Black Shark 4 Pro im Test: Gaming-Smartphone mit Allrounder-Potenzial

Black Shark bietet seit mehreren Jahren, verbandelt mit Xiaomi, Gaming-Smartphones an. Ich hatte hier fürs Blog zuletzt vor fast zwei Jahren das Black Shark 3 getestet. Das mir nun vorliegende Black Shark 4 Pro ist bereits im Frühling 2021 erschienen, fiel mir aber erst jetzt für einen Test in die Hände. Lohnt sich dieses Smartphone für Gamer, bzw. taugt es möglicherweise gar als Allrounder?

Performance – für den durchschnittlichen User sind da auch Mittelklasse-Smartphones im Grunde mittlerweile überdimensioniert. Wir sind da auf einem sehr hohen Niveau angelangt. Premium-Geräte lohnen sich weniger wegen der Mehrleistung der jeweiligen SoCs und mehr wegen der besseren Displays, (kabelloser) Schnellladung und natürlich der höherwertigen Kameras. Letztere sind aber in der Vergangenheit der typische Schwachpunkt von Gaming-Smartphones gewesen. Bringt das Black Shark 4 Pro hier eventuell eine Kehrtwende?

Technische Eckdaten Black Shark 4 Pro

  • Display: 6,67 Zoll, AMOLED, 2.400 x 1.080 Pixel, 144 Hz, 720 Hz Touch-Abtastrate, HDR10+
  • Betriebssystem: Android 11 mit JOYUI (basierend auf MIUI 12.5)
  • SoC: Qualcomm Snapdragon 888
  • GPU: Adreno 660
  • RAM: 12 GByte
  • Speicherplatz: 128 GByte
  • Triple-Hauptkamera: 64 (f/1.8, Weitwinkel) + 8 (f/2.2, Ultra-Weitwinkel) + 5 (f/2.4, Makro) Megapixel
  • Frontkamera: 20 (f/2.5, Weitwinkel) Megapixel
  • Akku: 4.500 mAh (Schnellladung mit 120 Watt)
  • Schnittstellen: 4G / 5G LTE (mit Band 20), Wi-Fi 6, Bluetooth 5.2, GPS, USB-C (2.0), Dual-SIM, 3,5-mm-Audio, NFC
  • Besonderheiten: Fingerabdruckscanner an der Seite, Shark Space (Gaming-Hub), Stereo-Lautsprecher, magnetische Pop-up-Trigger
  • Maße / Gewicht: 163,8 x 76,4 x 9,9 mm, 220 g
  • Lieferumfang: Smartphone, Netzteil (120 Watt), USB-Kabel, SIM-Nadel, Schutzhülle, Sticker
  • Preis: ca. 650 Euro

Die technischen Daten des Black Shark 4 Pro lesen sich auch rund ein Jahr nach dem Launch noch gut und spiegeln einen spannenden Vorteil von Gaming-Smartphones wider: Während Gaming-Hardware in anderen Segmenten dafür bekannt ist, hochpreisig zu sein, verhält es sich im mobilen Segment eher umgekehrt. So zählen Gaming-Smartphones typischerweise, gemessen an ihrer Leistung, zu den preislich recht attraktiven Geräten, wenn man mit „normalen“ Flaggschiffen vergleicht.

Ausstattung und Verarbeitung

Und auch die Verarbeitung des Black Shark 4 Pro lässt kaum Wünsche offen. Im Lieferumfang meines Testmusters fand ich direkt ein für die EU passendes 120-Watt-Netzteil plus USB-Kabel, eine Silikon-Schutzhülle sowie ein paar Aufkleber vor. Schade, dass nicht auch noch ein paar Kopfhörer dazugelegt worden sind. Dafür hat es Seltenheitswert, dass direkt ein Schnellladenetzteil beiliegt, um die volle Geschwindigkeit auszureizen.

Das Black Shark 4 Pro bietet links und rechts über Schieberegler ausfahrbare Schultertasten.

Haptisch fühlt sich das Black Shark 4 Pro sehr wertig an: Für die Rückseite kommt Glas zum Einsatz, der Rahmen besteht aus Metall. Fingerabdrücke sieht man natürlich in Sekundenschnelle, aber die meisten Nutzer werden vermutlich ohnehin schnell zu einer Schutzhülle greifen. Die muss im Falle des Black Shark 4 Pro die magnetischen Trigger berücksichtigen. Was ist damit gemeint? Das sind ausfahrbare Schultertasten, die ihr jeweils über einen kleinen Schieber ein- und ausklappt. Sie können dann in kompatiblen Spielen als haptische Buttons herhalten. Das finde ich wesentlich brauchbarer, als etwa die Touch-Oberflächen an Konkurrenzmodellen.

