Adblock-Plus-Anbieter obsiegt vor Gericht über die Süddeutsche Zeitung

artikel_adblockplusVerschiedene Verlage haben bereits gegen Eyeo, den umstrittenen Anbieter des Werbeblockers Adblock Plus, geklagt. Jetzt hat zum fünften Mal ein Landgericht entschieden, dass Adblock Plus legal angeboten werden darf. Dieses Mal ist es das Landgericht München, das eine Klage des Süddeutschen Verlags (Süddeutsche Zeitung) abgewiesen hat. Der Vorwurf des Verlags lautete, dass Eyeo für den Süddeutschen Verlag mit seinem Werbeblocker dafür sorgen würde, dass jährlich Schäden im „mittleren sechsstelligen Euro-Bereich“ entstünden. Eyeo greife in den implizierten Vertrag zwischen Verlag und Leser ein, der gegen die Einblendung von Werbung die Anzeige kostenloser Artikel freischalte.

Eyeo hat hingegen argumentiert, Adblock Plus bestärke nur die informationelle Selbstbestimmung der Anwender. Der Verlag habe außerdem andere Monetarisierungsoptionen. Außerdem erlaube Eyeo über sein Acceptable-Ads-Programm Werbung durchzulassen. Man habe zudem selbst ein Interesse an der Einblendung unaufdringlicher Werbung, da man an den Werbeumsätzen seiner Partner mitverdiene. Die Richter des Landgerichts München erklären wiederum in ihrer Urteilsbegründung (Aktenzeichen 33 O 5017/15), dass Eyeo und der Süddeutsche Verlag tatsächlich ein gewisses Konkurrenzverhältnis zueinander unterhielten, demnach müsse aber nach dem Wettbewerbsrecht geklagt werden. Allerdings liege wiederum keine gezielte Behinderung des Süddeutschen Verlags vor. Zumal das vom Verlag implizierte Vertragsverhältnis mit dem Leser faktisch fehle, denn kein Leser sei verpflichtet Werbung anzuschauen.

AdblockPluslogo

Entsprechend sagen die Richter auch keinen Eingriff in die Kommunikation zwischen dem Verlag und den Lesern. So hatte der Süddeutsche Verlag ebenfalls bemängelt, dass Copyright-Hinweise und Links auf das Impressum durch den Werbeblocker ausgeblendet worden seien. Eyeo wiederum erklärte, diesen Fehler bereits korrigiert zu haben. Der Umstand sei darauf zurückzuführen gewesen, dass der Süddeutsche Verlag selbst die Elemente als Werbung gekennzeichnet hatte.

Eyeo hat somit vor Gericht sehr zum Ärger mehrerer Verlage eine Siegessträhne. Allerdings haben mehrere Verlage angekündigt durch weitere Instanzen gehen zu wollen. In der Zwischenzeit sperren mehr und mehr Verlage auf ihren Websites, prominentestes Beispiel ist wohl Bild.de, die Nutzer von Adblockern generell aus. Andere behelfen sich mit Paywalls. Letzteres gilt z. B. auch für Süddeutsche.de, denn ein Teil des Contents bleibt zahlenden Kunden vorbehalten.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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14 Kommentare

  1. Bei mir gibts selbst auf Bild keine Werbung. NoScript sei dank.

  2. Ein Beispiel auf welch verlorenem Posten die Werbeindustrie steht, habe ich vor kurzem erlebt.
    Meine Freundin, ganz normale Anwenderin und nicht besonders technikaffin, hat bei der Unterhaltung darüber welches ihr neues Android Tablet werden soll auf Platz 1 der Wunschliste vor allen anderen Punkten darauf Wert gelegt, dass es dafür einen Werbeblocker gibt weil es anders nicht mehr auszuhalten sei.

    Das kommt halt davon, wenn es eine Industrie massiv übertreibt.

  3. Bei mir gibts kein BILD, Niveau sei dank;)

  4. Thomas Baumann says:

    Der Adblocker-Blocker auf Bild.de ist doch klasse. So kommt man durch Link Shortener wie bit.ly nicht unbeabsichtigt auf den schlecht recherchierten Content. Zumal ich eh prinzipiell keinem „Medium“ traue wo der Mann der Bundeskanzlerin im Vorstand sitzt…

    Btt. Das mit der „geduldeten Werbung“ finde ich auch etwas zwielichtig, ist aber ein Kompromiss. Aber verklagen, das wird nix. Dann müsste auch Microsoft (Windows), Apple (iOS, MacOS), Google (Android), sämtliche Programmierer von Linux verklagt werden können, da es in jedem System möglich ist via der Hosts Datei Werbeserver systemweit zu sperren (so mache ich das btw.)

    Nur weiteres geweine von kleinen Kindern die anderen Leuten den Lutscher an den Kopf geworfen haben und jetzt verzweifelt sind weil sie nichts mehr zum lutschen haben. Lächerlich.

  5. Wolfgang Denda says:

    +++!

