Früh ist es, als ich mich am Morgen des 11.12 auf den Weg nach München mache. Erste App-Updates verraten mir, dass Apple Pay tatsächlich nach all den Jahren in Deutschland gestartet ist.
Für viele Menschen ist mobiles Bezahlen das Hype-Thema schlechthin. Für sie ist es etwas anderes, eine Karte hinzuhalten, unter Umständen eine Pin einzugeben – oder eben das Smartphone zu benutzen. Ich selber sehe das gar nicht so kritisch, bin recht offen und letzten Endes ist es mir egal, wie andere zahlen. Kontaktlos ist nicht neu und die Nutzer streiten, ob sie kontaktlos mit Karte – das funktioniert auch mit der oft verspotteten girocard – oder dem Smartphone schneller sind.
Was man schon vor dem Start von Apple Pay wusste: Es werden nicht alle Institute dabei sein, so wie sie es auch bei Google Pay nicht sind. Das liegt an der Akzeptanz und den technischen Voraussetzungen. Die Sparkasse will ihre eigene Lösung durchdrücken. Auf der anderen Seite sind viele Karten einfach nicht kompatibel. Girocard und Co könnten das 2019 sein, denn auch in anderen Ländern wurden bereits die nationalen Systeme so angepasst, dass sie mit Apple Pay nutzbar sind.
Bargeld, eines der liebsten Kinder des Deutschen, so sagt man oft. Und ja: Es gibt Gründe für und gegen alles. Gegen Bargeld, für Bargeld. Und dann ist da natürlich noch die besondere, eben erwähnte Kartenstruktur in Deutschland. Klassische Girokonten werden durch Lösungen wie Apple Pay jetzt nicht abgedeckt, die deutsche Insellösung ist international wenig zu gebrauchen. Anders als bei Google Pay kann man bei Apple Pay nicht einfach ein PayPal vor die Karre spannen, welches als Mittler dient.
Ich bin in München angekommen. Die ersten Schneeflocken fallen in die Allianz-Arena hinein. Gar nicht mal so groß. Für einen Dortmunder ein schräger Ort. Zumindest macht keiner Witze über einen Tabellenstand in der Bundesliga.
Hier sitze ich nun, um mich mit einigen Vertretern der Bank-Industrie zu unterhalten. Institute, die Apple Pay unterstützen, im Falle der comdirect ist man auch bei Google Pay dabei.
Bei der Deutschen Bank heißt es, dass lediglich 20 Prozent ihrer Kunden auch eine Kreditkarte beim Institut haben. Durch die bisherige Kartengestaltung ist es so, dass die Karten nicht kompatibel mit Apple Pay sind (Nur bunq hat derzeit mit der Maestro-Lösung eine Apple-Pay-kompatible Karte). Aber: Kunden haben in der App die Möglichkeit, eine virtuelle MasterCard zu buchen. Kostenlos. Jene lässt sich in Wallet einbinden und somit mit Apple Pay nutzen.
Kein Schattenkonto, direkt mit dem Konto verknüpft. Immerhin. Das Modell N26 und anderer Fintechs, auf die die etablierten Banken gerne schimpfen, ist bei den Banken angekommen. Bei der comdirect sieht es so aus, dass man 2019 irgendwann die Girokarten unterstützt, die Systeme müssen dementsprechend angepasst werden – klappt, wie oben erwähnt, in anderen Ländern ja auch. Apple Pay funktioniert bei der comdirect derzeit nur in Verbindung mit der Visa-Karte. Mittelfristig ist eine Digitalisierung der V PAY-Funktionalität der girocard und somit auch die Möglichkeit des Hinzufügens dieser Karte zu Apple Pay und Google Pay geplant.
