Amazon klagt in den USA gegen über 1000 Ersteller von Fake-Rezensionen

artikel_amazon_undergroundFake-Rezensionen sind in der heutigen Zeit ein großes Thema. Es gibt sie praktisch überall, sei es für digitale oder auch physikalische Güter. Ein großer „Abnehmer“ für solche Fake-Rezensionen ist Amazon. Und Amazon ist auch das Unternehmen, das nun gegen die Ersteller solcher Rezensionen vorgeht. Denn solche Rezensionen vermitteln oftmals ein falsches Bild von Produkten, gefährden laut Amazon den Ruf. Aus diesem Grund hat Amazon nun Klage gegen über 1000 solcher Fake-Rezensenten eingereicht. Diese boten ihre Dienste über Fiverr an, einer Plattform, auf der man kleine Aufgaben für kleines Geld anbieten kann.

Fiverr selbst hat nichts zu befürchten, denn die AGB der Plattform untersagen das Anbieten solcher Dienste. Fiverr arbeitet deshalb eng mit Amazon zusammen, um solche Angebote schnellstmöglich aus dem System zu bekommen. Amazon sieht hier die einzelnen Händler und auch Hersteller als schwarzes Schaf. Diese wollen sich auf diese Weise einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz schaffen. Während die Sterne-Wertung durch solche Fake-Rezensionen tatsächlich positiv beeinflusst werden kann, sind die Rezensionen selbst oft recht einfach zu erkennen. So werden USB-Kabel zum Beispiel mit Bewertungen versehen, die eher zu Lampen passen.

amazon.de

Das ist nicht das erste Mal, dass Amazon gegen Fake-Reviews klagt. Im April verklagte Amazon schon einmal Webseiten, die Fake-Rezensionen anbieten. Der Unterschied zum jetzigen Fall ist, dass es nun nicht gegen die Webseite geht, sondern gegen die Nutzer, die sicherlich auch Fiverr schaden, da sie sich nicht an die Spielregeln halten. An diese Nutzer direkt über Amazon heranzukommen, sei nicht so einfach, sie registrieren sich logischerweise nicht mit echten Daten und verschleiern auch ihre IP-Adressen.

Das eigentliche Problem an dieser Geschichte ist, dass – wie so oft – eine kleine Gruppe dafür sorgt, dass ein falsches Gesamtbild von etwas entsteht. Und dagegen muss Amazon etwas unternehmen, das Bewertungssystem ist immerhin eine der wichtigsten Entscheidungsgrundlagen für Käufer. Merkt der Kunde, dass er sich nicht auf die Bewertungen verlassen kann, ist das ganze Bewertungssystem für die Tonne.

Amazon versucht das System aber auch außerhalb von Gerichten. Dieses Jahr führte Amazon Filter ein, um solche Rezensionen auszusieben, aber so ganz scheint dies eben auch noch nicht zu funktionieren. Die Klage wurde von Amazon letzten Freitag in den USA eingereicht und richtet sich gegen 1114 Ersteller von Fake-Rezensionen.

Wie nutzt Ihr Bewertungssysteme für Eure Kaufentscheidungen? Verlasst Ihr Euch alleine auf die Sterne-Bewertungen oder lest Ihr auch tatsächlich die Bewertungen, die Nutzer hinterlassen? Oder informiert Ihr Euch an anderer Stelle und achtet gar nicht auf die Rezensionen beim Online-Händler selbst?

(Quelle: The Guardian)

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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15 Kommentare

  1. Ich kaufe viel bei Amazon und nutze das Wertungssystem zur Meinungsbildung, nicht ausschließlich aber zum größten Teil. Hierbei habe ich aber mehr ein Auge auf die 3- und 2 Sterne Bewertungen, diese sagen oft mehr aus als die Lobhudelei der 5 Sterne Wertungen. Ist erkennbar das der größte Teil der negativen Bewertungen auf Anwendungsfehlern oder falschen Hoffnungen beruht und etliche gute Bewertungen dem entgegenstehen so greife ich meist bedenkenlos zu. Sollte ich dennoch Zweifel haben aber an einem Produkt interessiert sein schaue ich mir dann zusätzlich noch Reviews auf Youtube an. Auch wenn man bei Amazon 30 Tage lang zurückgeben kann ist das nicht mein Ziel und bei 95% der erstandenen Artikel bin ich auch zufrieden. Allerdings dauert der Bestellprozess vom erstmaligen Betrachten bis zum „Bestellung abschicken“ oftmals Tage bis ich alles im Kopf durchgespielt habe. ^^

    Und zum eigentlichen Artikel, ja ist mir auch schon aufgefallen, oftmals auch bei niedrigpreisigen Produkten einfach nur Copy&Paste. Vermehrt bei Zubehörprodukten die offensichtlich vom chinesischen Markt kommen.

