Google wird in Android 11 eine Anpassung an den Umgang mit Kamera-Apps von Drittentwicklern einführen. So wird es zwar weiterhin möglich sein, derlei Anwendungen zu verwenden, sie lassen sich in Android 11 dann aber nicht mehr als Standard-Kamera-Apps in z. B. Messengern einrichten. Stattdessen wird dann immer die Standard-App des Herstellers eures Smartphones gewählt. Einige Entwickler sind wenig begeistert von dieser Anpassung.
Google begründet diesen Schritt damit, dass man die Sicherheit der User schützen wolle. Es geht da auch darum, dass Kamera-Apps ja Standortdaten abrufen und diese Daten nicht missbraucht werden sollen. Abseits der Auswahl der Kamera in anderen Apps, könnt ihr aber wie gewohnt eure Drittanbieter-Anwendungen zum Knipsen von Fotos verwenden. Nur wenn z. B. ein Messenger eben keine integrierte Kamera-Lösung mitbringt, werdet ihr keine Wahl mehr haben. Wie schwer diese Umstellung also wirklich in der Praxis wiegt, darüber kann man lange diskutieren – und genau das tun aktuell auch Entwickler.
Googles Sicherheitsbedenken richten sich da auch gar nicht in erster Linie gegen die Kamera-Apps an sich, sondern die Angst vor unerwünschten „Mithörern“: Startet eben ein Messenger die Kamera-App eurer Wahl, befürchtet Google, dass auf diese Weise der erwähnte Messenger eure Standortdaten abgreifen könnte – die Kamera-App wird da also ein Mittel zum Zweck. So könnten theoretisch auch Apps euren Standort über diesen Umweg mitschneiden, wenn ihr Geotagging aktiviert habt, ohne selbst auf den Standort Zugriff zu haben. Das ist kein reines Gedankenspiel, denn etwa Shutterfly trafen genau solche Vorwürfe im letzten Jahr.
Der Entwickler der App „Camera FV-5“, Flavio Gonzalez, kritisiert Googles Schachzug dennoch, der aus seiner Sicht die Sichtbarkeit von Drittanbieter-Apps ein Stück weiter einschränke. Der Gründer von „OpenCamera“, Mark Harman, sieht die Sache aber z. B. gelassener und bemängelt zwar, dass Google sich in eine Richtung bewege, welche die Wahl der Nutzer einschränke, er aber zunächst keine dramatischen Auswirkungen befürchte.
Besser wäre es vielleicht gewesen, Google wäre gezielt gegen Kamera-Apps vorgegangen, die freigiebig mit EXIF-Metadaten umgehen. Oder man hätte eine API zwischengeschaltet, welche derlei Daten automatisch entfernt. Wobei grundsätzlich die Frage eröffnet wird, warum man den Standard-Apps der Hersteller wie Huawei, LG oder Xiaomi hier mehr vertraut, als denen von Drittentwicklern.