Was weder Apple noch die Banken kommunizieren: Den „Preis“ für Apple Pay. Unbestätigte Quellen sprechen seit Jahren von 0,15 Prozent pro Transaktion. Deutschland ist Markt Nummer 27 für Apple Pay. Das Gute: Man erwartet, dass Ende des Jahres 80 Prozent aller Terminals für die kontaktlose Zahlung vorbereitet sind. Dann kann bequem bezahlt werden – natürlich nicht nur mit Apple Pay oder einem iPhone. Das Interesse an kontaktlosen Bezahlen wachse stetig, so die einhellige Meinung der unterschiedlichen Institute. Im Falle von Google Pay ist es so, dass mehr als die Hälfte aller Nutzer mehr als 5 Transaktionen im Monat tätigt. Aber: Es zahlen nur wenige Menschen derzeit mit dem Smartphone oder gar kontaktlos. 80 Prozent aller Einkäufe werden bar bezahlt.
Ebenfalls einig ist man sich beim Thema Sicherheit und Datenschutz. Apple weiß nicht, wann wer was wo gekauft hat, zudem gibt es für jede Transaktion einen neuen Token. Alle Infos hinterlegt Apple auf den Geräten sicher, bei Transaktionen wird dann entweder Face ID oder Touch ID zum Schlüssel, bei älteren Macs ohne Touch ID wird das iPhone oder die Apple Watch als Relay genutzt.
Auch generell könnte sich das Einkaufsverhalten von Nutzern verändern. Ich brauche keine großartige Registrierung mehr, nutze einfach mittels eines Klicks meine auf dem Gerät gespeicherten Daten, um irgendwo zu bestellen. Bequemlichkeit, die etwas an PayPal Express erinnert. Bequemlichkeit, die ich gerne habe. Gastbestellung, ohne dass ich lange Formulare ausfülle? Call me in.
Aber warum bin ich dafür denn nach München gereist? Ganz einfach: Das praktische Beispiel für das Bezahlen mit Apple Pay ist der FC Bayern München. Wer sich als Stadiongänger mal in den vergangenen Jahren durch die Stadien geschlagen hat, der kann vielleicht ein Lied davon singen, wie lange Dinge dauern und wie kompliziert diese sind oder zumindest waren.
Da gab es früher Stadiondeckel, keine Bargeldannahme, langes Anstehen für Aufladen und und und. Fällt in München wohl weg, wenn man möchte. Selbst NFC-Tickets lassen sich in der Wallet-App hinterlegen, der Zugang zum Stadion wird so möglich. Einkaufen im Fanshop, Bier, Cola, Bratwurst (VIEREUROZWANZIG!) – eine Handbewegung. Das ist eine schicke Sache, für die Apple-Managerin Jennifer Bailey, Vice President of Internet Software and Services and Apple Pay, in die bayrische Landeshauptstadt gereist ist.
Letzten Endes muss man mal schauen, wie sich das Thema weiter entwickelt. Die Sparkasse fordert Apple auf, NFC für Dritte zu öffnen. Hier ist es eben nicht möglich, so wie bei Android, dass jeder eine App entwickeln kann, mit der dann über NFC bezahlt werden kann. Samsung Pay, Huawei Pay und viele werden folgen. An Google Pay heranreichen wird wohl kaum einer.
Bei Apple bekommt der Nutzer derzeit alles aus einem Guss. Ein Benutzerlerlebnis. Die Banken gehen dafür in einen golden Käfig. Lange Jahre hatte man Zeit, selber Lösungen zu realisieren. Das hat man nicht geschafft, man baute teils quatschige Einzellösungen. Jetzt interessiert es den Nutzer nicht mehr. Der schaut sich vielleicht um, wo er wenig bezahlt und möglichst bequem zahlt.
Wie weiter oben erwähnt, ist es mir persönlich recht egal, wie wer wo bezahlt. Kontaktlos ist im Kommen, ich bin Fan davon, möglichst wenige Karten dabei zu haben. Ich möchte schnell, einfach und sicher irgendwo zahlen, möglichst in Echtzeit meine Kontobewegungen im Blick haben. Bot mir die Postbank damals nicht, weshalb ich zur ING wechselte – diese wiederum ist weder bei Google Pay noch derzeit bei Apple Pay dabei, weshalb ich noch ein Konto bei N26 habe. Wenn Institute da nicht mitkommen, sich vielleicht auf alte Kunden verlassen – mir egal – die Nutzer, die jetzt 14 oder 15 sind, die werden das bald regeln. Die wachsen ganz anders auf.
