Caschys Blog

American Society of Cinematographers: Hollywoods Kameraleute plaudern über HDR

Als kleiner Reinholer, die American Society of Cinematographers (ASC) ist eine Vereinigung, welche nur die besten Kameraleute aufnimmt. Mitglied kann man nur werden, wenn einen mehrere andere Mitglieder unterstützen und man auch über entsprechende Referenzen aus der internationalen Filmindustrie verfügt. Ich habe die ASC vor Ort in Los Angeles besucht und mit einigen der ältesten Mitgliedern über den aktuellen Einfluss von HDR auf ihre Arbeit gesprochen.

So betont Curtis Clark, eines der führenden Mitglieder der ASC, dass nicht nur für einen Kameramann, sondern für alle, die am Filmmaterial arbeiten, wichtig sei, dass die Aufnahmen über die gesamte Produktionskette so nahe wie möglich am finalen Ergebnis seien. Das klinge trivial, sei es aber absolut nicht. Selbst wenn deswegen nämlich ein Kameramann oder Regisseur direkt am Set Aufnahmen kontrolliere, sollten jene in Farben, Kontrast und Format möglichst akkurat dargestellt werden. Sonst könne man nicht beurteilen, ob das aufgezeichnete Material verwendbar sei.

Und wer mit HDR arbeite, der sollte deswegen direkt am Set nicht nur entsprechende Kameras verwenden, sondern auch entsprechende, professionelle Monitore mit HDR-Unterstützung. Sonst seien Probleme vorprogrammiert. Beispielsweise könne es sein, dass man einen Darsteller vor einem Fenster mit Gegenlicht für einen ästhetischen Shot aufzeichne. Was in SDR perfekt aussehe, könne in HDR aufgrund der erhöhten Kontraste den Blick zu sehr auf den Hintergrund lenken und den Bildeindruck komplett verändern.

Aus derlei Gründen sollte man laut Clark und weiteren ASC-Kollegen im Idealfall direkt am Set komplett mit HDR-Technik hantieren. Generell seien aus derlei Gründen auch nachträgliche HDR-Konvertierungen mit Vorsicht zu genießen. Weil viele Regisseure und Kameraleute aufgrund der veränderten Bildeindrücke schon fast vom Stuhl gefallen seien, gehe man auch entsprechend konservativ an Konvertierungen heran. Für vernünftiges, aufs Material abgestimmtes HDR, sollte man direkt auf diese Art und Weise filmen. Alles andere sei entweder ein fauler Kompromiss oder verändere das Material zu stark auf ungewollte Weise.

Die ASC-Mitglieder rund um Clark bezeichnen HDR dabei als „Buzzword“: Es sei eine der Techniken, die auf ungewöhnliche Weise unumstritten sei. Jeder sehe HDR grundsätzlich als Bereicherung, gibt Clark zu Protokoll. Das Problem sei vielmehr, dass jeder zwar HDR wolle, es aber an Präzisierungen fehle. Selbst Laien, wie die technisch oft wenig versierten Produzenten und Studioleiter, würden viel über HDR sprechen. Was aber notwendig sei, um HDR nicht nur als visuelle Unterstützung, sondern auch als kreatives, ästhetisches Element für das Storytelling zu nutzen, verstehen aktuell eben nur wenige.

Aus den bereits erwähnten technischen Aspekten wünschen sich die ASC-Mitglieder, dass HDR etwa schon bei den Dailies zu sehen sei, welche sich Filmemacher und andere in die Produktion involvierten Personen jeden Tag ansehen. Auch das sei aber schwierig, wenn etwa ein Studioboss oder Produzent am Apple iPad reinschaue – was absolut üblich sei. Deswegen müsse man aktuell ehrlich sein: Was das Kino betreffe, so stünde zu 98 % immer noch SDR im Fokus. Auch ,weil HDR leider in den Kinos dieser Welt an sich noch gar nicht wirklich technisch vorhanden sei.

Für das Heimkino sei es wiederum umgekehrt: Da sei HDR der Fokus, weil die Technik selbst Einstiegs-Fernseher mittlerweile erreicht habe. Man befinde sich derzeit in einer historisch absolut kuriosen Situation: Die Technik und Qualität sei im Heimkino quasi erstmals deutlich weiter als im Kino. Und das sei ein echtes Problem für Kinobetreiber und die daran hängende Industrie. 4K und HDR seien im Heimkino der Standard – da habe das Kino Nachholbedarf.

Viel hätten laut Curtis Cark auch die „big new kids on the block“ erreicht. Wer das sein soll? Ihr könnt es euch denken: Amazon und Netflix. Beide forcieren 4K und HDR für das Heimkino. Doch auch die Kaneramänner vertreten die Ansicht, dass HDR ein essentieller Fortschritt sei und die Bildqualität stark vorantreibe – deutlich stärker als höhere Auflösungen wie 4K oder gar 8K. Doch gleichzeitig sei nun der Zeitpunkt reif für höhere Framerates. Aufgrund der höheren Kontraste seien 24p eigentlich zu wenig, um das menschliche Auge bei der HDR-Wiedergabe zufrieden zu stellen. Man nehme das Ruckeln deutlich stärker wahr, als bei SDR-Content.

Wann hier ein Umbruch stattfinden könnte, wussten die ASC-Mitglieder aber auch nicht zu sagen. Es bleibt demnach spannend. Denn ich weiß, dass auch viele von euch sich höhere Framrates wünschen… Hoffentlich ergibt sich dabei bald endlich mehr.

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