Auch außerhalb von Games lassen sich die Tasten mit Shortcuts belegen, z. B. dem Anfertigen eines Screenshots oder dem Wischen nach links oder rechts. Was mir ebenfalls noch gut gefällt: Das Design des Black Shark 4 ist neutraler als bei anderen Gaming-Smartphones und verzichtet auf Klimbim wie eine knallige RGB-Beleuchtung.

Kuriosität: Es gibt eine digitale Anime-Assistentin namens Shark Chan als dedizierte App, der man rudimentäre Funktionen zuweisen kann, etwa den morgendlichen Wecker. Gleichzeitig kann man die Dame mit munter wippendem Vorbau fröhlich „betatschen“, was amüsierte bis ärgerliche Reaktionen bei ihr auslöst. Ein kontroverses Feature, das einige belächeln werden, andere als sexistisch brandmarken dürften.

Benchmarks und Leistung

Das Black Shark 4 Pro nutzt noch den Qualcomm Snapdragon 888, der mittlerweile von sowohl dem Snapdragon 888+ als auch dem Flaggschiff-Chip des Jahres 2022, dem Snapdragon 8 Gen 1, überholt worden ist. Einige Spieler werden da also sicherlich schon auf die Gaming-Smartphones des Jahres 2022 warten. Der Vorteil ist natürlich, dass man das Black Shark 4 Pro nun schon günstiger bekommt und es immer noch sehr viel Leistung mitbringt.

Über Benchmarks konnte ich das allerdings kaum verifizieren: Das Black Shark 4 Pro ließ mich lediglich PCMark installieren, alle anderen Benchmarks wie 3DMark, Geekbench 5 oder GFX Bench sorgten im Play Store für Fehlermeldungen. Andere Apps ließen sich völlig normal installieren, sodass ich nicht weiß, ob hier irgendeine Strategie von Black Shark dahinter steckt oder es kuriose Probleme mit der Kompatibilität des Geräts bzw. speziell meines Testmusters zu üblichen Benchmarks gibt.

Doch die Leistung des Snapdragon 888 ist wohlbekannt. Im Vorfeld warb der Hersteller außerdem mit seiner Kühlung: So will man dem Chip durch ein „Sandwich“ von Dampfkammern besonders niedrige Temperaturen verschaffen. In der Tat erwärmt sich das Black Shark 4 Pro natürlich bei längerer Nutzung unter hoher Last, das habe ich bei anderen Modellen aber schon extremer gesehen. Dennoch kann auch dieser Hersteller bei so kompakten Maßen keine Wunder vollbringen und irgendwann werden die Taktraten gesenkt. Hier gibt es jedoch erhebliche Variationen je nach Spiel.

Ablenkungsfrei spielt man im sogenannten Shark Space, einem Gaming-Hub, aus dem Spiele gestartet und nachkonfiguriert werden können. In dieser Oberfläche bleiben störende Benachrichtigungen aus und die volle Aufmerksamkeit und Leistung bleibt für Spiele reserviert. Die Stereo-Lautsprecher sind übrigens überdurchschnittlich und bringen einen volleren Klang, als ich das von den meisten Konkurrenten gewohnt bin. Da sieht auch mein Mi 11 alt aus.

Den Akku sehe ich zwiespältig: Mit 120 Watt ist das Ding pfeilschnell geladen – in 15 bis 20 Minuten ladet ihr von 0 auf 100 %. Allerdings sind die nicht sonderlich üppigen 4.500 mAh beim Zocken schnell leer gesaugt. Ich hätte ein Pendant mit höherer Kapazität bevorzugt. Gerade wer unterwegs zockt, wird selten die Chance haben, mit vollen 120 Watt zu laden, würde aber sicher gerne eine Stunde mehr aus dem Gerät herauskitzeln.

