„Assassin’s Creed Valhalla“ gibt es mittlerweile im Handel für den PC, die PS4, PS5, Xbox One und die Xbox Series X|S. Außerdem ist das neue Assassinen-Abenteuer auch via Google Stadia verfügbar. Für einen Test habe ich mir das Game an der Xbox Series X zur Brust genommen. Bei 4K mit 60 fps wurden dabei verstärkt die Vorzüge der neuen Konsolengeneration deutlich.
Dabei bin ich kein Pixelzähler wie die Jungs von Digital Foundry, kann also nicht ausschließen, dass „Assassin’s Creed Valhalla“ nun doch wie an der PS5 auch auf der Xbox Series X eine dynamische Auflösung nutzt. Das Bild sieht jedoch knackscharf aus. Gleichzeitig demonstriert das Spiel die Bedeutung von Variable Refresh Rate (VRR). Denn die 60 fps brechen manchmal ein, dank VRR läuft das Spiel jedoch dennoch ohne Tearing und sieht extrem flüssig aus.
Doch bevor ich weiter auf die Technik eingehe ein bisschen mehr allgemeines zum Spiel: „Assassin’s Creed Valhalla“ ist das dritte Spiel der Reihe, das sich den mit „Assassin’s Creed Origins“ eingeführten Neuerungen beugt. Das heißt, es gilt jede Menge Ausrüstung zu sammeln, dynamischere Kämpfe auszufechten und mit RPG-Mechanismen zu hantieren. In einigen Punkten macht „AC Valhalla“ dabei jedoch einige Schritte zurück, in anderen nach vorne.
So bringt Ubisoft die versteckte Klinge und damit verbunden auch vermehrte One-Hit-Kills aus der Deckung zurück. Allerdings lassen sich immer noch viele Bosse nur mit mehreren Treffern bezwingen, selbst wenn ihr sie zunächst via Stealth erwischen solltet. Ebenfalls zurück ist Social-Stealth. Das heißt, der wahlweise männliche oder weibliche Hauptcharakter kann sich seine Kapuze überziehen und in größeren Menschenmengen untertauchen. Auch hat man die Bedeutung der Loot etwas heruntergefahren. Ihr findet seltener ein Meer von Waffen. Gerade in „Assassin’s Creed Odyssey“ nahm das ja etwas überhand. Da hatte quasi jeder Hans und Franz direkt für euch einen neuen Knüppel oder eine neue Rüstung im Gepäck.
Stattdessen steht das Aufwerten bereits gesammelter Items im Vordergrund. Das geht aber nicht mehr einfach durch das Sammeln von Rohstoffen, die es eh im Überfluss gibt. Meistens benötigt man noch bestimmte Kupferbarren und Co., um eine höhere Stufe zu erreichen. Ich finde diesen Wechsel ganz gut, der bei der Loot mehr Qualität als Quantität betont. Selbiges gilt auch stärker für die Nebenmissionen, an welche die Entwickler dieses Mal anders herangegangen sind.
So tauchen auf der Karte zunächst, je nach euren Einstellungen zur Erkundung, nur leuchtende Punkte in verschiedenen Farben auf. Sie können Nebenmissionen („World Events“), Reichtümer oder z. B. Bücher signalisieren, die euch neue Fähigkeiten lehren. Richtig gelesen, die meisten Skills schaltet ihr nun über das Sammeln von Büchern in der Spielewelt frei. Über einen ausufernden Fertigkeitsbaum ergeben sich vor allem passive Boni für euch – etwa mehr Widerstandsfähigkeiten gegen Nahkampfangriffe. Das hat den Nachteil, dass die Levelaufstiege damit ein wenig zu reinen Zahlenspielereien verkommen. Im Gameplay merkt man nur am Rande etwas davon.
So ergibt sich dann auch euer Power-Level recht stark aus eurer Ausrüstung. Die Kämpfe haben sich im Übrigen auch etwas gewandelt. Dabei scheint das angepasste System die Community zu spalten. Mir gefällt es ganz gut, da es nach meinem Eindruck nun deutlich mehr auf Skill ankommt. Es gibt nun eine Ausdauerleiste – nicht nur für euch, sondern auch für Gegner. Tänzelt ihr also stets um einen Gegner herum, müsst ihr darauf achten rechtzeitig zuzuschlagen, sonst habt ihr keine Kraft mehr. Genau so könnt ihr aber auch Gegner auspowern.
Auch die erwähnten World Events empfinde ich bisher als gelungen. Sie stehen in der Regel für deutlich kürzere Nebenmissionen, die an manche Zufallsbegegnungen aus „Red Dead Redemption 2“ erinnern. Oft sind diese kleinen Zwischeneinlagen recht humorvoll und lockern die dramatische Hauptgeschichte auf. Jene gewinnt keinen Blumentopf, indem sie abermals einen Protagonisten zeigt, der im Wesentlichen seine ermordeten Eltern rächen will. Auch einer bedeutungsschwangeren Prophezeiung will der Held Eivor entgehen.
Ich wurde aber dennoch hineingezogen, denn Eivor hat als Charakter deutlich mehr Persönlichkeit als etwa der vergessenswerte Bayek aus „Origins“. Auch andere Figuren wie Sigurd habe ich schnell lieb gewonnen. Feine Sache außerdem, dass endlich wieder die eigentlich titelgebenden Assassinen auftauchen. Generell ist die Wikinger-Atmosphäre zudem fantastisch eingefangen – wer die Serie „Vikings“ angeschaut hat, der wird bei „Assassin’s Creed Valhalla“ ins Schwärmen geraten. Hier wurde mit sehr viel Liebe zum Detail eine abwechslungsreiche Welt erschaffen.