  2. Die Bewertungen sind einer der Hauptgründe, warum ich bei Amazon vor einem Kauf einmal gucken. Natürlich ist es nicht der einzige Grund zu einer Entscheidung, aber mich haben die Bewertungen schon vor dem einen oder anderen Fehlkauf bewahrt.

    Leider ist die Aussage der Sterne alleine nicht unbedingt aussagekräftig. Man muss schon die Bewertungen lesen. Und viele Nutzer geben sich große Mühe und geben Hilfestellungen.

    Auch ist sehr schade, dass oft mehrere verschiedene Produkte zusammen bewertet werden. So hatte ich mal eine SD-Karte, die in 64 GB eine Katastrophe war, in 32 super funktionierte. Die meisten Bewertungen waren 5 Sterne, korrekter Weise, wenn man genau hingesehen hat, waren viele 1-Sterne-Bewertungen dabei, die sich aber eben nicht explizit auf die 64-GB-Variante bezogen.

    Andere Shops haben das in dem Maße nicht, großer Pluspunkt also für Amazon. Das sie das versuchen zu verteidigen, verstehe ich gut.

  3. Weidekaiser says:

    Ich beziehe die Rezensionen auch in meine Kaufentscheidung mit ein und schaue besonders auf die negativen Bewertungen, wobei meist ein Großteil auf falschen Erwartungen oder anderen fehlerhaften Nutzungen beruht, die man dann getrost ausblenden kann. Die Vielzahl an Kunden und die damit verbundene Vielzahl an Rezensionen verschafft Amazon schon einen großen Vorteil, da ich die Plattform auch so zur Auswahl von Produkten nutze.

  4. Ich kann mich nicht erinnern wann ich das letzte mal eine positive Rezension gelesen habe, immer nur 1 und 3 Sterne. Ich finde da kann man sich am besten seine Meinung bilden, denn manche Leute vergeben wegen recht abenteuerlichen Gründen nur 1 Stern.

  5. Ich nutze auch die AmazonBewertungen um eine Kaufentscheidung zu fällen. Wie die meisten hier lese ich dabei vor allem die 1-3 Sternebewertungen. Eine Vorauswahl treffe ich häufig aber durch die Gesamtbewertung in Sternen. Es kann gut sein, dass mir schon so manch gutes Produkt nicht aufgefallen ist, weil ch es wegen der Gesamtbewertung gar nicht erst angesehen habe.

    Die negativbewertungen lese ich um abschätzen zu können wie schlecht das Produkt wirklich ist. Manchmal sind es die Erwartungen oder Anwendungsfehler, die die Leute zu schlechten Bewertungen verleiten, manchmal sind es aber auch Punkte die je nach persönlicher Wichtung die Bewertung rechtfertigen. ZB mein GrundigTV hatte in einigen Bewertungen stehen, dass er langsam beim Ein- und Umschalten ist. Teilweise gabe es dafür bis zu 3-Sterne abzug. Diese Aussagen entsprechen der Tatsache aber mich persönlich hat es in dem Fall nicht gestört. Der TV funktioniert ansonsten einwand frei und bei dem Preis konnte ich über den Fehler hinwegsehen.

  6. Das ist natürlich ein Ärgernis diese Fake Bewertungen, Aber Amazon spamt doch selbst die Bewertungen zu mit Amazon Vine.

    Amazon Vine – das sind im Grunde von Amazon organisierte Jubelperser. Da bekommen die „Tester“ kostenlos ein Produkt und müssen nur eine Bewertung dafür schreiben.

    Das diese Tester dann möglichst gute Bewertungen schreiben, ist ja klar. Weil nur dann bekommen sie weitere Angebote dieser Art. Dabei werden die echten Bewertungen dadurch verfälscht!

