Xiaomi Mi Mix 2 im Test: Die Rückkehr des Trendsetters

26. Dezember 2017 Kategorie: Hardware, Mobile, geschrieben von:

Xiaomi hat mit dem ersten Mi Mix 2016 eine Art Pionier-Gerät veröffentlicht: Das Smartphone begründete den Trend hin zu möglichst rahmenlosen Designs und setzte auf das ungewöhnliche Format von 17:9. Mit dem Nachfolger, dem Xiaomi Mi Mix 2, hat der chinesische Hersteller im September 2017 sozusagen die (fast) perfekte Evolution geliefert. Das neue Smartphone setzt auf die handlichere Diagonale von 5,99 statt 6,4 Zoll und wendet sich hin zum Format 18:9. Der Rahmen ist noch schmaler geworden, die Technik im Inneren mit einem Qualcomm Snapdragon 835 sowie 6 GByte RAM dafür noch mächtiger. Ich nutze das Xiaomi Mi Mix 2 privat seit einigen Wochen als täglichen Begleiter und kann euch über meine Erfahrungen mit dem Smartphone berichten.

Ich nutze das Xiaomi Mi Mix 2 mit der Global Beta von MIUI 9. Das Aufspielen ist mittlerweile an Xiaomi-Geräten nicht mehr ganz so einfach, wie es einmal war: Nutzt man die offiziellen Tools, muss man erst einen Antrag auf Entsperrung des Bootloaders stellen. Dafür benötigt man ein Mi-Konto. Leider geht der Antrag überhaupt erst durch, wenn man ihn von einer chinesischen IP-Adresse aus abschickt. Andernfalls erblickt man nur eine kryptische Fehlermeldung.

Selbst wenn man die Berechtigung erfolgreich erhalten hat, muss zusätzlich das Mi-Konto auch mit dem Mi Mix 2 verknüpft sein. Auch dies funktioniert in den Entwickleroptionen nur über eine chinesische IP. Sogar am Smartphone selbst müsst ihr hierzulande also mit einer VPN-Lösung hantieren. Warum ich euch das gleich zu Anfang berichte? In den Kommentaren habe ich in der Vergangenheit immer wieder Verwunderung über dieses Verfahren gelesen. Tatsächlich wurden eben viele, der zusätzlichen Schritte – etwa sie Notwendigkeit einer chinesischen IP am Smartphone – erst kürzlich seitens Xiaomi eingeführt.

Trotzdem kann man diese Hürden allesamt nehmen, wenn man eine Global ROM auf das Mi Mix 2 hieven will. Man sollte sich ihrer aber bewusst sein. Hat man die oben angerissenen Schritte durchgeführt, ist das Entsperren des Bootloaders und das anschließende Flashen an sich mit Xioamis offiziellen Tools denkbar einfach. Aber mal eben das Mi Mix 2 hernehmen und loslegen – das geht eben eher nicht. Doch nun sind hier für euch noch mal zur Rekapitulation die technischen Daten.

Xiaomi Mi Mix 2
Display: 5,99 Zoll (18:9 IPS) mit 2.160 x 1.080 Pixeln, geschützt durch Corning Gorilla Glass 4
Abmessungen und Gewicht: 151,8 x 75,5 x 7,7 mm / 185 Gramm
RAM und Speicher: 6 LPDDR4X; 64 GByte (nicht per microSD erweiterbar) (gibt auch mit Versionen mit mehr Speicher)
Prozessor: Qualcomm Snapdragon 835 mit acht Kernen und bis zu 2,45 GHz Takt
Kamera:  12 Megapixel, Blende f/2.0, PDAF, OIS, Dual-LED-Blitz, 4K-Video mit 30 fps
Videoaufnahme: bis zu 4K bei 30 fps
Front-Kamera:

5 Megapixel, f/2.0, 1080p-Video

Akku:  3.400 mAh Akku (fest verbaut)
Betriebssystem: MIUI 9 (Global Beta), basierend auf Android 7.1.1 (Nougat)
Schnittstellen: Wi-Fi 802.11 ac, 4G LTE (mit Band 20), Bluetooth 5.0 mit aptX / aptX HD-Support, USB Typ-C (2.0), GPS, NFC, Dual-SIM
Weiteres: Schnellaufladung, Fingerabdruckscanner an der Rückseite, Gyroskop, Gehäuse aus Metall und Keramik, kein 3,5-mm-Audio, Benachrichtigungs-LED

Das Xiaomi Mi Mix 2 bietet bekanntermaßen nicht nur LTE Band 20, sondern insgesamt stolze 43 LTE-Bänder. Falls ihr also z. B. beruflich international unterwegs seid, ist das Mi Mix 2 bestimmt im Bezug auf diesen Aspekt einen Blick wert. Zu bekommen ist das Smartphone aber eben nur als Import – in Deutschland vertreibt Xioami ja keine Geräte offiziell. Das hat natürlich so seine Schattenseiten, wie ich bereits in einem anderen Artikel mit allgemeinem Bezug zu China-Phones beschrieben habe.

