Caschys Blog

Apple Studio Display im Test: 5K für fast 2K

Apple hat ein neues Display vorgestellt. 27 Zoll groß und auf die Bezeichnung Apple Studio Display hörend. Das habe ich in den letzten Tagen ausgiebig genutzt, verbringe ich doch die meiste Zeit beruflich vor dem Rechner. Für wen das Display etwas ist und für wen nicht, versuche ich einmal aufzudröseln.

Das Studio Display bietet euch ein 27 Zoll großes 5K-Retina-Display (68,29 cm Diagonale) mit 5.120 x 2.880 Pixeln bei 218 ppi. Der Thunderbolt-3-Upstream-Anschluss ist für einen Host (96 W zur Host-Aufladung). Dazu gibt’s drei USB-C-Downstream-Anschlüsse (bis zu 10 Gbit/s) für den Anschluss von Peripherie­geräten, Speicher und Netzwerken.

Ab 1.749 Euro geht’s preislich los. Der Preis ist viel diskutiert worden, weshalb ich gleich sagen kann: Ja, er ist definitiv hoch. Apple setzt eigentlich immer hohe Margen auf Zubehör. Schaut einmal zu den Hüllen, Tastaturen oder Mäusen rüber. Glücklicherweise für den Nutzer gibt’s da jede Menge Alternativen.

Wie viele Hersteller bieten ein Display an, wie es im Studio Display ist? Da gibt’s nur LG mit dem UltraFine. Apple hat also einen Markt ohne große Konkurrenz bei diesem speziellen Produkt. Da langt man dann hin. Wer mehr Display-Fläche benötigt, vielleicht ein Gerät mit guter Windows-Unterstützung möchte, wem Design und Verarbeitung dahingehend egal sind und wer kein Display mit dieser Auflösung benötigt, der findet tatsächlich günstigere Alternativen. Da passt ein Studio Display einfach nicht. Das ist voll in Ordnung – und wäre damit die Diskussion eigentlich beendet.

Fest, höhenverstellbar und VESA

Apple verkauft das Studio Display in mehreren Konfigurationen. Einmal in fester Höhe für 1.749 Euro, dann ohne Fuß mit VESA-Halterung und der höhenverstellbare Fuß will mit satten 460 Euro bezahlt werden. Das ist eine Ansage. Wer den iMac mit 27 Zoll kennt, der wird ohne höhenverstellbaren Fuß auskommen. Für die, die es nicht übertreiben wollen mit den Ausgaben, gibt’s aber noch alternative Tische für Monitore.

Verarbeitung des Apple Studio Display: Da kann ich Apple nichts Schlechtes nachsagen. Das Gerät ist hervorragend verarbeitet und passt exzellent zu den anderen Apple-Geräten. Designtechnisch ist der Monitor in meinen Augen gelungen. Er ist unauffällig auffällig und wirkt nicht so geraffelig, wie es viele Oberflächen von Hardware tun. Ich halte Kunststoff per se nicht für eine schlechte Materialwahl, aber vermutlich hätte Apple sich den Einsatz bei diesen Preisen nicht erlauben dürfen. Die Verarbeitungsqualität mit dem verwendeten Aluminium schlägt alle Monitore, die ich so „berühren“ konnte. Kein Vergleich zu meinem LG.

Nun einmal ein paar Beobachtungen zum Monitor, die ich während meiner Arbeitszeit mit ihm machte – und ein paar generelle Dinge: Über die Anschlüsse habe ich bereits berichtet. Es gibt keine Möglichkeit, parallel ein zweites Gerät anzuschließen, um schnell auf dieses umzuschalten. Das ist schade.

Wer vielleicht noch den Target-Display-Modus alter iMacs kennt, hätte sich vielleicht gefreut, wenn man da flott ein zweites Gerät anstecken könnte. So müsst ihr umstecken, falls ihr euer iPad an den Monitor klemmt. Wahrscheinlicher sind vermutlich MacBooks.

