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Apple Pay: Sparkasse kritisiert Apple erneut

Social-Media-Mitarbeiter bei der Sparkasse möchte man derzeit nicht sein. Schon beim Start von Google Pay in Deutschland kassierte man von einigen Nutzern Schelte auf Facebook und Twitter und der heutige Start von Apple Pay gestaltete sich da nicht anders. Der Schmerz über die Nutzerschelte muss durchaus tief bei der Sparkasse sitzen, denn am Tage des Apple-Pay-Starts lässt man sich tatsächlich zu einer Pressemitteilung hinreißen, die inhaltlich eine bereits von der Sparkasse getroffene Aussage enthält.

Die Sparkassen setzen sich dafür ein, mobile Zahlungslösungen für alle Kunden in Deutschland zugänglich zu machen und deren Entwicklung zu fördern. Bereits seit Juli 2018 können Sparkassen-Kunden mit ihren Android-Smartphones im Einzelhandel bezahlen. Dabei können neben Sparkassen-Kreditkarten (Mastercard) auch die 45 Millionen von Sparkassen ausgegebenen girocards zur Zahlung genutzt und digitalisiert werden.

Das jüngst gestartete „Apple Pay“ steht dagegen nur einem sehr engen Nutzerkreis teilnehmender Banken zur Verfügung. Der Grund dafür ist, dass Apple seine NFC-Schnittstelle nicht für andere Anbieter öffnet und auch die im Handel beliebte und bei Kunden weit verbreitete girocard bisher nicht als Zahlungsmittel integriert hat. Aus Sicht der Sparkassen ist aber genau das Voraussetzung dafür, dass sich mobile Bezahllösungen in Deutschland durchsetzen können.

Nun will ich nicht über das Für und Wider von Kreditkarten sprechen – denn diese haben in Deutschland nicht die Akzeptanz wie vielleicht in anderen Ländern. Selbst Kunden der Deutschen Bank setzen ungerne auf Kreditkarten, lediglich 20 Prozent der Kunden haben auch eine beim Institut. Und so toll offene Standards auch sind – wie das von der Sparkasse angesprochene NFC – im Falle der girocard ist es doch so, dass man eine international kaum zu gebrauchende Lösung auf den Markt gebracht hat, eine deutsche Insellösung quasi. Die Sparkassen-Finanzgruppe führt Gespräche mit Apple darüber, ob und wie das mobile Bezahlen auch für Nutzer von Apple-Endgeräten bereitgestellt werden kann.

Die Sparkasse will also die NFC-Schnittstelle direkt anzapfen, um den Kunden eine Lösung zu präsentieren, die auch bequem auf dem iPhone funktioniert. Andere Institute sehen das anders, setzen derzeit schnell Lösungen für ihre Kunden um, die keine Kreditkarte haben – da wird dann beispielsweise bequem via App eine virtuelle Karte erstellt, deren Zahlungen dann transparent für den Kunden über sein eines Konto laufen. Dem Kunden wird es egal sein, ob die Bank dafür in einen sauren Apfel beißen musste, oder ob sie das neue System aufgrund der guten internationalen Nutzbarkeit gerne eingeführt hat. Mobiles Bezahlen wird sich auch so durchsetzen. Auch ohne Sparkasse, auch ohne girocard.

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