YouTube will noch schärfer gegen unerwünschte Inhalte vorgehen

5. Dezember 2017 Kategorie: Internet, Social Network, Streaming, geschrieben von:

YouTube befindet sich immer noch in einer Art Identitätskrise: Gemeinhin als „Adpocalypse“ bezeichnet, prägte in den letzten Monaten der Rückzug vieler Werbekunden die weitere Entwicklung der Plattform. Es ist auch kein Geheimnis, dass YouTube seitdem deutlich schärfer die Inhalte kontrolliert, die für eine Monetarisierung zugelassen werden. Politische Inhalte, Videos mit Gewaltdarstellungen oder auch Humor mit zu vielen Ecken und Kanten fallen schnell aus dem Raster, das für Werbekunden zugelassen wird. Nun hat die Geschäftsführerin YouTubes, Susan Wojcicki, weitere Maßnahmen gegen unerwünschte Inhalte angekündigt.

Damit meint Wojicicki zwar in erster Linie extremistische Inhalte und andere Videos, die generell nicht auf YouTube erwünscht sind, allerdings greift YouTube eben allgemein momentan sehr hart durch – aus Sicht vieler Videomacher zu hart bzw. zu willkürlich. So ist für die Content Creators manchmal nicht völlig transparent, warum ein Video nicht zur Monetarisierung zugelassen wird, obwohl es nur vermeintlich harmloses Material enthält.

YouTube setzt allerdings zur Kontrolle der Inhalte eben auch vorwiegend Algorithmen und Machine Learning ein. Allerdings gibt es auch ein großes Team menschlicher Prüfer, die z. B. bei Einsprüchen Inhalte wieder freigeben können – oder eben auch nicht. Die menschlichen Teams haben zudem manuell seit Juni 2017 ca. zwei Mio. Videos ausgewertet und auf diese Weise auch dem Algorithmus mehr Input gegeben. Man wolle aber in Zukunft auch ein verstärktes Augenmerk auf die Kommentare legen. Entsprechend sollen 2018 über 10.000 Mitarbeiter bei YouTube nach Inhalten Ausschau halten, welche man nicht auf der Plattform sehen will.

Laut Wojcicki erkenne man extremistische Inhalte mittlerweile schneller als jemals zuvor: 70 % aller Inhalte dieser Sorte könne man innerhalb von acht Stunden nach dem Upload entfernen. Man sei sich aber auch bewusst, dass man transparenter gegenüber Videomachern agieren müsse, deren Videos entfernt oder von der Monetarisierung ausgeschlossen worden seien, ohne dass jenen bewusst sei warum. Daher werde man 2018 eine regelmäßige Übersicht herausgeben, um zusammenzufassen welche Flags man erhalten habe und wie man auf sie reagiere.

Zwischen den Zeilen deutet YouTube jedoch auch an, noch vorsichtiger auszuwählen, welche Kanäle grundlegend zur Monetarisierung zugelassen werden. Es ist von „strikteren Auswahlkriterien“ und mehr manueller Überprüfung die Rede. In diesem Punkt darf man gespannt sein, was YouTube dann sozusagen noch wird durchgehen lassen und wo man die Daumenschrauben anzieht. Bleibt zu hoffen, dass am Ende nicht die falschen Videomacher darunter leiden müssen.


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