Aber schauen wir uns doch direkt einmal Ausstattung und Verarbeitung des Xioami Mi Mix 2 an. Anschließend schleudere ich euch ein paar Benchmarks herein, bevor ich auch zu Display und Kameras etwas sage. Dann merke ich gerne noch ein paar Besonderheiten aus meinem Alltag mit dem Gerät an, bevor ich mein persönliches Fazit ziehe.

Ausstattung und Verarbeitung

Xiaomi hat beim Mi Mix 2 den Rahmen um den Bildschirm im Vergleich mit dem erste Mi Mix nochmals um 12 % verkleinert. Erreicht man dies unter anderem durch einen Kniff. So ruht die Frontkamera nicht an der Ober-, sondern an der Unterseite. Dort befindet sich auch die Benachrichtigungs-LED. Ich beschreibe das mal als „gewöhnungsbedürftig“ und sage im Abschnitt zu den Kameras etwas mehr dazu.

Absolut gelungen ist Xiaomi die schlichte, edle Verarbeitung: Die Rückseite aus Keramik mit dem vergoldeten Ring um die Kameralinse sowie dem unauffälligen, eleganten Schriftzug „MIX designed by Xiaomi“ wirkt haptisch und optisch absolut stark. Fingerabdrücke werden allerdings auch hier magisch angezogen. Im Lieferumfang findet man wiederum neben dem Smartphone selbst nochein Netzteil (leider nicht für deutsche Steckdosen), ein USB Typ-C Kabel, einen Kopfhörer-Adapter, eine kleines Poster mit Hinweisen zum Gerät in chinesischer Sprache und eine dünne Schutzhülle für die Rückseite.

Links findet ihr am Xiaomi Mi Mix 2 den Slot für die beiden SIM. An der rechten Seite sitzen untereinander die Lautstärkewippe und der Powerbutton. Der Rahmen des Geräts besteht aus Metall. Es existiert aber auch eine teurere Version des Mi Mix 2, die komplett auf Keramik setzt – auch beim Rahmen.

Ein Kritikpunkt des ersten Mi Mix war der blecherne Lautsprecher. Hier hat Xiaomi beim Nachfolger nachgebessert, denn die technisch komplexe Lösung des Erstlings soll auch bei Telefonaten für ernüchternde Ergebnisse gesorgt haben. Das Xiaomi Mi Mix 2 liefert nicht nur Stereo-Sound, sondern auch bei Telefonate Ergebnisse, die nun absolut in Ordnung gehen. Eher dürfte viele von euch stören, dass das Mi Mix 2 auf einen Anschluss für 3,5-mm-Audio verzichtet.

Es führt am Ende aber kein Weg daran vorbei, dass das Xioami Mi Mix 2 eines der optisch und haptisch hochwertigsten Android-Smartphones des Jahres 2017 darstellt – zumindest meiner Meinung nach. Gut, aber wenn das Äußere passt, gilt das dann auch für das Innere?

Benchmarks und Leistung

Das Xiaomi Mi Mix 2 setzt auf den potenten Qualcomm Snapdragon 835. Dem Octa-Core mit der GPU Adreno 540 stehen 6 GByte RAM zur Seite. Das gleicht im Grunde dem Xiaomi Mi6, das Benny ja bereits getestet hat. Tja, und was soll ich sagen: In Benchmarks sind die Ergebnisse auch sehr ähnlich. Ich haue für euch einfach mal meine Messergebnisse hier rein, so dass ihr euch selbst einen Eindruck verschaffen und auf Wunsch mit dem Mi6 vergleichen könnt.

Grobe Erklärung? Die Performance ist extrem ähnlich, wobei das Mi6 um eine Haaresbreite vorne liegt. Das kann aber auch schon der abweichenden Auflösung geschuldet sein, die beim Onscreen-Rendering natürlich ihren Tribut fordert, oder auch unterschiedlichen Update-Ständen bei MIUI. Allerdings ist es alles andere als gewagt, zu behaupten, dass das Xiaomi Mi Mix 2 in der Leistung locker mit anderen Geräten wie dem Samsung Galaxy S8, dem OnePlus 5T oder eben dem besagte Xiaomi Mi6 mithält.

