Znaps: Vom Kickstarter-Hype zum großen Betrug?

17. Dezember 2016 Kategorie: Internet, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_kickstarterEinige von Euch werden sich bestimmt noch an Znaps erinnern, Mitte 2015 ein wahnsinnig erfolgreiches Kickstarter-Projekt. Interessierte konnten für einen relativ kleinen Betrag einen magnetischen Ladeadapter für Lightning- oder microUSB-Anschlüsse erhalten. Wer schon öfter bei Crowdfunding-Projekten mitgemacht hat, der weiß auch, dass es immer zu Verzögerungen oder unvorhergesehenen Änderungen kommen kann. Und so warteten die Backer geduldig, bei jeder Aktualisierung erneut. Zwischenzeitlich konnte man sogar über den Webshop Bestellungen für Znaps aufgeben, für den Fall, dass die Kickstarter-Kampagne verpasst wurde. Heute haben wir Dezember 2016, 1,5 Jahre später und Ihr ladet Euer Smartphone höchstwahrscheinlich immer noch nicht über Znaps auf.

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Über drei Millionen kanadische Dollar sammelte das Projekt allein auf Kickstarter ein, man möchte meinen, dass sich damit ein Produkt wie Znaps auch tatsächlich verwirklichen lassen sollte. Das geschah bisher nicht. In den letzten Monaten erreichten uns von Euch auch immer wieder Hinweise darauf. Eine Verzögerung bei Crowdfunding-Projekten, vor allem, wenn diese dann größer werden als erwartet, ist nicht selten, habe ich beispielsweise auch schon bei einfachen Produkten wie Kabeln erlebt. Und seit dem Kickstarter-Fulfillment-Report wissen wir auch, dass 9 Prozent der erfolgreichen Projekte keine Belohnungen ausliefern.

Allerdings kristallisiert sich nun heraus, dass es sich bei Znaps vermutlich schlichtweg um einen Betrug handelt. Via Kickstarter gab es bislang 47 Updates der Ersteller, das letzte im September. Entschuldigt wird sich im letzten Update für die erneute Verzögerung, nichts, was man als Backer nicht schon in zahlreichen Updates vorher hätte gelesen. Wieder wurde aber versichert, dass nun bald alle Backer ihre Znaps-Bestellungen erhalten werden.

Bei Reddit gibt es einen sehr interessanten Thread, der behauptet, auch weitere Kickstarter-Projekte sollen von den selben Erstellern in den Sand gesetzt worden sein, Belohnungen wurden nie ausgeliefert. So zum Beispiel Arist, eine Kaffeemaschine, die ebenfalls sehr erfolgreich war.

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In den Kommentaren der Kickstarter-Seite von Znaps ist die Stimmung entsprechend mies, was uns zum eigentlichen Problem führt, denn kein Backer oder Vorbesteller über die Webseite möchte gerne für Dinge bezahlen, die dann nicht geliefert werden.

Durch die langen Zeiträume kann es problematisch oder gar unmöglich werden, sein Geld zurückzubekommen. Kickstarter selbst zeigt sich – nicht zum ersten Mal – als Unschuldslamm, man stellt schließlich nur die Plattform zur Verfügung. Da die Zahlungen bei den meisten Backern bereits vor 1,5 Jahren stattfanden, ist es auch schwierig, das Geld über den Zahlungsdienstleister zu bekommen. Gleiches gilt für Vorbesteller über die Webseite. Das eingesetzte System könne angeblich keine Rückzahlungen für Abwicklungen vornehmen, die mehr als 6 Monate zurückliegen. Hat man per PayPal bezahlt, sind die Fristen in vielen Fällen ebenfalls überschritten.

Bei mir selbst habe ich gerade einmal geschaut, bezahlt habe ich das Ganze damals noch mit einer Kalixa MasterCard, die gibt es mittlerweile nicht mehr. 18 kanadische Dollar habe ich damals bezahlt, wenn ich mich nicht irre, habe ich dann bei der Angabe, welche Version man letztendlich haben möchte, sogar noch einen dritten Adapter dazu bestellt. Verbuche ich unter Lehrgeld, verstehe aber auch wirklich jeden, der seine Kohle zurückhaben möchte. Das dürften einige der über 70.000 Unterstützer sein.

Schade ist das nicht nur, weil ich das Projekt damals sogar als ideal für Crowdfunding-Einsteigern sah, sondern eben auch, weil ein cooles Projekt dann doch nicht so abläuft, wie es sollte. Mittlerweile gibt es Adapter in der Art von Znaps zahlreich, ob als reiner Adapter oder gleich mit passendem Kabel, man muss sich nur einmal umschauen (z.B. Amazon). Zwar etwas teurer als Znaps, dafür aber auch lieferbar.

Es ist wirklich schade um Znaps, allerdings sollte man sich dadurch dennoch nicht den Spaß am Crowdfunding verderben lassen. Für mich gab es da in letzter Zeit zwar nicht wirklich etwas interessantes, aber ich hätte auch kein Problem damit, jederzeit wieder ein Projekt über Kickstarter zu unterstützen. Wie sieht es bei Euch aus? Einige von unseren Lesern konnten sich seinerzeit ja auch für Znaps begeistern. Habt Ihr Euch zwischenzeitlich nach einer anderen Lösung umgesehen? Habt Ihr Euch gegen die Zahlung gewehrt?


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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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