Caschys Blog

Amazfit GTR: Wasserdichte Fitness-Smartwatch mit GPS und Pulsmesser im Test

Wir haben hier im Blog bereits über die recht frische Smartwatch Amazfit GTR berichtet. Mittlerweile ist das Wearable in zwei verschiedenen Größen auch in Deutschland offiziell zu haben. Es gibt die Amazfit GTR mit 42 bzw. 47 mm. Die größere Version ist etwas spannender, bietet sie doch folgerichtig ein üppigeres Display und auch einen größeren Akku, der für lange Laufzeiten sorgen soll. Ich habe mir das Wearable einmal genauer angeschaut und wurde durchaus positiv überrascht.

Eigentlich ist es blanke Ironie, dass ich auch das letzte Wearable hier im Blog getestet habe: das Xiaomi Mi Band 4. Denn ich bin der einzige aus dem Team, der kein Uhrenträger ist. Mich stört das Gefühl selbst eines geringen Gewichts am Handgelenk enorm. Da bin ich wohl generell etwas eigen, denn auch Ketten, Ringe und anderweitige Behängsel mag ich nicht tragen. Mit der Amazfit GTR bin ich aber erstaunlicherweise im Testzeitraum gut klar gekommen.

Dabei bin ich aber ein selektiver Uhrenträger geblieben: Beim Tippen nervt mich eine Uhr einfach sofort. Sobald ich das Haus verließ, habe ich die Smartwatch aber angelegt. Bevor ich meine Erfahrungen mit euch teile, sind hier jedoch erst einmal die technischen Daten im Überblick.

Technische Daten der Amazfit GTR 47 mm

Die Amazfit GTR hat also einiges auf dem Kasten für ihren Preis. Beispielsweise sind die kontinuierliche Puslmessung und GPS Vorteile gegenüber günstigeren Fitness-Armbändern, welche beide Funktionen in der Regel vermissen lassen.

Ausstattung und Verarbeitung

Es gibt die Amazfit GTR sowohl mit einem Gehäuse aus Edelstahl als auch aus Aluminium. Für meinen Test habe ich die Variante mit Aluminium ausprobiert. Zunächst einmal zum Display: Fingerabdrücke sieht man auf dem Touchscreen trotz Schutzschicht doch recht schnell, aufgrund der geringen Größe ist der Screen aber schnell gereinigt. Rechts am Gehäuse sitzen die beiden Funktionstasten. Die obere dient als Ein- und Ausschalter für den Bildschirm bzw. führt euch als eine Art Home-Button stets zurück zum Zifferblatt.

Die zweite Funktionstaste lässt sich nach Gutdünken selbst belegen. Im Menü der Uhr nennt sich das Setting dafür kryptisch „Schnelles Einschalten“. Beispielsweise könnt ihr auf die Taste die Aktivierung des Pulsmessers, die Auswahl der Workouts oder das Wetter legen. Ich selbst platzierte dort die Musikwiedergabe, da ich das beim Laufen als praktisch empfunden habe. Beim Joggen schalte ich in meiner Playlist oft Songs weiter, so musste ich dafür nicht mein Smartphone auspacken, sondern konnte das unkompliziert an der Smartwatch erledigen. Stolperstein: Das geht aber nur, wenn das Smartphone trackt. Ärgerlich: Trackt die Smartwatch selbst die Aktivität ist sie damit voll ausgelastet und man kann nicht zur Musiksteuerung wechseln.

Die Verarbeitung der Amazfit GTR gefällt mir sehr gut, es gibt einen minimalen Spalt an der Stelle, an der Display und Aluminiumgehäuse ineinander übergehen, er ist aber zu winzig, als dass sich darin Schmutz ansammeln könnte. Gut finde ich auch, dass die Buttons an der Seite sich farblich unterscheiden, der obere ist innen rot gekennzeichnet.

An der Rückseite findet ihr den optischen Pulsmesser und auch die Kontakte für die Ladeschale. Letztere wirkt nicht sehr aufregend und ist eine recht günstige Plastikkonstruktion mit aber ausreichend langem Kabel – das kann man von anderen Wearables leider oft nicht behaupten. Auch das austauschbare Kunstleder-Armband ist vernünftig und saß bei mir bequem. Dabei besteht nur die Außenseite aus Kunstleder, die Innenseite ist gummiert.