Das Spiel beginnt dabei im eisigen Norwegen. Auch wenn in den Trailern bisher immer Großbritannien im Vordergrund stand, so dauert es doch rund 5-10 Spielstunden, bis man sich überhaupt dorthin aufmacht. Wie lange ihr auf Englands malerische Landschaften warten müsst, hängt auch davon ab, wie vielen Nebenaufgaben und Sammeleien ihr euch in Skandinavien hingibt. Dabei haben aber beide Bereiche etwas für sich, denn schon die Eislandschaften im hohen Norden sind einnehmend inszeniert.
Grafisch ist „AC Valhalla“ zwar noch sichtbar in der letzten Konsolengeneration verwurzelt, das zeigen etwa die etwas hölzernen Animationen und manche vereinzelte, detailarme Textur. Generell hatte ich hier aber dank 4K und 60 fps tatsächlich das Gefühl gemeinsam mit Eivor einen Schritt in eine neue Welt zu gehen. Nicht nur die hohe Framerate gepaart mit der hohen Auflösung sorgt selbst bei haarigen Kämpfen für ein knackscharfes Bild. Die Weitsicht ist beispielsweise enorm. Selbst weit entferntere Bereiche sind immer detailliert und auch Pop-In fiel mir beim Zocken kaum auf. Auch super gelöst: Ihr könnt die Schwierigkeitsgrade für das Erkunden, Stealth und die Kämpfe jeweils separat festlegen und so das Gameplay ganz euren Bedürfnissen anpassen. Das würde ich mir für mehr Games wünschen.
Einmal in HDR durch die Wälder Englands streifen oder die dreckigen Straßen des historischen Londons erkunden und man verlangsamt fast automatisch seinen Schritt. Technisch macht „AC Valhalla“ wirklich Laune. Zumal auch die Soundkulisse sehr gelungen ist. Ich habe das Game auf Englisch gezockt und insbesondere den kernigen Sprecher von Sigurd möchte ich sehr positiv hervorheben. Der ganze Cast macht aber saubere Arbeit. Auch die Musik von Jesper Kyd sorgt abermals für Stimmung und gibt sich mal wabernd, mal episch.
Ubisoft wäre aber natürlich nicht Ubisoft, wenn es nicht auch Kritikpunkte gebe: Die Ubisoft-Formel zeigt sich in monotonen Sammeleien von Tattoo-Sheets, die bescheuerterweise wild über die Häuserdächer flattern, dem endlosen Synchronisieren von Aussichtspunkten und Mikrotransaktionen, welche euch zu kosmetischen Items und neuen Waffen locken sollen. Zumindest im Bezug auf die Mikrotransaktionen habe ich aber den Eindruck, dass jene wirklich eher kosmetisch sind. Da ist der Publisher doch vorsichtig, eine seiner Flaggschiff-Marken nicht völlig verkommen zu lassen.
Seekämpfe, die mich im Vorgänger tatsächlich eher genervt haben, spielen nun auch kaum noch eine Rolle. Dafür gibt es neue Nebenaktivitäten wie etwa das Wettfluchen (in Reimen) mit anderen Wikingern. Das ist wirklich witzig, da nicht nur die Reime an sich passen müssen, sondern auch die Kadenzen. Selbst mancher Deutschlehrer hätte da wohl seine Freude. Eine große Rolle kommt zudem später der eigenen Siedlung zu. Das erinnert lose an „“Assassin’s Creed III“, spielt hier aber noch eine deutlich größere Rolle für die Story. So finanziert ihr neue Gebäude und holt euch so neue Bewohner und neue Shops in die Stadt, sondern interagiert auch mit anderen Angehörigen eures Clans.
Das erinnert etwas an die Lagergespräche in „Red Dead Redemption 2“ und hat mir gut gefallen, auch wenn Ubisoft da nicht ganz die Klasse von Rockstar erreicht. Doch mir persönlich gefällt „Assassin’s Creed Valhalla“ nach mittlerweile rund 25 Stunden bereits besser als die beiden direkten Vorgänger. Nein, durchgespielt habe ich das Game also noch lange nicht – auch mit „Origins“ und „Odyssey“ habe ich jeweils ca. 100 Stunden verbracht. Und nach meinem bisherigen Eindruck werden es in „Valhalla“ wohl ebenso viele sein.
Eine Art Fazit? „Assassin’s Creed Valhalla“ erscheint zum perfekten Zeitpunkt: Noch gibt es nicht viele Spiele für die neue Konsolengeneration. Da ist das Open-World-Spiel einer der ersten Titel, der das Potenzial der Xbox Series X und PlayStation 5 aufblitzen lässt: Kurze Ladezeiten, hohe Auflösung, 60 fps und VRR – so macht das Zocken Spaß. Verbesserungspotenzial gibt es natürlich, denn man erkennt eben noch die Last-Gen-Wurzeln. Und wer schon bei „Origins“ und „Odyssey“ abgewunken hat, den wird auch „Valhalla“ vermutlich nicht umstimmen.
Für mich gibt es hier genügend Neuheiten und Verbesserungen, um das Wikinger-Abenteuer wärmstens zu empfehlen. Die Liebe zum Detail strömt aus jeder Pore und auch wenn einige Aktivitäten die übliche Open-World-Monotonie verströmen, liefern die Hauptgeschichte und die malerischen Landschaften der Spielwelt mehr als genügend Anreize viele vergnügliche Stunden in diesen Titel zu buttern. Zumal es übrigens mehrere Entscheidungen gibt, die den Spielverlauf tatsächlich beeinflussen – da kommen die Rollenspiel-Elemente noch stärker zum Tragen.
Also: Solltet ihr frischgebackene Besitzer der Xbox Series X|S oder der PlayStation 5 sein, dann behaltet „Valhalla“ definitiv im Auge.
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