Angeschaut: Zoho Notebook, (k)eine Evernote-Konkurrenz

zoho notebookEnde Juni kündigte Evernote eine neue Preisstruktur an. Nicht nur die Preise wurden angehoben, das kostenlose Angebot wurde auch stark eingeschränkt, denn die Nutzung des Clients ist nur noch auf zwei Geräten möglich. Sofort schossen Beiträge im Web wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden, die auf Evernote-Alternativen hinwiesen. Fand ich kurios, denn in den meisten Fällen kann man nicht von Alternativen für ernsthafte Evernote-Benutzer sprechen. Es ist schwer bis unmöglich, einen fast funktional deckungsgleichen Anbieter zu finden. Und ganz ehrlich: wenn man harter Evernote-Nutzer ist, dann soll man sich eben ausrechnen, ob man nicht für den Dienst zahlen möchte.

notebook zoho artikel

Dass man irgendwann etwas gratis bekommen hat, ist schön. Ob das bis in alle Ewigkeit funktioniert? Schwer zu sagen – so lange die Premium-Kunden die Kostenlos-Nutzer mitfinanzieren – ok. Ich selber habe Evernote zigmal eine Chance gegeben – aber letzten Ende habe ich es nie genutzt – obwohl ich gelegentlich Notizen anfertigen wollen würde. Alternativen gibt es ja eigentlich genug.

Einigen reicht eine einfache Textdatei, dazu gibt es halt noch Google Notizen auf iOS und Android oder die Apple-eigene Notiz-App. Man kann als Android- oder iOS-Nutzer also schon einiges machen, ohne irgendwelche Verrenkungen machen zu müssen. Dennoch versuchen sich diverse Firmen immer wieder an neuen Lösungen, um eine Alternative darzustellen – und wenn man keine echte Alternative sein kann, dann vielleicht doch eine gute Lösung für Menschen, die noch ausprobieren, was sie wollen.

Hier kommt Zoho ins Spiel, die es schon seit zig Jahren gibt. Fand ich immer verwunderlich, wie dir durchhalten – deren Office Suite ist zwar funktional, ich kenne aber nicht einen einzigen Nutzer. Wahrscheinlich sind es die zig Business-Tools, die eine Querfinanzierung der kostenlosen Software gewährleisten. Das neue Tool hört jedenfalls auf den Namen Notebook. Bislang nur für Android und iOS, eine Web-Variante soll folgen. Eine Alternative zu Evernote? Nein, definitiv keine echte – so viel kann ich nach meinem Test schon sagen. Es fehlt noch einiges, aber dessen ist man sich auch bewusst. Es ist ein guter Start und Funktionen sollen nachgeliefert werden.

Zoho Notebook in Kurzform?

Apps für Android und iOS. Kostenlos. Synchronisation via Cloud. Notebooks können in Sachen Cover und Papierfarbe gestaltet werden, auch eigene Bilder gewählt werden. Text, Audioaufnahmen, Bilder und Checklisten lassen sich frei in Notizen einfügen. Einzelne Notizblätter lassen sich flott mit anderen zusammenfügen und auch in Stapeln darstellen. Ein Assistent zum App-Start erläutert alles auch in deutscher Sprache. Es wird ein Zoho-Konto benötigt, dies kann auch via Facebook-, Twitter-, Linkedin-, Microsoft- oder Google-Login realisiert werden.

Neben Android und dem iPhone wird auch das iPad unterstützt, hier soll noch die Unterstützung für das iPad Pro, also den Apple Pencil folgen. Ebenfalls soll ein Import von Evernote bald möglich sein. Erinnerungen? Bislang auch nicht möglich, steht ebenfalls auf der Liste, wie das Entwicklerteam mitteilt. Native Apps sollen neben einer Web-Variante folgen. Daten in der Cloud landen derzeit in den USA, für europäische Nutzer bereitet man Server in Dublin und Amsterdam vor. OCR und Anhänge? Derzeit nicht möglich. Versionen von Notizkarten? Kann man einsehen und so einen anderen Stand wiederherstellen.

Die Kurzform dürfte schon gezeigt haben, für wen es was ist und für wen nicht. Muss man nicht drüber diskutieren, kommt funktionell nicht an Evernote ran, ist aber definitiv eine nette Software, mit der man viel anfangen kann.

In Wort und Bild

Wer das Ganze mal etwas visueller möchte, der findet mal ein paar Screenshots, die ich dann kurz anreiße, alternativ schadet Ausprobieren sicher nicht, wenn euch Evernote oder OneNote halt zu viel des Guten sind und ihr mal abseits der bereits genannten Lösungen Google Notizen und Apple Notizen schauen wollt.

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Die iOS-Version bringt ein Widget mit und unterstützt 3D Touch sowie Peek & Pop in der Notizansicht.

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Notizen können in Quadraten oder Quadern dargestellt werden. Notizen lassen sich per Geste auch in einen Stapel zusammenfassen, sodass ihr thematisch zusammenhängende Notizen schnell in einer zusammenfassen könnt. Ordnung muss bekanntlich sein. Zusammenhängende Notizen haben keine Abstände zueinander, anders als es im Screenshot über diesem Absatz zu sehen ist. Stattdessen sieht das so aus:

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Hier einmal die reine Textsuche im linken Teil des Bildes und die Übersicht der Notebooks im rechten Teil.

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Ansicht einer Notiz mit den verschiedenen Elementen. Bild, Listen, Text, Audionachrichten. Notizen können kopiert oder verschoben werden, auch das Wiederherstellen älterer Versionen ist machbar. Die Farben der Notizblätter lässt sich anpassen.