    Ich habe schon Produkte gesehen, wo alle Bewertungen nur per Amazon Vine kamen. Der Hersteller hat also 20 Produkte verschenkt um im Gegenzug 20 positive Bewertungen zu bekommen. Alles von Amazon nicht nur toleriert sondern sogar unterstützt.

  7. @Dennis Röder
    So mache ich das auch, die 2** und 3*** Bewertungen sind oft die interessantesten. Da erkennt man die Schwächen sofort und kann überlegen ob die relevant sind für einen selbst.

    Die 1* Bewertungen sind oft Mist, weil jemand Hass auf den Hersteller oder das Produkt hat. Oder ein Fake von der Konkurrenz. Die 5* sind oft -nicht immer- Jubelperser oder Fanboys. Oder halt auch Fakes.

    Aber bei der groben Suche achte ich schon darauf das das Produkt im Durchschnitt mindestens 4 Sterne hat. Sonst schaue ich mir das meist gar nicht erst genau an. vor allem wenn es viel Auswahl gibt.

  8. Ich lese immer ein paar der „hilfreichsten“ Rezensionen, weil das Produkt dort meist vernünftig beschrieben wird und Tipps zur Nutzung gegeben werden.
    Dann schaue ich auch noch in die negativen Berichte.
    Ist dort nur Gemecker von unfähigen Deppen zu finden (wie es meist der Fall ist), schlage ich bedenkenlos zu.
    Gibt es ernstzunehmende Kritikpunkte muss ich eben abwägen ob ich darüber hinweg sehen kann oder mich lieber woanders umsehe.

  9. Ich guck mir eigentlich auch fast nur die „mittleren“ Wertungen an – 5* sind meist genauso inhaltsleer wie kritiklos („lässt sich einschalten“) und 1* sind oft Berufsnörgler, Fehler mit der Lieferung oder auch mal Nutzer zu doof für’s Produkt.

  10. @TheK

    Oder 1* Bewertungen betreffen halt ein defektes Gerät. Das kann natürlich immer mal passieren.

    Das ist nur verdächtig wenn es sich häuft, z.B. massenhafte Displayschäden bei einem Smartphone.

  11. Neben den Jubel, Hass oder Fake Bewertungen nerven mich in letzter Zeit vorrangig die Spaß Rezensionen.
    Wer kennt sie nicht, die Amazon Rezensionen des Schweizer Nobeltaschenmesser mit Flux Kompensator oder die Steam Rezensionen ala „Ein besseres MMO als The Elder Scrolls online!
    Der Clou ist, dass es eine Simulation eines MMO Spieles ist. Eine Simulations-Simulator.
    Simulation-Ception!!
    Aber es macht wirklich sehr viel Spaß! :D“ (eine Original Rezension)?
    Ich habe nix gegen eine humorvolle Herangehensweise beim Reviewen, aber was sollen mir diese Rezensionen bitte sagen?

  12. @Dennis Röder: ist auch exakt meine Vorgehensweise

  13. Die sollten mal lieber diesen VINE-Quatsch beenden. Positive Bewertungen werden durch geschenkte Produkte angereizt. Nur weil diese Masche so gut funktioniert, sind Unternehmen bereit, ihre Erzeugnisse an ausgesuchte Kunden kostenlos abzugeben. Ergebnis: die durchschnittliche Bewertung verliert noch mehr an Aussagekraft. Eigentlich sollte Amazon für den Kunden den besten Preis herausschlagen, und nicht durch ein fragwürdiges Programm die Bewertung bestimmter Produzenten gezielt beeinflussen. Für den langjährigen Kunden ist Amazon noch immer die erste Wahl, er kennt aus Erfahrung alle Fallstricke. Ich tue mir allerdings immer schwerer, Amazon für Neukunden zu empfehlen…

  14. Ich finde die Idee hinter VINE genial, jedoch sehr schlecht umgesetzt. Hier müssten VINE Reviews extra mit einem ICON sowie auch mit VINE ganz klar gekennzeichnet werden. Außerdem sollten VINE Reviews kritisch und ehrlich sein, dann würde das Konzept mit Profi-Testern aufgehen. Hier schießt sich Amazon selber ins Bein finde ich, da es ein korruptes Bewertungssystem sogar unterstützt.

    Die wichtigsten Bewertungen sind für mich 4* sowie 3 Sterne Bewertungen sowie verschiedene Testverfahren.

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