8K ist ein Thema, dass TV-Hersteller aggressiv vorantreiben. Derzeit kosten entsprechende TVs allerdings noch Unsummen. Das eröffnet die Frage: Bieten 8K-Fernseher denn greifbare Mehrwerte für den Zuschauer? Dieser Frage wollte das Studio Warner Bros. auf den Grund gehen und leierte deswegen eine recht aufwändige Double-Blind-Studie an.
Was meint Double-Blind? Das ist für wissenschaftliche Studien ein Faktor, der verhindern kann, dass konfudierende Variablen die Ergebnisse beeinträchtigen. Double-Blind meint, dass weder die Probanden der Studie noch die Durchführenden genau wissen, worum es in der Studie geht. Dadurch wird verhindert, dass die die Ergebnisse möglicherweise bewusst oder unbewusst beeinflussen. Kooperiert hat Warner Bros. für die Untersuchung mit Amazon Prime Video, Pixar, LG und der American Society of Cinematographers (ASC), die ich selbst auch in Hollywood besucht habe.
Man zeigte den Teilnehmern im Rahmen der Studie an einem LG 88Z9, einem High-End-OLED-TV mit 8K-Auflösung, sieben unterschiedliche Videoclips in mehreren Abfolgen. Alle sieben Videos, etwa auch neu gerenderte Ausschnitte aus den Pixar-Filmen „Merida“ und „Das große Krabbeln“ sowie natives 8K-Material aus „Dunkirk“ und „The Tick“, wurde einmal als 4K- und einmal als native 8K-Version gezeigt. Damit der TV an sich nicht durch Upscaling eingreifen konnte und es auch zu keinen HDMI-Problemen kam, skalierte man das 8K-Material im Vorfeld für die 4K-Versionen der Clips herunter und legte es in einem 8K-Container ab. So wurde das 4K-Signal nicht durch die Upscaling-Features des TVs beeinflusst.
Um auszuschließen, dass Kompression eine Rolle spielt, lieferte man die 8K-Videos mit einer Bitrate von 3 GByte pro Sekunde über ein extrem leistungsfähiges PC-System aus. Sowohl die 4K- als auch die 8K-Clips waren auch mit HDR10 codiert. Man untersuchte sogar vor dem Test die Sehkraft der Probanden, um auch hier Störfaktoren auszuschließen. Zudem arbeitete man auch noch mit verschiedenen Sitzabständen. 139 Personen nahmen an dem Test teil. Am Ende wurden sie gebeten das gesichtete Material zu vergleichen und den Versionen des jeweiligen, 10-sekündigen Ausschnitts eine Bewertung zukommen zu lassen. So sollten sie angeben, ob sie jeweils Version A bzw. B als „gleichwertig“, „etwas besser“, „besser“ oder sogar „viel besser“ wahrgenommen hätten.
Die Clips wurden dabei mehrmals in unterschiedlichen Reihenfolgen gezeigt. Am Ende ließ man zudem auch nur den jeweiligen 4K-Clip mehrfach laufen, um eine Kontrolle zu haben. Die Ergebnisse fielen für TV-Hersteller allerdings eher ernüchternd aus. So wurden die meisten 8K-Clips entweder als gleichwertig oder nur leicht verbessert beurteilt. Zumindest konnte herausgefunden werden, dass die gezeigten Inhalte eine enorme Rolle spielen. Denn die Ausschnitte aus einer Naturdokumentation stachen gegenüber den anderen Videos sehr heraus. Hier fiel auf, dass es deutlich öfter bei der Beurteilung vorkam, dass die 8K-Version bevorzugt wurde. Das dürfte daran liegen, dass derartige Aufnahmen oft eine sehr langsame Kameraführung einsetzen und viele, kleine Details in Makroaufnahmen zeigen.
Lustigerweise kam es aber auch oft vor, dass die 4K-Versionen als besser empfunden wurden. Die Verantwortlichen erklären das damit, dass in solchen Fällen wohl kein Unterschied durch die Studienteilnehmer erkannt wurde und sie ins Raten verfielen. Auch konnte man erkennen, dass Menschen mit Sehkraft über dem Durchschnitt, die besonders nah an dem 88-Zoll-OLED von LG gesessen haben, zu besseren Bewertungen tendierten. Offen bleiben muss da übrigens die Frage, ob die Ergebnisse eventuell anders ausgefallen wären, hätte man einen LCD verwendet.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die meisten Zuschauer, zumindest in dieser Studie, haben den Sprung von 4K zu 8K entweder nicht bemerkt oder als gering wahrgenommen. Bei den üblichen Sitzabständen in deutschen Wohnzimmern dürften die Mehrwerte von 8K also eher verpuffen.
