Apple schließt sich und seine Nutzer am liebsten im eigenen Ökosystem ein. Das hat gleichermaßen viele Vor- und auch Nachteile. Ältere E-Mails von Steve Jobs, die im Zuge der aktuellen Untersuchungen der US-Wettbewerbshüter an die Öffentlichkeit gelangt sind, schlüsseln zumindest im Ansatz die Gedankengänge dahinter auf.
Beispielsweise moniert Jobs in den E-Mails Amazons Kindle-App. Er fordert im Gespräch mit dem Marketing-Leiter Apples, Phil Schiller, dass Amazon die Bezahlungsmechanismen von Apple nutze (und damit das Unternehmen an den Umsätzen beteilige) oder sich schlichtweg aus dem App Store zurückziehe. Das Ergebnis ist, dass Amazon bis heute die Option E-Books an iPad und iPhone zu kaufen aus seiner App entfernt hat. Da hilft nur der Umweg über den Webbrowser.
Jobs führte weiterhin aus: „Ich halte das alles für simpel: iBooks bleibt der einzige Bookstore auf iOS-Geräten. Wir müssen unsere Köpfe hochhalten. Man kann Bücher lesen, die anderswo gekauft worden sind, sie aber nicht kaufen, leihen oder unter iOS abonnieren, ohne uns zu bezahlen.“ Hier wird natürlich auch deutlich, dass es weniger um die von Tim Cook zuletzt beworbene Förderung der Entwickler und die Schaffung von Möglichkeiten geht – sondern schlichtweg knallhart um Geld und das Stück vom Kuchen, das Apple abhaben möchte.
Ein anderes Gespräch drehte sich um den mittlerweile ehemaligen Facebook-Mitarbeiter Joe Hewitt, welcher die ersten Versionen der Facebook-App für iOS entwickelte. Hewitt beklagte sich nicht nur bei Apple, sondern auch öffentlich über die neuen Bestimmungen für Entwickler ab iOS 4.0. Jobs stieß diese öffentliche Kritik sauer auf, sodass er neue Gespräche mit Hewitt meiden wollte. Ebenfalls öffentlich geworden sind durch diese E-Mails auch die Sonderabkommen, die Apple mit Amazon abgeschlossen hatte, um Amazon Prime Video auf die eigenen Geräte zu hieven.
Aktuell prüfen die US-Wettbewerbshüter, ob Apple eine dominierende Stellung am Markt haben könnte. Apple weist dies weit von sich. Auch in der EU laufen Untersuchungen bzw. es wird Kritik an Apples Umgang mit Entwicklern laut.
