Zu Besuch bei Sony: Neue Kameras

9. Juni 2012 Kategorie: Hardware, geschrieben von:

Ich bekam letztens eine Einladung nach Düsseldorf, genauer gesagt von Sony. Es ging um das Ausprobieren von neuen Kameras. Nun ja, was soll ich sagen? Ich habe weder Ahnung von Fotografie, des Weiteren liegt selbst meine Systemkamera fast nur noch im Schrank, weil ich mittlerweile alles mit einer handlichen 16 MP-Knippse mache. Also habe ich (mal wieder) den Viktor losgeschickt.

Viktor ist ein Gastblogger, wie man ihn gerne hat: ehrliche Schreibe, Meinung und auch schon ein paar Mal hier im Blog, er war damals beim PlayStation Vita-Event, bei der Panasonic-Präse und er schrieb was zum Thema Livestreaming mit dem iPhone. Nun hat er also Sony in Düsseldorf besucht und ich wusste schon vorab, dass das was für ihn ist – fotografiert er ja auch privat & im Bereich der Musik. Nun aber genug der warmen Worte für Viktor, nun zu seinem Text 🙂

Sony hat am letzten Samstag nach Düsseldorf eingeladen um neue Kameras zu zeigen und mit Bloggern und Fotografen darüber zu sprechen. In der besagten Stadt ist zur Zeit ein riesiges japanisches Fest, sodass man in Begleitung von Hunderten manga-stylischen Kids zum Hotel laufen durfte/musste. In jedem Fall ein in unterhaltsamer Anblick.

Begrüßt wurden wir mit einem asiatischen Menü, an einem 20cm hohen Tisch. Schuhe aus und mit Stäbchen essen. Definitiv mal was anderes und ein netter Einblick in die fernöstliche Kultur. Nach dem Lunch und dem ersten Kennenlernen der noch unbekannten Blogger, Foren-Betreiber und Journalisten ging es mit der Produktpräsentation weiter.

Sony kann alles und viele Kameras

Fernseher, Mobile, Foto etc., eben ein Unterhaltungsunternehmen. Die Kamerasparte wurde damals mit der Übernahme von 200 Kamera-Ingenieuren von Konica-Minolta befestigt.

Aufgeteilt ist die Sparte in 3 Kategorien: Spiegelreflex (alpha-Serie), Mittelklasse (NEX-Serie) und die Einsteigerwelt (Cybershot). Welt? Jau, so wie bei vielen anderen Hersteller auch herrscht ein wenig das Gefühl von Masse statt Klasse.

Nach kurzer Zeit kam die berechtigte Frage auf, wie lange es die Einsteigerkameras noch geben wird. Schließlich haben doch immer mehr irgendein Smartphone in der Tasche.

„Aber damit kann man nicht zoomen!“ Ja, und? Hat mich persönlich noch nie gestört beim Handy. Wir einigten uns darauf, dass die kleinste Reihe wohl nach und nach ersetzt sein wird.

An dieser Stelle fiel das erste Mal ein entscheidendes Zitat: „Die beste Kamera ist die, die du dabei hast!“

Features gegen die Smartphone-Konkurrenz

Die anderen kleinen Kameras grenzen sich durch Features wie ein Unterwassergehäuse und Effekten ab. Es dauerte 5 Sekunden bis das Wort „Instagram“ im Raum stand. Effekte? Kann auch jedes Smartphone.

Vorgestellt: HX-20 und HX-200

Ein Punkt ist für viele der Zoom, das habe ich in meinem Umfeld auch schon öfter gehört. Alles Stalker! 😉

Beide Kameras verfügen über einen großen Zoombereich, wobei die HX-20 noch kompakt ist und die HX-200 vom Umfang schon einen Schritt weiter Richtung Spiegelreflex-Format gegangen ist. Beide sind mit GPS ausgestattet, können FullHD-Videos aufnehmen und setzen auf den Exmor-R-Sensor.

Exmor-R-Senor

Wer sich ein wenig mit Fotografie beschäftigt weiß, welchen Stellenwert der Sensor hat: einen sehr hohen! Der Exmor R ist hintergrundbeleuchtet. Wow? Naja, das iPhone hat das auch schon etwas länger und ist ja eigentlich nur ein Handy.

Sony zieht an dieser Stelle also eher nach. Bei Sonys Supersensor wird das Bild zusätzlich in 3 Schritten optimiert. Dazu werden eigentlich 6 Fotos gemacht, die dann zu einem optimalen Bild zusammengestellt werden.

Klarbild-Zoom

Ein weiteres Feature was Sony vorgestellt hat ist der Klarbild-Zoom: Die HX-200 hat neben dem 30-fachen optischen Zoom auch diese Zusatzfunktion, die eigentlich ein digitaler Zoom ist, allerdings ohne Größenverluste.

Kurz erklärt: Digitaler Zoom ist nichts anderes als ein großgezogener Bildausschnitt, sprich: Qualitätsmörder.

Die Klarbild-Zoom-Funktion macht das selbe, errechnet allerdings die verlorenen Pixel nach. Dazu gibt es eine Muster-Datenbank. Nette Geschichte, aber wer 60-fach zoomt sollte an anderer Stelle ansetzen.