Features der Amazfit GTR

Die Amazfit GTR legt den Schwerpunkt auf Fitness und will diejenigen abfischen, die nach einem Wearable suchen, das etwas mehr auf dem Kasten hat als etwa ein Mi Band 4. GPS ist da beispielsweise praktisch, da ihr eben ohne Smartphone Joggen gehen könnt und trotzdem die Strecke korrekt erfasst wird. Und die kontinuierliche Pulsmessung liefert die passenden Daten – günstige Modelle wie das Mi Band 4 messen nur punktuell.

Ihr könnt dabei in der Amazfit-App konfigurieren, in welchen Intervallen der Puls gemessen werden soll – also ob möglichst durchgängig, was beim Laufen sinnvoll sein kann, wenn ihr euer Training auswerten möchtet, oder ob etwa nur alle 30 Minuten. GPS wird dabei erst bei Workouts wie eben Outdoor-Laufen aktiv, denn das zerrt natürlich gut am Akku. Spannende Sache dabei: Die Amazfit-App wies bei meinen Testläufen stets etwas andere Distanzen aus, als die Smartwatch selbst. Die Differenzen hielten sich aber in Grenzen und lagen bei einer Strecke von 8,5 km bei etwa 200 Metern. Sprich: Die GTR bescheinigte mir 8,5 km gelaufene Kilometer, laut App sollten es nur 8,3 km sein.

Nach der Synchronisation blieb im Übrigen korrekt nur ein Training gespeichert – mit den Werten der Uhr. Jene erschienen mir auch genauer, zumindest stimmten sie eher mit den Werten des Mi Band 4 und der Jabra Elite Sport überein, welche jene für dieselbe Strecke erfassen. Ein weiterer, kleiner Bug: Wenn ich nach einer gewissen Pause über die Funktionstaste direkt zur Steuerung der Musikwiedergabe gehe, dann steht dort trotz aktiver Verbindung regelmäßig zuerst „Keine Musik wird abgespielt“. Nach rund 1-2 Sekunden Verzögerung wird die Wiedergabe dann synchronisiert und die Steuerung steht stramm. Kein Beinbruch, könnte manchen aber nerven.

Ein Wischen vom Zifferblatt nach von links nach rechts führt euch übrigens zum Pulsmesser, umgekehrt landet ihr beim Schrittzähler. Wischt ihr von oben nach unten, gelangt ihr in ein Schnellmenü, in dem ihr etwa einen Energiesparmodus aktivieren könnt, die Uhr zur Taschenlampe umfunktioniert oder aber die Helligkeit reguliert. Ein Swipe von unten nach oben bringt euch dann durch die weiteren Einstellungen für Erinnerungen, den Pulsmesser das Starten von Workouts, etc.

Einige Punkte haben auch noch Unterpunkte wie etwa bei „Sport“ natürlich die einzelnen Optionen für Outdoor-Laufen, das Laufband oder Radfahren. Unglücklich übersetzt: „Joggen“ meint hier eigentlich Walking. Da die Amazfit GTR wasserdicht ist, könnt ihr sie auch zum Tracken des Schwimmens nutzen. In der Amazfit-App könnt ihr dabei einrichten, welche Unterpunkte euch an der GTR ein- oder auf Wunsch auch ausgeblendet werden, wenn ihr beispielsweise keinen Bock auf das Wetter habt, aber dafür lieber die Mitteilungen ganz oben auf der Liste erblickt.

Die Amazfit-App

Was uns dann auch zur Begleit-App für die Amazfit GTR führt. Die offizielle Amazfit-App erinnert im Aufbau stark an Mi Fit. Das verwundert nicht gerade, ist Amazfit doch eng mit Xiaomi verbandelt. Ich persönlich habe mich deswegen in der Anwendung schnell zurechtgefunden. Sie ist aber vielleicht etwas zu sehr mit einzelnen Menüpunkten vollgestopft. Deswegen muss man manchmal etwas suchen, bis man genau das findet, was man sucht.