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Unter Android kann der Nutzer Schnellzugriffe auf Notizbücher als Verknüpfung anlegen und es gibt ein Widget für das schnelle Erstellen von Notizen. Diese schnellen Notizen landen im voreingestellten Standard-Notizbuch.

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Was bleibt? Zoho Notebook machte einen guten Eindruck auf mich. Ich habe nicht großartig mit Evernote verglichen, stattdessen das jetzige Feature-Set auf mich wirken lassen. Das ist für diese Lösung schon wirklich ok. Die Nutzung gestaltet sich einfach, macht sogar Spaß. Behauptung: Diese Lösung wird definitiv Nutzer finden, auch wenn man initial nicht alle abholen kann, die vielleicht auf OneNote oder Evernote schwören. Ich werde die Lösung auf jeden Fall mal beobachten, denn meiner Meinung nach ist man mobil zwar gut aufgestellt, doch eine Web- und Rechnervariante muss folgen.

Die Zoho-Übersichtsseite mit der Downloadmöglichkeit für Android und iOS findet ihr hier.

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Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

18 Kommentare

  1. Schröppke says:

    Hört sich interessant an. Als jahrelanger Zoho Mail Nutzer (auch Android) traue ich denen viel zu.

  2. Omar suarez says:

    Ohne Webdienst leider nichts für mich

  3. Kein Windows-Client, keine Webversion? Also nur auf Mobilgeräten nutzbar? Schon gestrichen.

  4. Gibt es empfehlenswerte Open Source Alternativen? Ich habe nur mal von https://github.com/Laverna/Laverna und https://turtl.it/ gehört aber noch keine Erfahrung gesammelt.

  5. > Fand ich immer verwunderlich, wie dir durchhalten
    Mit 4000 Mitarbeitern und den kostenpflichtigen (günstigen) Business Diensten, die vorallem im Land des Headquarters (USA) sehr gut angenommen werden, sind die ganz gut aufgestellt. Ich nutze deren Mailangebot mit eigener Domain – perfekt 🙂

    Bin gespannt wie sich das Notiz-Tool weiter entwickelt.

  6. Bin mit Evernote nie wirklich warm geworden, auch wenn es im mobilen Einsatz besser als zB OneNote ist. Sehr schade das Springboard eingestellt wurde, das war immer mein Favorit.

  7. @Ralf Ich mag Evernote auch nicht. Es wirkt wie ein Bulldozer und keine Sekunde elegant und leicht. OneNote entwickelt sich in eine gute Richtung. Aber die Synchronisation ist grauenerregend schlecht.

  8. @Ghosti
    Freue mich über eine nähere Vorstellung der beiden Tools. Die Demo von „Laverna“ bleibt bei mir leider bei „Loading…“ hängen. Und zu „turtl“ konnte ich leider keine Screenshots finden. Schauen beide aber sehr interessant aus.
    Ich nutze Evernote seit Jahren und ich muss auch zugeben, dass ich mir immer eine schlankere Version gewünscht hätte. Auch der Editor blieb mir bisher immer ein Rätsel, da es soviele gute Texteditoren gibt und der von Editor bekommt nicht mal auf einfache Art und Weise Tabellen oder Tab-Abstände hin.
    Ungeschlagen bleibt aber das OCR bzw. die pdf-Indizierung.

  9. Ich habe Evernote auch schon vor einer ganzen Weile den Rücken zugekehrt, und nutze mittlerweile OneNote und bin damit sehr zufrieden.

    Ein paar Premium Funktionen von Evernote sind zwar ganz nett, aber ich halte den verlangten Preis für eine Notiz App für absurd hoch. Über vielleicht 5 Euro im Jahr kann man für so so ein kleines Tool reden, aber das wars dann auch.

  10. Christian Deysson says:

    Was mich bei Evernote stört, ist nicht die Preispolitik (gute Sachen will ich nicht geschenkt haben), sondern das unübersichtliche, komplizierte, insgesamt freudlose Design. Da gefällt mir Notebook ungeachtet der noch vorhandenen Defizite schon erheblich besser. Erinnert etwas an die hübsche, leider verschwundene Springpad-App. Sofort heruntergeladen. Danke für diesen und so vieler gute andere Tipps, lieber Caschy!

  11. Sehr sehr schade. Mein Handy mit Android 5.1 wird schon nicht mehr unterstützt. 🙁

  12. Okay…. Die App setzt Android 4.1 voraus. Was läuft da falsch?

  13. @Christian Die Upgrade Politik der Hersteller! Bin nach Jahren von Onenote weg, weil die Synchronisation grausig geworden ist. Probier doch mal Cyanogenmod.

  14. @Joerg Eine ausreichend aktuelle Androidversion habe ich ja. Irgendein anderes Hindernis steht im Weg

  15. Ich nutze einfach die Standard Notizen und Erinnerungen App auf dem iPhone. Bietet alle nötigen Funktionen.

  16. Hab mich noch etwas mit dem Thema beschäftigt und dabei TagSpaces gefunden:
    https://www.tagspaces.org/

    Schaut auch nett aus. Hat allerdings genau wie die anderen Lösung den großen Nachteil der fehlenden OCR-Fähigkeit. Da bleibt Evernote weiterhin spitze und ich persönlich kann auf OCR bzw. der Dateiindizierung nicht verzichten.

  17. Hi, ich suche eine Notizapp, mit der ich über WebDAV synchronisieren kann. Zusätzlich möchte ich diverse Kategorien/Ordner mit Passwort schützen. Ich habe bis dato nichts wirklich brauchbares für Android gefunden. Vll. kann mir ja hier jemand helfen?