Amazon Flex: Auslieferung durch Privatpersonen startet in Deutschland

Bereits 2015 startete Amazon mit Amazon Flex ein recht unkonventionelles Projekt mit dem Ziel, Pakete durch Privatpersonen ausliefern zu lassen. Der Dienst wurde in den USA mittlerweile recht gut ausgebaut und hat es auch schon nach Großbritannien, Spanien und Singapur geschafft. Ab sofort wird der Service auch in Deutschland gestartet. Man beginnt mit unserer Hauptstadt Berlin.

Nicht nur Amazon, sondern auch andere Online-Retailer üben ordentlich Druck auf die Versandunternehmen aus, die teilweise am Kapazitätslimit fahren. Um sich nicht nur auf DHL verlassen zu müssen, liefert Amazon mittlerweile auch mit Hermes, UPS und DPD aus. Zusätzlich dazu möchte man auch Privatpersonen einbinden, die sich einen Obolus mit der Auslieferung von Paketen dazuverdienen möchten.

Solltet ihr in Berlin ansässig sein, könnt ihr euch ab sofort auf der Amazon-Flex-Seite registrieren. Alles was ihr dazu benötigt ist ein Führerschein und ein eigenes Auto. Während der Registrierung müsst ihr innerhalb der App (Link zum Download) die ein oder andere Frage beantworten. Dazu gehört zum Beispiel auch, in welchem Gebiet ihr Pakete verteilen könnt.

Nimmt Amazon eure Registrierung an, bietet man euch 4-Stunden-Zeitfenster an. Sollte bei euch mal eine Auslieferung in dem Zeitraum nicht klappen, habt ihr bis 45 Minuten vor Start die Möglichkeit abzusagen. Ungeachtet der Tatsache wie viele Pakete man pro Stunde ausliefert, kann man sich bis zu 16 Euro pro Stunde verdienen – macht maximal 64 Euro pro Zeitslot. Ob sich das lohnt, müsste man wirklich mal im Detail durchrechnen, da Sprit und Verschleiß des Autos nicht separat beglichen werden.

Amazon Flex wird vor allem bei der Auslieferung der kurzfristigen Prime-Now-Bestellungen eine Rolle spielen. Es werden aber auch normale Pakete in den Lieferungen enthalten sein. Alle Informationen zu dem Dienst findet ihr auch auf der Übersichtsseite.

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Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

16 Kommentare

  1. Yeah! Ein weiterer Baustein zur endgültigen Auslöschung sozialversicherungspflichtiger Arbeitsverhältnisse! Geil!

  2. Gewinne privatisieren, Armut sozialisieren… /8^#

  3. Überzeugt mich auch nicht so richtig. Alle versuchen den Verkehr in den Städten irgendwie einzudämmen und nun starten Privatautos um Pakete rum zubringen, bzw. ein Auto wird für ein bis wenige Pakete bewegt, statt ein großes Auto de Post (die ja zunehmend auch elektrisch fahren).
    Aus der Sicht von Amazon ein nachvollziehbares Projekt, aus der Sich einer Städteplanung, Umwelt und, da schließe ich mich meinen Vorrednern an, Jobsicht eher fragwürdig.

  4. Nach Uber nun noch so eine Ich-AG Scheiße. Langsam kotzt mich dieser enthemmte Kapitalismus mächtig an. Ich selbst arbeite im öffentlichen Dienst und bin gut abgesichert. Aber ich finde, dass das die Regel und nicht die Ausnahme sein sollte. Die alte Bundesrepublik ist nicht mehr wiederzuerkennen. Der Neoliberalismus hat überall gesiegt, die Parteien haben gar nicht vor, die soziale Markwirtschaft zu beschützen. Ein Volk voller prekär beschäftigter Tageslohnsklaven scheint das politische Ziel aller Parteien zu sein, mit Ausnahme vielleicht der Linken. Muss man echt links außen wählen, um eine Politik der Mitte zu unterstützen?

  5. Der Frickler says:

    Das mag überall funktionieren. Aber doch nicht in einem Land, dessen Arbeitnehmer auf Schnee ausrutschen und als erstes überlegen, ob das ein Arbeitsunfall war und wen man dafür haftbar machen kann. Anstatt zu sagen: „Gut, bin ich halt zu blöd zum gehen.“

    Und dann noch die 450 Euro-Regelung, und dann dies und dann das.

    Haken dran, Amazon.

  6. Warum mit dem Auto? In Berlin ist man mit vielen Verkehrsmitteln viel schneller, und gerade der Versandhandel entdeckt gerade E-Lastenräder als Altenative.

  7. Ich befürchte es wird auch für diesen Dienst einige geben die nicht in der Lage sind zu rechnen, und den Job übernehmen.

    Die Dummheit der Menschen erstaunt mich immer wieder.
    Ich kannte einen der hat voller Freude von seinem neuen Job erzählt um sich was nebenbei zu verdienen. Er hat Abends Pizza ausgefahren für einen kleinen Lieferservice bei uns. Ganz stolz hat er erzählt, dass es ein super lockerer Job ist, er 5 Euro die Stunde plus Trinkgeld bekommt und Abends sogar noch eine Pizza nach Feierabend gratis. Gefahren wurde mit dem eigenen Auto und selbst getankt.

    Ich erinnere mich noch an das Gespräch als ob es gestern gewesen wäre. Es hat etwas Überzeugungsarbeit gekostet ihm klar zu machen, dass das ein absolutes Verlustgeschäft für ihn ist, und dass er gewaltig übers Ohr gehauen wird.

