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YouTube essen Musikindustrie auf

20. April 2016 Kategorie: Internet, Streaming, geschrieben von: André Westphal

Youtube Artikel LogoDie Musikindustrie hat seit jeher ein gespaltenes Verhältnis zum Internet: Als Filesharing via Napster und spätere, fast vergessene Dienste wie Audiogalaxy, Soulseek und Kazaa die neuesten Alben als MP3 weltweit auf die Rechner schoss, waren die Manager und Labels verständlicherweise „not amused“. Heute bietet man zwar seinen Content über Streaming-Anbieter wie Deezer, Juke, Spotify und Co. an, doch auch hier entsteht immer wieder Kritik, da nur wenig Geld bei den Künstlern ankommt. Jetzt hat Peter Mensch, Manager von Bands wie Metallica, Muse und Red Hot Chili Peppers, YouTube im Visier. Er wirft dem Video-Netzwerk vor der Musikindustrie den Todesstoß zu versetzen.

YouTube ist der Teufel„, sagte Mensch wörtlich in einem Interview mit BBC Radio 4. Zum einen bemängelt Mensch, dass zu wenig Geld für Werbung ausgezahlt werde, welche Labels und Künstler auf ihren offiziellen Kanälen in ihre Musikvideos einbinden können. Zum anderen ist Mensch grantig, weil immer wieder urheberrechtlich geschütztes Material, teilweise ganze Alben, bei YouTube hochgeladen würden. Aufgrund des Safe-Harbor-Abkommens hafte YouTube aber für jene Leaks nicht, sondern habe lediglich die Verantwortung sie zu entfernen, wenn ein Rechteinhaber darauf aufmerksam mache. „Wenn niemand etwas gegen YouTube unternimmt, dann sind wir am Ende„, verschärft Mensch seine Aussagen.

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Nun ist es natürlich nichts Neues, dass millionenschwere Manager aus der Musikindustrie jammern, als stünde morgen die Apokalypse an. Allerdings hatte auch die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) letzte Woche in einem Bericht festgehalten, dass der „Wert“ der Musik verfalle. Immer mehr Musik werde illegal und kostenlos auf Plattformen wie Daily Motion, Soundcloud und YouTube konsumiert, was es kommerziellen Anbietern wie Spotify schwerer mache, monatliche Gebühren zu rechtfertigen. Viele Kunden würden es nicht einsehen, für etwas zu bezahlen, das sie anderenorts gratis bekämen.

YouTube bzw. dessen Chief Business Officer Robert Kyncl, sieht die Probleme allerdings nicht bei YouTube, sondern bei den Plattenfirmen. Viele Künstler erhielten seiner Meinung nach wenig Geld, weil die Verträge mit den Labels veraltet / undurchsichtig seien. Deswegen komme das Geld nicht bei den Künstlern an. Als Gegenbeispiel führt Kyncl die Geigerin Lindsey Stirling an, die mit 7,8 Mio. Abonnenten bei YouTube im letzten Jahr ca. 6 Mio US-Dollar verdient habe. Oft zweige der Mittelsmann, sei es nun eine Plattenfirma oder auch eine Verwertungsgesellschaft, Geld ab. Dafür könne YouTube aber nichts.

Der Gitarrist einer meiner Lieblingsbands, Ed O’Brien von Radiohead, ist der Meinung das Internet sei nach wie vor „der Wilde Westen„, wenn es um Musik gehe: „Klar, wir hören von Streaming-Anbietern, dass sie 2 Mrd. US-Dollar ausgeschüttet hätten. Aber es ist extrem schwierig herauszufinden, was denn eigentlich mit dem Geld passiert ist. Wo ist es gelandet? Bei den Plattenfirmen? Genau hier liegt das Problem – das ist alles nur ein schwarzes Loch.

Übrigens drängen die Plattenfirmen das Thema natürlich auch ausgerechnet jetzt in den Vordergrund, da etwa seitens der Labels Sony, Universal und Warner 2016 neue Verträge mit YouTube auszuhandeln sind. Kein Wunder also, dass man da gerne etwas Druck machen möchte. Das könnte auch Mensch im Hinterkopf haben,der für seine Zöglinge und damit auch sich selbst sicher gerne ein paar US-Dollar mehr in der Tasche hätte.



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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

André hat bereits 1575 Artikel geschrieben.