AdBlock Plus eröffnet Marketplace für Werbeanzeigen

artikel_adblockplusAdBlock Plus ist umstritten: Das Programm rund um die Acceptable Ads und das Whitelisting gegen einen vermeintlichen Obolus sorgen seit Jahren immer wieder für Debatten – auch in den Kommentaren hier im Blog. Die Kontroversen dürfte ein neuer Schachzug von AdBlock Plus bzw. der Eyeo GmbH dahinter nun erneut anfachen. So eröffnet man einen „Marktplatz“. Auf jenem sollen sich Seitenbetreiber Acceptable Ads auswählen können, um sie in ihre Website einzubinden. Klingt nach einem gewagten Plan, der wohl eventuell erneut Rechtsstreitigkeiten nach sich ziehen könnte.

So liegt die Eyeo GmbH ja mit einigen Verlagen im Clinch – trug zuletzt aber beispielsweise einen Sieg über die Süddeutsche Zeitung davon. Der Marktplatz soll so funktionieren, dass Seitenbetreiber dort Werbung auswählen kann. Jene Acceptable Ads erscheinen für Benutzter der Browser-Erweiterung AdBlock Plus dann anstelle der Werbung, welche andere Nutzer sehen. Ben Williams von AdBlock Plus erklärt diese Strategie: „Dadurch ist es möglich, zwei unterschiedliche Ökosysteme passend zu behandeln und beide zu monetarisieren.

Damit wird der Marktplatz also zu einer Erweiterung der Acceptable Ads. Man erhofft sich davon, dass sich noch mehr Websites der Initiative anschließen. Die Acceptable Ads sollen auf Website-übergreifendes Tracking verzichten. Außerdem sind sie auf bestimmte Formate / Größen und Platzierungen beschränkt. Ob die Verlage mit dem Marktplatz für Acceptable Ads glücklich sein werden, ist fraglich. Einerseits könnten sie sich denken „Ok, so wird immerhin überhaupt Werbung durchgelassen“, andererseits treten sie sicherlich nicht gerne Kontrolle an die Eyeo GmbH ab. Denn das letztere sich hier als Gatekeeper platzieren will und mit dem Marktplatz verdienen möchte, ist klar.

So werden die Verlage 80 % der Werbeeinnahmen über Acceptable Ads erhalten – 20 % werden unter anderen Parteien aufgeteilt, welche die Werbung ausliefern. Da bekommt natürlich auch Eyeo ein Stück vom Kuchen ab: 6 % sollen es sein. Die Begründung von Williams klingt dabei moralisch sehr bedenklich: „AdBlocking gäbe es so oder so, auch ohne uns.“ Man gebe Verlagen also einfach eine gute Chance mit dem Status Quo umzugehen.

Ähnlich argumentieren natürlich auch Drogen- oder Waffenhändler: „Wenn nicht wir, würde jemand anderes das Angebot machen…“ – mag stimmen, macht die Argumentation aber nicht weniger fadenscheinig. Zunächst steckt der Marktplatz für die Acceptable Ads erstmal in der Beta. Noch vor Jahresende soll aber die finale Version an den Start gehen. Zeitgleich arbeitet man bei Eyeo bzw. AdBlock Plus auch an einem Komitee, das in Zukunft entscheiden soll, wie die Richtlinien für Acceptable Ads ausfallen. Hier möchte man Verlage, Werbemacher und auch Datenschützer einbeziehen.

Was haltet ihr vom Marktplatz für Acceptable Ads? Mich überkommt dabei ehrlich gesagt kein gutes Gefühl. Allerdings ist das eben, wie fast immer, Meinungssache.

(via The Verge)

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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20 Kommentare

  1. uBlock origin und gut ist – zudem ist das auch noch Ressourcenschonender und Umfangreicher in der Konfiguration.

  2. Ich finde das prima mit den Acceptable Ads, denn es könnte der erhitzten Diskussion ein wenig die Schärfe nehmen.

    Denn solange man auch diese Ads per Checkbox wegblenden kann ist das doch alles kein Problem: diejenigen, die es geschafft haben, ABP zu installieren, aber ansonsten schon mit ihrer Fernbedienung überfordert sind, sehen dann halt diese Ads und die Werbeindustrie ist beruhigt und diejenigen, die sich auch daran stören, setzen diesen Haken und sehen gar keine Werbung.

  3. Wenn die meisten Webseitenbetreiber sich schon früher auf weniger aufdringliche Werbung eingelassen hätte, dann wären die ganzen AdBlocker heute wahrscheinlich kein Problem.

    Naja nun ist es zu spät und lässt sich auch nicht mehr ändern…

  4. Ich finde, der große Vorteil dieser Anzeigen kann sein, dass sie aktiv vom Seitenbetreiber ausgewählt werden. D.h. damit ist Malware schonmal ein wenig eingedämmter. Über die ganz Großen des Gewerbes kommt nunmal einfach irgendwas beliebiges rein, was man evtl. wirklich nicht sehen will. Dann guck ich mir lieber als Mann unpersonalisierte Werbung für Lippenstift an, als irgendwelche „Sie haben einen Virus! Ich seh das! Gefahr!1“-Anzeigen. Allerdings wäre es schön, wenn Werbung schon bei Schritt 1 so integriert würde, nicht erst wenn jemand ein Blockierungsplugin nutzt.