Gut, dafür könnt ihr aber eben sehr feingliedrig einstellen, was euch die Amazfit GTR in ihren Menüs anzeigen soll, wie im vorherige Abschnitt erklärt. Und nicht nur was sie einblendet, auch wie Reihenfolge der Menüpunkte könnt ihr beeinflussen. Auch richtet ihr hier ein, ob ihr Inaktivitätswarnungen erhalten wollt und welche Apps euch Benachrichtigungen auf die Smartwatch schicken sollen.

Zusätzlich bietet euch die App das Herunterladen neuer Zifferblätter an und liefert natürlich auch Firmware-Updates. In der App könnt ihr zudem noch einstellen, ob die Amazfit GTR beim Anheben des Handgelenks automatisch anspringen soll, an welcher Hand ihr die Uhr tragt und ob ihr etwa die Pulsmessungen mit anderen Geräten in der Nähe teilen wollt.

Wie gesagt, wenn ihr Mi Fit nutzt, wird euch die Amazfit-App sehr bekannt vorkommen. Schick ist die Anwendung nicht unbedingt, dafür gibt es aber viele Optionen und alles funktionierte im Test reibungslos.

Sonstige Anmerkungen

Die Akkulaufzeit der Amazfit GTR hängt davon ab, was ihr mit der Uhr so treibt. Die Laufzeitangaben des Herstellers wirken auf mich aber realistisch, auch wenn ich nun so ein Fall bin, der die Uhr eben nicht den ganzen Tag trägt, sondern sie daheim abnimmt. Nach rund einer Woche Nutzung, auch mit dreimaligem Tracking von je ein- bis anderthalb Stunden Laufen, stand die Uhr bei mir noch bei 75 % – obwohl ich mehrfach vergessen hatte die kontinuierliche Pulsmessung abzuschalten, nachdem ich die Uhr abgenommen hatte. Dann aktiviert sich der optische Sensor auch beim Herumliegen.

Das proprietäre Betriebssystem der Amazfit GTR lässt sich nicht um neue Apps aufpeppen, wie das eben bei Wear-OS-Modellen der Fall ist. Darüber sollte man sich natürlich im Klaren sein. Vielleicht auch noch etwas zur Lesbarkeit des Bildschirms bei Sonneneinstrahlung: Hier war ich positiv überrascht, denn auch wenn es manchmal kurz dauerte bis der Screen die Helligkeit hochregelte, konnte ich das Display immer sehr gut erkennen. In jenem Bezug war ich zuletzt ja vom Mi Band 4 etwas enttäuscht.

Fazit

Die Amazfit GTR ist eine verhältnismäßig günstige Smartwatch, die gegenüber einfachen Fitness-Armbändern durch die kontinuierliche Pulsmessung und GPS einige Mehrwerte mitbringt. Die Verarbeitung stimmt, man muss aber mit einigen, kleineren Software-Mängeln leben. Etwa synchronisiert sich die Steuerung zur Musikwiedergabe etwa langsam und manche Übersetzungen sind auch nicht so ganz das Wahre.

Die Erkennung von Workouts funktioniert außerdem nicht automatisch, da müsst ihr manuell aktivieren. Dafür kann die Smartwatch doch relativ viele, verschiedene Übungen voneinander abgrenzen und erfasst jene auch fehlerfrei. Ich denke für viele Hobbysportler dürfte die Amazfit GTR also ausreichen. Ich fand die kluge Uhr angenehm zu tragen. Auch wenn die offizielle App etwas überladen ist, bietet sie dafür viele Anpassungsoptionen für das Wearable.

In Deutschland kostet die Amazfit GTR ca. 150 Euro, etwas günstiger gibt es sie von Händlern aus China, wie etwa GearBest, wo sie derzeit für ca. 136 Euro zu haben ist. Kaufempfehlung?  Bekommt die Smartwatch von mir, ich denke hier ist ein guter Mittelweg zwischen dem Einstieg durch Wearables wie dem Mi Band 4 und höherwertigen Trackern von Garmin und Co. gegeben.

Aktuelle Beiträge