ARD will sich von Streaming-Anbietern mit „Local Content“ abgrenzen

Die ARD spielt aktuell für jüngere Zuschauer so gut wie keine Rolle: So erreicht man mittlerweile in erster Linie Zuschauer im Alter von über 60 Jahren. Dieser Relevanzverlust wird in Zukunft wohl noch zunehmen, da sich ganz allgemein immer größere Teile des Publikums vom linearen Fernsehen verabschieden und auf Streaming setzen. Deswegen entwickelt man nun beim öffentlich-rechtlichen Sender neue Pläne, bei denen „Local Content“ ein Schlüsselwort ist.

So soll die Spielfilmtochter Degeto mit neuen Formaten experimentieren und dabei auch auf „typisch deutsche Stoffe“ setzen. Das assoziiere ich persönlich eher negativ, ist aber wohl subjektiv. Orientieren will man sich dabei an beliebten Inhalten aus den Mediatheken bzw. den Bedürfnissen der Nutzer. Das heißt, es soll auch der Weg für komplexere Geschichten frei werden, die im linearen Fernsehen meistens schlechter laufen, als bei On-Demand-Abrufmöglichkeiten.

Gleichzeitig erklären ARD und Degeto, dass man da noch ziemlich am Anfang stehe. Über deutsches Flair wolle man sich eben auch von US-Produktionen abgrenzen. Das erste Projekt, das man da hervorhebt, wirkt auf mich aber nicht so innovativ, wie die Verantwortlichen das wohl gerne hätten: Der Film „Der Feind – Recht oder Gerechtigkeit“ soll im ersten und Dritten parallel laufen und dabei die Auswahl aus zwei Perspektiven bieten: Jener des Polizisten, der in einem Fall ermittelt und jener des Strafverteidigers. Bei der simultanen Ausstrahlung kann man dann eben zwischen beiden Versionen des Films wechseln. Da gibt es aber in den USA längst ähnliche Projekte wie „The Affair“. Der Unterschied ist nur, dass die Serie die Perspektiven der Charaktere nacheinander zeigte und nicht parallel.

In der Mediathek soll der Film „Der Feind – Recht oder Gerechtigkeit“ auch als Splitscreen-Version angeboten werden. Für mich klingt das aber eher nach einer Spielerei und keiner sonderlich hilfreichen Strategie, um eine Geschichte zu erzählen. Laufen soll der Film Anfang 2021. Vielleicht werde ich dann aber ja auch eines Besseren belehrt.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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144 Kommentare

  1. Bei dem kümmerlichen Budget über das der „ÖR“ verfügt kann man auch nicht ernsthaft hochwertigen Content erwarten. Das Geld reicht doch schon jetzt nicht aus. 😛

  2. Anette Schütt says:

    Eine Diskussion über Inhalte erübrigt sich, wenn jeder zahlt, der es mag und niemand
    zahlen muss, der es nicht mag.
    Was sind das für Menschen, die andere zwingen wollen für etwas zu zahlen, was die
    nicht nutzen oder ablehnen?

  3. „Die ARD spielt aktuell für jüngere Zuschauer so gut wie keine Rolle: So erreicht man mittlerweile in erster Linie Zuschauer im Alter von über 60 Jahren. “

    Und dann diese Leute als „Umweltsau“ oder „Nazisau“ bezeichnen… Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln

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