  5. Mir ist Werbung egal, solange sie nicht wie wild blinkt, „Musik“ abspielt oder den halben Bildschirm überdeckt. Bzw. beim Handy meine Volumen klaut.

  6. Finde ich sinnvoll – sofern die Anzeigen auch wirklich ordentlich geprüft werden und eben nicht zu nervig sind. So gibt es zumindest einen großen AdBlocker, der nicht wahllos einfach alles abschaltet, auch wenn mir Eyeo wenig sympathisch ist.

  7. Ich benutze nur noch Adguard (Android) oder uBlock Origin. Mit eigenen Regeln und Whitelists.

  8. Ich finde das Vorgehen ebenfalls sehr bedenklich, aber wie John schon schrieb, das Problem ist hausgemacht und zu 100 Prozent von der Werbeindustrie selbst verschuldet. Ohne deren aggressives, und teilweise absolut unverschämtes Vorgehen bei diversen Werbeformen, gäbe es heute mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Werbeblocker. Und wenn wären sie ein absolutes Nischenproblem.

  9. Was mich trotz allem immer noch nervt, sind die automatisch stratenden Videos auf den Webseiten.
    Gibts dagegen ein Mittel?
    Jemandem was bekannt?
    Danke im Voraus.

  10. Mir ist es egal. Die sollen sich die Köpfe einschlagen. Wenn mir selbst seriöse Seiten die der Heise-Verlag Werbung als Overlay auf mein Handy klatschen oder ungefragt Filme und riesige GIFs abspielen und damit mein Datenvolumen vernichten, dann kenne ich keine Freunde mehr.
    Websites wie diese hier entblocke ich gern, aber alle anderen können mir den Buckel runterrutschen, da kriege ich Tourette.
    Seiten mit penetranter Werbung fliegen konsequent aus Google Now, dem RSS-Reader und überall, wo ich mich rumtreibe.

  11. Hier wird doch schön geredet, was nicht schön ist.

    Adblock Plus ist gestartet als sympathisches OpenSource-Projekt — aber inzwischen handelt es sich um ein mehr als nur halbseidenes Unternehmen.

    Versteht mich nicht falsch: Ich verfolge jeden einzelnen Pixel Werbung mit weissglühendem Hass. So etwas wie „akzeptable Werbung“ existiert aus meiner Sicht nicht. Wir müssen aus meiner Sicht dahin kommen, dass werbefreier Content ganz klassisch nach Leistung bezahlt wird.

    Aber Werbung mit Adblock entfernen heisst, die italienische Mafia mit der russischen zu bekämpfen.

    Es gibt freie Blocker wie „uBlock Origin“. Bitte, wenn ihr blockt, dann blockt mit so etwas. Die Resultate sind mindestens genau so gut, und man verwendet keine Software einer Werbe-Austausch-Agentur, sondern einen echten Werbeblocker.

    Wenn ihr der Meinung seid, dass so etwas wie „akzeptable Werbung“ existiert, OK, dann geht auch das mit uBlock. Aber bitte deinstalliert Adblock.

  12. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als mein Geschäft genau so genial zwischen 2 anbietern/Konsumenten zu platzieren und von beiden ab zu kassieren.
    Meine Ideen:
    -Klopapier von Menschen fernhalte in dem ich die XXL ScheissGmBH gründe und beim Konsumenten nur für viel Geld liefere. bzw. Lieferkorridore für Firmen gegen Geld.
    – ich verstopfe den Zugang zur Kläranlage und lasse nur scheisse durch von Haushalten die bezahlen oder lasse das Klärwerk zahlen damit sie Arbeit haben.
    – ich lasse Flugzeuge mit zu wenig Spritt als billig Airline starten auf Transatlantik Flügen. Kurz bevor der Spritt ausgeht können die Passagiere Geld für eine Luft Auftankung bezahlen oder Sie Posten Werbung in ihrem Facebook Profil. Erst wenn Summe X zusammen kommt wird aufgetankt.
    – ich lasse kokain verkaufen und gegen Geld scheisse ich meine Dealer bei der Polizei an.
    – ich könnte ewig so weiter machen .

  13. @chris1977 ce:
    In der config von z.b. Firefox oder Chrome kann man automatisch startende HTML5 Videos deaktivieren. Einfach Mal danach googlen. Flash sollte ja eh nur auf Nachfrage aktiviert werden (nutze Firefox, da ist das jedenfalls so).