Display und Kameras

Der Bildschirm des Black Shark 4 Pro basiert auf Samsungs E4-Panel, das 2021 in vielen Smartphone-Flaggschiffen zum Einsatz gekommen ist. Die Bildwiederholrate von 144 Hz sorgt für eine extrem flüssige Darstellung. Wer ein Modell mit 120 Hz besitzt, wird dennoch kaum einen Unterschied feststellen. Meiner Ansicht nach wird der Screen ausreichend hell, auch draußen, und ist in Sachen Helligkeit mit meinem Xiaomi Mi 11 vergleichbar.

Leider gibt es aber ein paar Nachteile: Die HDR-Darstellung wirkt zurückhaltender als beim Mi 11 und außerdem gucken Multimedia-Fans in die Röhre. Denn das Black Shark 4 Pro steht bei Widevine Level 3, kommt also nicht für HD-Streaming bei Anbietern wie Netflix infrage, weil es die DRM-Vorgaben verfehlt. Schade, denn das AMOLED-Display liefert eine überzeugende Leistung ab. Zumal sich beispielsweise die Farbwiedergabe nachträglich anpassen lässt. DC-Dimming lässt sich ebenfalls aktivieren, um Flimmern bei niedriger Helligkeit vorzubeugen.

Kommen wir zur Hauptkamera des Black Shark 4 Pro. Die Hauptlinse verzichtet auf optische Bildstabilisation, operiert mit 64 Megapixeln und setzt auf den Sensor Samsung GW3. Tatsächlich sind die Bilder für ein Gaming-Smartphone ausgewogen und natürlich, was mich positiv überrascht hat. Man hält eine ganz gute Balance aus Nachschärfung und Rauschfiltern, sodass etwa auch Hintergrundobjekte nicht in einem Pixelmatsch enden. Da sehe ich das Black Shark 4 Pro z. B. überaus deutlich vor der Kamera des RedMagic 6.

Wenn das Umgebungslicht abnimmt, macht sich aber der fehlende optische Bildstabilisator bemerkbar. Hier sind andere Smartphones der oberen Preisklasse, etwa das mehrfach erwähnte Mi 11, dann doch besser abgestimmt. Die Ultra-Weitwinkel-Kamera knipst solide Bilder, auch wenn die Verzerrungen am Rand klar zu sehen sind und die HDR-Wiedergabe weniger knackig ist. Im Übrigen könnt ihr auch Fotos mit vollen 64 Megapixeln ohne Pixel-Binning schießen. Das sieht aber nur bei sehr viel Umgebungslicht gut aus. Weitere Bilder könnt ihr in unkomprimierter Form hier vorfinden, wollt ihr euch einen besseren Eindruck verschaffen.

Die Frontkamera des Black Shark 4 Pro ist ebenfalls ordentlich: keine Offenbarung, sie schießt aber vorzeigbare Selfies und auch der Porträtmodus kommt gut rüber. Mehr kann man eigentlich nicht erwarten. Kleines Lob noch am Rande, vor dem Fazit: Das Black Shark 4 Pro wurde in meinem Fall komplett ohne Bloatware geliefert.

Fazit

Das Black Shark 4 Pro ist aus meiner Sicht eines der besseren Gaming-Smartphones und lässt sich fast als Daily-Driver empfehlen. Die Kamera kann abermals nicht mit anderen Premium-Geräten mithalten, ist für ein Gaming-Smartphone aber überraschend gut. Das gilt sowohl für Selfies als auch Aufnahmen mit der Hauptkamera. Mein größter Kritikpunkt liegt im etwas knapp bemessenen Akku. Lieber hätte ich etwas länger aufgeladen und dafür die Chance, unterwegs 1-2 Stunden länger zu spielen.

Die magnetischen, wertigen, ein- und ausfahrbaren Schultertasten finde ich nicht nur für Spiele hilfreich, denn man kann sie auch im regulären System mit Shortcuts belegen. Muss man sich zwar dran gewöhnen, ist aber ein nettes Gimmick. Auch Design und Verarbeitung gefallen bzw. sind für ein Gaming-Smartphone eher dezent. Einen dicken Minuspunkt gibt es aber, weil das Black Shark 4 Pro nur Widevine Level 3 unterstützt und somit zum Streaming eher ungeeignet ist. Auch auf Komfort wie Wireless Charging muss man hier verzichten.

Letzten Endes bleibt ein Gaming-Smartphone, das Schritte in die richtige Richtung macht und mit weniger Abstrichen als bei den Vorgängermodellen auch als Alltagsmodell taugt.

Die Webseite des Geräts findet ihr hier. Zu haben ist es u. a. bei Goboo oder Amazon.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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