  8. Zu bedenken wäre ausserdem das hier eine gewerblichen Nutzung einer privaten KFZ-Haftpflichtversicherung vorliegt die entsprechend geändert werden muss. Erhöhte Betriebskosten sowie Unfallrisiko einmal ausgelassen.

  9. 16€/h für Selbstständige Arbeit?! WTF? Das reicht noch nicht mal für Krankenversicherung & Rücklage für den Verdienstausfall bei einer Krankheit. Schon die Betriebskosten (&Wertverlust) des Autos aus den 16€ zu finanzieren dürfte schwierig werden.
    Bleibt nur die klassische Schwarzarbeit, um da noch was zu verdienen… ist das schon „Anstiftung zu einer Straftat“ seitens Amazon?

  10. Verstehe das Problem der Vorkommentatoren nicht. Wie wohnen in einem kleinen Reihenhausviertel mit 116 Häusern, ich könnte mir vorstellen, dafür die Pakete anzunehmen und nach Feierabend eben rumzubringen. Kostet mich vielleicht eine Stunde am Tag aber das sind bei 16€ je Stunde und 20 Tagen je Monat 320 Euro cash. Geht schlimmer. Und nein ich verdiene alles andere als prekär.

  11. @Kharma: das Wort Zeitfenster sagt dir etwas?

  12. @besucher52 steht im Artikel, den du hoffentlich gelesen hast.

  13. @Kharma
    Und wieviele sind nicht anzutreffen, und du must nochmal raus? (oder das Paket zurückbringen). Pakete per Hand tragen? Oder doch das Auto? Und wer haftet, wenn da einer die Scheibe einschlägt und Pakete klaut? Ich empfehle auch mal, über die Folgen nicht angemeldeter gewerblicher Tätigkeit nachzudenken. Bei ordentlicher Anmeldung muss über alles eine penible Steuererklärung abgegeben werden. An Gewerbehaftpflichtversicherung gedacht? Nebentätigkeiten müssen übrigens vom Hauptarbeitgeber genehmigt werden, sonst fristlose Kündigung. Auf einer Treppe ausgerutscht und Fuß gebrochen? Ups – Unfallversicherung des Hauptarbeitgebers haftet da nicht.
    Die Hermes-Sklaven bekommen übrigens ca. 0,50€ pro ausgeliefertem Paket. Da Amazon wohl auch nix zu verschenken hat, muss man dann wohl 30 Pakete pro Stunde austragen (das kapieren die Hermes-Fahrer auch erst nach ein paar Monaten – deshalb kommt da dann so oft ein neuer….)

    Aber offenbar hat Amazon schon einen Dummen gefunden (schafft Hermes ja auch immer wieder)…..

  14. @WK
    Genau so sieht es aus. Es lohnt sich einfach nicht. Absolut nie, wenn man das halbwegs realistisch rechnet und sich nicht selbst versucht zu blenden indem man alles schön rechnet. Aber leider werden sie sicher auch für den Dienst genügend finden die es mit sich machen lassen.

  15. In Frankfurt hat Amazon vorletzte Woche angefangen erstmals bei mir mit Amazon Logistics auszuliefern. Die ersten beiden Pakete kamen 2 Tage und 1 Tag zu spät, da musste ich den Empfang noch bestätigen. Das dritte Paket lag dann vor der Wohnungstür wo Gäste der Nachbarn und der Reinigungsdienst vorbeilaufen, ein „sicherer Ort“ laut Amazon Lieferstatus. Seitdem musste ich die weiteren Pakete, die seither ausschließlich mit Amazon Logistics geliefert wurden auch nicht mehr unterschreiben.

    Also bei mir persönlich hat der Start des offiziellen Amazon Lieferdienstes in Frankfurt mehr oder weniger nicht sauber geklappt und jetzt sollen auch noch Privatleute die Sache übernehmen? Na jaaaaa… es würde sich höchstens für mich lohnen wenn die Pakete an ein Zentrum hier in der Nähe geliefert werden und ich mir mein eigenes Paket privat für Amazon ausliefere und dafür entlohnt werde 😀

    Nunja, bei einer Bestellung, wo ich denke, dass ich eine zuverlässige Zustellung brauche nutze ich momentan die Auslieferung an eine Packstation.

    Amazon steckt so viel Geld rein da was eigenes auf- und auszubauen, da gehört einfach die Möglichkeit dazu die Pakete besser tracken zu können und bessere Informationen dazu, z.B. die Verfolgung von Paketen per GPS wie bei DPD oder die SMS 5 Minuten vor Auslieferung durch den DHL-Express Lieferanten.

  16. @ Matze

    Das Geld reicht einfach nicht was die Menschen verdienen. Das hat allerdings nichts mit Neoliberalismus zu tun sondern stattlicher Ausbeutung der Steuerzahler um die immer größer werdende Schar an Sesselhockern auf den Ämtern samt Ansprüche zu finanzieren. Ein Staat der seinen Bewohnern über 70 Prozent des Einkommens im Laufe des Jahres unter diversen rhetorischen begriffen abnimmt ist ein Ausbeuter. Die dünne Schicht der privilegierten will das natürlich nicht sehen. Sei es weil sie wirtschaftliche Analphabeten sind oder weil sie es genau wissen aber lieber auf die die arbeiten zeigen und haltet den Dieb schreien.

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