig bleiben soll. Mehrere Angestellte stießen intern eine anonyme Initiative an, in deren Rahmen sie ihre Gehälter in einer Tabelle eintrugen, um sie zu vergleichen. Es zeichnete sich ab, dass sich wenig zum Positiven entwickelt hat.

Blizzard Entertainment wollte ab Juli 2020 für eine fairere Bezahlung sorgen, nachdem eine interne Umfrage ergeben hatte, dass mehr als die Hälfte der Angestellten unzufrieden mit ihrem Lohn war. Doch die meisten Erhöhungen liegen unter 10 % und damit unter den Erwartungen. Derzeit nehmen dabei die Debatten in der Industrie zu. Denn bei Publishern und Spieleentwicklern herrscht eine extreme Zwei-Klassen-Gesellschaft: Das Management streicht großzügige Boni ein, während die eigentlichen Entwickler selbst nach überbordenden Überstunden eher kärglich wegkommen.

Es fällt vielen Entwicklern jedoch schwer, sich aus dem Hamsterrad zu befreien: Wer nicht spurt, der soll Gerüchten zufolge als schwarzes Schaf gebrandmarkt werden. Diese Probleme betreffen nicht nur Blizzard Entertainment, sondern etwa auch insbesondere Naughty Dog oder Rockstar Entertainment. Blizzard Entertainment wiederum entließ 2019 Hunderte von Mitarbeitern, verteilte deren Verantwortlichkeiten dann aber auf andere Angestellte – mit der Mehrarbeit bzw. der erhöhten Verantwortung ging jedoch keine Anpassung der Bezahlung einher.

Dies ist die dunkle Seite der Spieleindustrie, über welche die Verantwortlichen in den Studios natürlich ungern sprechen, um sich ihr vergnügliches Image zu wahren. Blizzard Entertainment hat sich zu den neuen Vorwürfen allerdings noch nicht geäußert. Zu bedenken ist, dass alle Informationen anonym weitergegeben worden sind – die Betroffenen haben also offenbar Angst vor Repressalien durch den aktuellen oder künftige Arbeitgeber.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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7 Kommentare

  1. Oliver Müller says:

    „Das Management streicht großzügige Boni ein, während die eigentlichen Entwickler selbst nach überbordenden Überstunden eher kärglich wegkommen.“

    Das ist doch die Regel, auch in anderen Branchen. Ich hab ja nix dagegen, dass das Management mehr verdient als „der gemeine Arbeiter“, z.B. das Doppelte, oder von mir aus auch das Fünffache, aber irgendwann muss dann einfach mal Schluss sein.

  2. Warum wechseln die Leute dann nicht? Wenn ich einen Hungerlohn bekommen würde und mein Chef der Meinung wäre das ist so in Ordnung wäre ich ganz schnell bei einer Firma bei der die Wertschätzung stimmt.

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