  14. Ein überzeugendes Konzept von Adblock Plus. Ich blockiere Werbung und sichere gleichzeitig Arbeitsplätze. Win-Win.

  15. @Diatch: Hast du auch Beispiele, die noch mehr von der Realität abweichen?
    Du vergisst einen wichtigen Fakt: Die Nutzer können sich ABP selbst installieren und selbst wählen, ob die die akzeptable Werbung sehen wollen. Ist also alles in Ordnung.

  16. Mittlerweile sehe ich das mit Werbung und Werbeblockern so: Ich bekomme da ungefragt was angeboten, was ich nicht haben will. Den Zettel an meinem Router „Bitte keine Werbung ausliefern!“ sehen die Seitenbetreiber ja nicht. Also muss ich mir selbst helfen.
    Und das tue ich mit einem Werbeblocker, der nicht so ein Konzept hat, wie ABP. Ich entscheide nämlich selbst, ob ich das Aldi-Prospekt oder den IKEA Katalog haben will. Generell habe ich nichts gegen Werbung. Damit verdienen einige Menschen ihren Lebensunterhalt, andere sich eine goldene Nase. Sollen sie. Gegen Werbung an sich habe nichts. Solange ich entscheide, was ich an Werbung bekommen kann.

    Was die Eyeo GmbH da abzieht, ist Verarsche an jeder Ecke. Da werden die Kunden, die Nutzer und auch die verarscht, die keins von beidem sind. Und bis auf die Eyeo GmbH sind wir meiner Ansicht nach damit (mittel- bis langfristig) alle die Verlierer. Es mag zwar irgendwann der Punkt kommen, wo die Eyeo GmbH mit ihrem Konzept ganz gewaltig auf die Schnauze fällt, nur wird das die Geschäftsführer dann nicht mehr wirklich kratzen. Die sitzen dann in irgend einer Finka und sämtliche Gelder sind der GmbH soweit entzogen, dass die nur – wenn überhaupt – mit ihrer Kapitaleinlage von 25.000,-€ haftbar zu machen ist. Sieht für mich nach verdammt niedrigen Zinsen für die Millionen aus, die bis dahin mit dem Konzept gemacht sein dürften.

    Hoffe nur, dass sich die Gerichte nicht letztendlich von den Verlagen dazu breit schlagen lassen, Werbeblocker gesetzlich ganz zu verbieten. Wie ich oben schon andeutete: Auf meinen Briefkasten kann ich einen Aufkleber bappen, der das Einwerfen von pauschaler Werbung verbietet und wogegen ich bei Zuwiderhandlung klagen kann. Im Internet geht das nun mal nicht. Meiner Ansicht nach hat dort aber das gleiche Prinzip zu gelten. Ist ja nicht meine Schuld, dass die Verlage für ihre Printausgaben Geld nehmen und für ihr Onlineangebot nicht. Ich zwinge die jedenfalls nicht, ihre Onlineangebote mittels Werbung zu finanzieren.

  17. @Max
    Die Fluggäste haben sich sicherlich auch nicht dazu zwingen lassen, mit @DiatchAir zu fliegen. 😉
    Aber schlag mal den Begriff Milchquote auf Wikipedia nach. Dann hast du ein ziemlich realistisches (wenngleich auch mittlerweile gekipptes) Beispiel dafür, wie sich ein derartiges Konzept in der ganz realen Welt in etwa umsetzen lassen kann. Ganz legal von der EU.

  18. Das zweite Posting wurde Ihnen präsentiert von Ihrer Eyeo GmbH. Weil wir gerne lügen und betrügen.

  19. @icancompute: Wenn du auf deinem Briefkasten das einwerfen von Werbung verbietest bekommst du aber auch nicht mehr die lokalen Wochenblätter kostenlos 😉

  20. Bezüglich der Kommentare „Hätten sich die Werbetreibenden früher für unaufdringlichere Werbung entschieden“: Wenn der Nutzer im Internet Werbung endlich voll akzeptieren würde, gäbe es keine Notwendigkeit aufdringlichere Werbung zu schalten. Das ist ein klassisches Ursache-Wirkung-Problem, kombiniert mit dem Henne-Ei-Problem. Hier sind ALLE Parteien schuld, sowohl jene, die den kleinsten Fitzel blocken und zu ignorant sind zu erkennen, dass der Betrieb einer Website durchaus viele Kosten verursacht, als auch jene, die Werbung machen und den Nutzern nicht erklären, warum das überhaupt notwendig ist.

    Zur Sache: Eyeo und das Konzept hinter Adblock Plus sollte per Rechtssprechung verboten werden. Das nimmt Züge einer Geiselhaft und mafiöse Strukturen an.

    Gleichzeitig sollte sich die Werbewirtschaft mal dazu durchringen heutige Standards zu respektieren (z.B. HTTPS vollumfänglich einsetzen) und weniger aufdringliche Werbung zu nutzen.

    Und auch der User sollte langsam mal kapieren, dass Werbung notwendig ist um Dienste zu finanzieren – oder sich nicht über die wachsende Anzahl an Paywalls beschweren.

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