Der Monitor hat keinerlei Bedienelemente. Ihr regelt alles über die Software, über euer System. Das wirkt vielleicht auf Menschen komisch, die bisher mit „normalen“ Monitoren gearbeitet haben und keinen iMac kennen. Ich hatte hier in der Vergangenheit auf Monitor Control hingewiesen. Ein fantastisches Werkzeug, um einen Monitor in Sachen Helligkeit und Lautstärke seiner Lautsprecher vom Mac aus zu regeln. Denn ganz ehrlich: Am Monitor rumfuhrwerken ist großer Mist, der viel Zeit im Menü kostet – zumindest beim LG 5K UltraWide Monitor 34WK95U, den ich schon lange im Einsatz habe. Über die Tastatur am MacBook / Mac geht’s wesentlich schneller.

Damit dürfte auch schon beantwortet sein, ob sich ein Studio Display am Windows-PC nutzen lässt. Ja, aber ihr könnt wenig bis gar nichts justieren derzeit. Wollt ihr nicht, glaubt mir. Wer parallel mehr Geräte anschließen möchte, inklusive DisplayPort, HDMI und so, der greift weiterhin zu einem LG mit 4K- oder 5K-Auflösung. Die sind auch günstiger.

Von den Lautsprechern hatte ich mir nicht so viel erwartet, meistens sind die in Monitoren verbauten eher schlecht bis mäßig. Apple verbaut ein Lautsprecher-Array, welches tatsächlich gut klingt. Ich bin weit davon entfernt, das Ganze mit meinen Ansprüchen an den Sound befriedigt zu wissen, doch ich konnte im Test damit gut arbeiten. Beim LG-Monitor habe ich immer den HomePod als Lautsprecher genutzt, das machte ich beim Studio Display nicht.

Die Lautsprecher im Studio Display klingen gut, verfügen über brauchbaren Bass und gute Höhen. Kurzum behaupte ich, dass Apple mit diesem Lautsprecher-Array wohl die meisten Lautsprecher in Monitoren hinter sich lässt. Das mit den Lautsprechern bekommt Apple generell gut hin, das sehe ich daran, dass ich bei der Arbeit am MacBook Pro draußen auf der Terrasse nicht mehr eine Sonos-Box zuschalte, stattdessen die integrierten Lautsprecher nutze.

Das Bild des Monitors würde ich grundsätzlich als sehr gut bezeichnen. Wobei Apple auf viele in Monitoren mittlerweile machbare Technologie verzichtet. Es gibt keine offizielle HDR-Kompatibilität, es ist IPS, 120 Hz Pro Motion fehlt auch, statt 10-Bit gibt’s 8-Bit + Dithering. Auf der anderen Seite erreicht der Monitor dafür eine Farbgenauigkeit mit Delta E < 1 und rund 98 Prozent bei der Abdeckung von DCI-P3 und eine Helligkeit von bis zu 600 Nits. Die jeweiligen Modi lassen sich schnell über das System regeln:

Apple Display (P3 600 Nits)
HDTV Video (BT.709-BT.1886)
NTSC Video (BT.601 SMPTE-C)
PAL und SECAM Video (BT.601 EBU)
Digitales Kino (P3-DCI)
Digitales Kino (P3-D65)
Design und Druck (P3-D50)
Fotografie (P3-D65)
Internet und Web (sRGB)

Kurzum: Ein für meine Augen fantastisches Bild, selbst bei seitlichem Lichteinfall. Ich habe viel mit meinem LG verglichen und bin der Meinung, dass das Studio Display knackiger bei Wechseln des Blickwinkels bleibt. Doch mal Hand aufs Herz, die meisten von uns schauen direkt auf das Display und stehen kaum so rum, dass man kaum was erkennen würde.