  6. Dank Add Blockern, (ABP habe ich jedoch nicht) ist es mir endlich gelungen mich von solch nervigen Zeitungen wie z.B. Bild zu trennen bzw. zu entwöhnen. Seit dem Werbe- u. Blocker Wahn ist die Zeitung nun restlos unlesbar geworden. Die verbliebenen Suchtmerkmale meinerseits konnte ich Dank Add Blockern endlich ablegen. Es war wie mit dem Rauchen aufzuhören. Es gibt einfach ungesunde Dinge wie z.B. die Werbediktatur die man einfach ablegen muss.
    Wer was verdienen will, soll was ordentliches, ordentlich verkaufen, aber nicht mit Werbung Zwangsbetteln und erpressen.
    (sieht bestimmt wieder jemand anders. Dann soll es so sein)

  7. Adblocking hui, Eyeo pfui. 🙂

  8. Adblocker schön und gut, aber Adblock Plus ist schlimmer als jeder Verlag oder jedes Werbeunternehmen und ich für meinen Teil kann nicht verstehen warum auch nur ein einziger diese mehr als fragwürdige Firma unterstützt…….

    Wenn jemand meint das er unbedingt einen Adblocker nutzen will, dann doch bitte einen anderen der seinem Namen gerecht wird und nicht über eine Whitelist wiederum Werbung gegen Bezahlung durchlässt.

    Kann auch nicht verstehen warum dies nicht verboten wird. Erinnert mich irgendwie an eine Art Schutzgelderpressung.

  9. @Patrick
    so oder ähnlich sehe ich das auch. Sein Systhem mit z.B. noScript sauber zu halten ist eine Sache. Werberfreischaltung gegen Bares ist schon ein wenig „zwielichtig“.

  10. General Failure says:

    Seit Mitte März steigen die Zugriffszahlen auf bild.de wieder leicht. Aber grundsätzlich besteht noch Hoffnung:
    http://www.alexa.com/siteinfo/bild.de

    Auch bei den Print-Auflagen sieht es sehr gut aus:
    http://www.bildblog.de/auflage/

  11. Ohne ADB müsste ich mir die ganze Welt der Werbung geben! Hihi.
    Ich will aber selbst entscheiden ob ich Werbung sehen möchte oder nicht und wie lange und welche.

  12. Als nutzer von Firefox ist man in der glücklichen Lage den Schund auf Bild.de nicht mehr lesen zu müssen da mir unterstellt würde ich nutze einen Adblocker……

  13. @ Patrick Bäder

    Aber die zugelassene Werbung in ABP ist freiwillig und kann jederzeit vom Nutzer abgeschaltet werden. Solange ich die Whitelist jederzeit deaktivieren kann, ist es mir egal ob sich Unternehmen frei kaufen. Schlimm wäre es, wenn diese Möglichkeit nicht vorhanden wäre, denn dann wäre AdblockPlus faktisch kaputt, und würde genau das Gegenteil bewirken, für das es geschaffen wurde. Keine 2 Sekunden später würde ich ABP deinstallieren.

    Der Schöpfer von ABP hat jahrelang versucht sich über Spenden für seine Arbeit zu finanzieren. Aber die Spendenbereitschaft der Firefox-Community hielt sich in argen Grenzen. So kann ich verstehen, dass er andere Wege der Monetarisierung gesucht hat.

    Zur Adblock-Thematik generell kann ich nur wiederholen was sowieso jeder weiß. Die Werbeindustrie ist doch selbst schuld. Durch immer aggressivere Werbung im Internet wurde der Nutzer faktisch genötigt sich mit Werbeblockern zu schützen. Also sollen die Verursacher jetzt nicht jammern wie ein kleines Kind, dem das Spielzeug weggenommen wurde.

    Wünschenswert wäre eine Entwicklung zu globalen Werbestandards, an die sich Werbeunternehmen im Internet halten müssten. Das würde die Toleranz für akzeptable Werbung sicher erhöhen. So müsste der Nutzer nicht per Whitelist Ausnahmen für die wenigen Websites mit unaufdringlicher Werbung einstellen, sondern nur noch die wenigen schwarzen Schafe blocken, die sich nicht an den globalen Standard halten. Ist halt Utopie, weil die Werbeindustrie über so einen globalen Standard gar nicht nachdenken möchte. Die Umsetzung wäre allerdings revolutionär.

    Seiten, die mich als AdBlockPlus-Nutzer aussperren, haben mich übrigens grundsätzlich verloren. Ja, ich weiß, die Seiten haben eh nichts an mir verdient. Aber sollten diese Seiten in Zukunft ein tragbares Konzept entwickeln, was zudem auf breite Zustimmung der Adblock-Nutzer stößt, werde ich auch nicht zurückkehren. Nicht aus trotz, sondern einfach weil ich bis dahin in allen Fällen eine passende Alternative gefunden habe. Die Blöd-Zeitung war übrigens eh nie in meinen Lesezeichen.

    Bis zur Einsicht der Werbeindustrie wird halt weiter geblockt, und ich muss die wenigen Ausnahmen mit unaufdringlicher Werbung halt selbst durchlassen. Also,- Happy Blocking, ihr lieben Freunde von lesbaren Inhalten ohne BlinkeBlinke-Werbung.

  14. Wow, was ein Text 😮

    Gebe dir zwar teilweise Recht, aber trotzdem ist mir AdBlock Plus einfach zuwider.

    Ich habe bisher noch keinen Werbeblocker gebraucht muss ich sagen. Die Seiten welche ich täglich ansurfe übertreiben es bisher nicht mit ihrer Werbung und daher sehe ich keine Begründung um einen AdBlocker einzusetzen.

    Solange keine zusätzlichen Seiten bzw. Fenster aufpoppen oder irgendwelche Videos einfach so anfangen zu spielen nervt mich kaum eine Werbung.

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