Über die Effekte schreibe ich jetzt mal nichts. Da werden sicherlich einige ihren Spaß dran haben, aber naja. Tilt-Shift (Miniatur-Effekt), Colorkey (Schwarz/Weiß bis auf eine Farbe), HDR und so weiter.

Auch neu: Die NEX-F3

Hier wurde es meiner Meinung nach spannender. Die NEX-Serie kombiniert eine kompakte Kamera mit Wechselobjektiven. Kreativität für die Tasche. Die neue F3 setzt in der Serie als Einsteigermodell an. Das schöne daran: Die NEX-Serie verfügt über einen großen Sensor, so wie die Alpha-Serie.

Hands-on

Nach der Einführung in die Kamerawelt von Sony bekamen wir entweder eine HX-20 oder eine HX-200 in die Hand und wurden in den japanischen Garten gefahren um dort eine Stunde mit den Kameras probieren zu dürfen.

Etwas problematisch: Alle anwesenden Journalisten gehören definitiv nicht in die Zielgruppe der Kameras. Die Produkte sind auf unerfahrene Einsteiger ausgerichtet, die ohne Nachdenken einfach schöne Bilder machen wollen. Das kann man den Kameras auch nicht abschreiben, das werden sie voll und ganz erfüllen.

In der Preisklasse in der sich die Kameras bewegen (etwa 500-750 Euro) ist die Verarbeitung etwas plastiklastig und klapperig.

Etwas später ging es dann wieder zu den drei Kleinbussen. In 3 großen Reisekoffern waren Kameras und Objektive ohne Ende. Ab jetzt durften wir auch die NEX-F3 ausprobieren und zwei alpha-Modelle, die ebenfalls neu sind: alpha A57 und alpha A37.

Es ging in die überfüllte Stadt (japanisches Fest mit Cosplay-Modenschau) zum Testen.

Nach einem Abendessen und einem leckeren Bierchen ging es dann noch zum Highlight: Ein 20 Minuten langes Feuerwerk. Stative standen für uns auf einer Brücke bereit. Wir konnten die ISO-Werte ausprobieren und den Exomor-R-Sensor. Zu großen Überraschungen kam es dabei für uns nicht, was leider wieder an der Zielgruppe liegt. Für Laien kann man auf jeden Fall sagen: Gute Ergebnisse trotz geringer Fotokenntnis.

Neben der normalen Automatik hat Sony noch was erfunden: Die überlegene Automatik. Die erkennt was gerade los ist: Bewegung, Nachtaufnahme, ob ein Stativ vorhanden ist (Gyroskop) etc. Wie überlegen sie wirklich ist müsste ein Amateur nach einer etwas längeren Zeit herausfinden. Die Erkennung der Situation funktionierte auf jeden Fall.

Digitale Sucher und fehlende Knöpfe

Der digitale Sucher ist eine seltsame Sache. Für die Einsteiger: Der Sucher ist das Loch wo man oben durchguckt. Der ist normal analog und man guckt direkt durch das Objektiv. Bei den vorgestellten Kameras ist das komplett digital. Am Sucher befindet sich ein Näherungssensor der das Hauptdisplay nach einer Sekunde deaktiviert und den kleinen Bildschirm im Sucher aktiviert. Fühlt sich seltsam an und die Sekunde Latenz ist anstregend. Außerdem sorgt der Sensor für ein gelegentlich ungewollt ausgeschaltetes Display. Nervt.

Die NEX-F3 und die HX-20 verfügen wie auch die größeren Kameras über diverse Modi, die allerdings nur über das Menü gewechselt werden können. Mal sind die Zusatzfunktionen im Menü, mal auf einer FN-Taste (bei der selben Kamera). Etwas undurchdacht würde ich sagen. Dazu kommen Menüs und Erklärungen (natürlich auch im Sucher). Irgendwie war das alles ein wenig unüberschaubar.

Dazu kommt noch, dass die Prozessoren nicht sonderlich flink waren. „Verarbeitet…“ und ähnliche Dinge verhinderten manches spontanes Foto.

Sony hat auf jeden Fall verstanden, dass es um Features geht, um Laien an Board zu holen. Mit der NEX-Serie haben sie außerdem ein verdammt attraktives Format im Portfolio. Dabei kommt noch einmal das Zitat ins Spiel: Wenn ich eine umfangreiche und flexible Kamera immer dabei haben kann, weil sie derartig kompakt ist: Perfekt.

Zu den HX-Kameras will ich kein Urteil fällen: Für mich wäre das auf keinen Fall was, aber der Markt für Super-Zoomer ist ohne Frage vorhanden.

Interessant wird die Smartphone-Entwicklung der nächsten Jahre und in welchen Ebenen sie den Kamera-Markt beeinflussen. Im kleinen kompakten Bereich tun sie das heute schon. Vorhersagen sind hier aber gefährlich. DSLR-Kameras sollten auch schon längst das zeitliche gesegnet haben, aber sie laufen besser als je zuvor.


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Über den Autor:

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