Die Webcam: Tatsächlich derzeit weniger Qualität als gedacht, allerdings auch etwas weniger schlecht als in manchen Reviews behauptet. Grundsätzlich funktioniert Center Stage, also der Verfolgemodus, sehr gut. Das macht Laune, wenn man im Bild bleibt und fühlt sich natürlich an. Ich bin Fan von internen Lösungen und kein Mensch der nun kristallklar und knackig rüberkommen muss in irgendwelchen Calls. Und es gibt auch keine Pros, die ihre Filme mit einer Webcam aufnehmen.

Dennoch wäre es schön, wenn Apple noch ein paar Stellschrauben drehen könnte, denn die Erwartungen, die geschürt wurden, sind etwas höher als meine Ergebnisse. Das Ganze wirkt farblos, rauschig – da sollte was passieren. Bei dieser Kamera und diesem Monitor will ich nicht wie eine Kartoffel aussehen. Hier mal ein Vergleich zwischen MacBook Pro 2021, der Cam aus dem iPhone 13 Pro und dem Studio Display. Spannend dabei: Die Qualität wirkt auf mich schlechter bei Screenshots, nicht aber beim Gegenüber oder in der Vorschau.

Studio Display Tageslicht:

Studio Display künstliche Beleuchtung:

Studio Display, Vorschau der Webcam, aufgenommen mit dem iPhone:

iPhone 13 Pro:

MacBook Pro 2021:

Empfehlungen:

Will man zum höhenverstellbaren Gerät greifen und besonders flexibel sein, dann sollte der Griff vermutlich zum VESA-Modell des Studio Displays gehen, da es so an jedem VESA-Arm angebracht werden kann – und das zu einem guten Preis.

Es gibt eine teurere Variante mit Nanotextur-Glas, wie auch bei Apples Pro Display XDR. Eine wirklich gute Antireflexions-Technologie, vermutlich aber die Mehrausgabe für viele nicht wert, außer, die Arbeitsumgebung hat wirklich extreme Lichtbedingungen.

Ebenso sollte man als professionell arbeitender Mensch daran denken, dass der Monitor, sofern er eure Voraussetzungen bezüglich des Bildes erfüllt, bezahlt werden will. Und ihr löhnt hier auch für Funktionen, die professionelle Bildarbeiter für gewöhnlich nicht in Studios benötigen – eben die Lautsprecher, die Webcam, die Mikrofone.

Apple stellt hier wirklich einen hervorragenden Monitor hin, der jedoch einen hohen Preis hat. Schaut man sich allerdings um, haben Leute, die auf Auflösung achten, nicht wirklich viele Alternativen zur Auswahl. Sofern Aspekte wie Sound, Webcam, Design und Verarbeitung nur sekundär sind, kann man auch bei LG und deren 5K-Modell schauen. Wer aber auf das genannte Lust hat und ein Paket aus einem Guss möchte, dazu auch etwas für das Auge außerhalb des eigentlichen Panels wünscht, der macht mit dem Studio Display alles richtig. Wenn die Reibung zwischen Daumen und Zeigefinger passt, dann sollte man zuschlagen.

Top: Bild, Sound, Verarbeitung, Design, Integration ins System, einer der wenigen 5K-Monitore auf dem Markt. Sieht besser aus als ein LG.

Ohne Wertung: Der integrierte A13-Chip und die eingebettete iOS-basierte Firmware sorgen vielleicht zukünftig dafür, dass der Monitor noch Software-Tricks kann. Welche auch immer das sein mögen.

Nicht so top: Proprietäres Netzkabel nicht durch den Nutzer zu entfernen, das macht es schwer, bei Defekt des Kabels „mal eben“ schnell zu tauschen. Hoher Aufpreis für den höhenverstellbaren Fuß. DisplayPort wäre toll gewesen, HDMI auch.

Sobald das Update kommt, welches die Webcam-Qualität noch verbessern soll, lege ich hier noch einmal nach.

Daten:

Apple Studio Display bei Apple

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