Das zeigt sich auch bei der Nutzung: Ich empfinde MIUI 9 als pfeilschnell. Man mag die verspielte und bunte Art der Oberfläche kritisiere, aber die Performance überzeugt absolut. Das ganze System läuft butterweich. Apps starten ebenfalls pfeilschnell und selbst rasante 3D-Games bringen das Xiaomi Mi Mix 2 nicht ins Schwitzen.

Display und Kamera

Der Bildschirm des Xiaomi Mi Mix 2 bietet 5,99 Zoll Diagonale im Format 18:9 bei einer nativen Auflösung von 2.160 x 1.080 Bildpunkten (FHD+). Das Design mit dem möglichst schmalen Rahmen macht dabei optisch natürlich einiges her. So wirkt das Xiaomi Mi Mix 2 optisch nicht nur zeitgemäß, sondern eher seiner Zeit voraus. Schade ist, dass Xiaomi die Auflösung aber nur bei FullHD+ belässt. Dadurch haben z. B. das Samsung Galaxy Note 8 mit QuadHD+ (2.960 x 1.440 Pixel) oder das LG V30 mit 2.880 x 1.440 Pixeln mehr zu bieten. Komplett fair ist dieser Vergleich allerdings nicht, wenn man den Preis der jeweiligen Smartphones berücksichtigt

Zumal das Display des Xiaomi Mi Mix 2 trotzdem überzeugt: Für ein IPS-Display werden hier exzellente Kontraste und satte Farben geboten. HDR oder Dolby Vision unterstützt das Mi Mix 2 allerdings leider nicht. An der Helligkeit habe ich ebenfalls nichts zu meckern, sie reichte mir auch bei Sonneneinstrahlung immer vollkommen aus. Wer möchte, kann zudem im System noch an den Einstellungen drehen, um die Darstellung anzupassen.

Der Schwachpunkt des Xiaomi Mi Mix 2, das man ansonsten fraglos als erstklassiges High-End-Smartphone einordnen kann, ist die Kamera. Zum einen setzt Xiaomi auf der Rückseite keine Dual-Kamera-Lösung ein wie beim Mi6, zum anderen ist auch die Frontkamera mit 5 Megapixeln und ihrer ungewöhnlichen Position für Selfie-Fans recht ernüchternd.

Beginnen wir mit der Hauptkamera: Diese kann trotz fehlender, zweite Linse auch wieder Bokeh-Effekte simulieren. Mir gefallen jene aber nicht so gut wie beim Mi6, das ich ebenfalls ausgiebig antesten konnte. Die verlustfreie Zoom-Funktion des Mi6 musste zwangsweise abdanken. Generell knipst die Kamera mit dem Sensor Sony IMX386 Bilder, die durchaus gut sind. Aber wenn ich selbst Vergleiche zu meinem Vorgänger-Gerät ziehe, dem LG G6, dann liegt das Xiaomi Mi Mix 2 doch gerade bei der Detailwiedergabe und auch den Farben sichtbar hinten. Meiner Ansicht nach entspricht die Qualität der Fotos eher einem Mittelklasse-Smartphone.

Auch die Frontkamera mit 5 Megapixeln steht z. B. hinter jener des ebenfalls von Xiaomi stammendem Mi6 zurück. Denn beim Mi6 hat Xiaomi noch auf 8 Megapixel gesetzt. Immerhin hat man gegenüber dem Vorgängermodell beim Mi Mix 2 die Blende von f/2.2 auf lichtstärkere f//2.0 angepasst. Nervig ist aber vor allem die Position: Da die Kamera an der Unterseite sitzt, müsst ihr das Mi Mix 2 bei Selbstporträts stets erst einmal in der Hand drehen.

Das ist in Ordnung bei der vorinstallierten Kamera-App, da diese sich entsprechend mitdreht. Allerdings kapieren andere Anwendungen wie Snapchat, Instagram oder WhatsApp diesen Dreh eben nicht. Für Selfie-Fans kann ich das Xiaomi Mi Mix 2 daher nicht guten Gewissens empfehlen. Klar, auch die üblichen Verschönerungseffekte könnt ihr reinballern, wenn ihr es auf den besonders in Asien begehrten Wachsfiguren-Look abgesehen habt.

Während mich der Bildschirm des Xiaomi Mi Mix 2 überzeugt, empfinde ich wiederum die Kamera-Austattung als eher ernüchternd. Falls euch also besonders Fotos mit dem Smartphone wichtig sind, dann würde ich nach einem anderen Gerät Ausschau halten.

Weitere Anmerkungen

Das Xiaomi Mi Mix 2 erhaltet ihr beim Kauf regulär mit der China ROM. Wie ich schon eingangs beschrieben habe, ist die Installation der Global ROM mit einigen Hürden verbunden. Deswegen sage ich selbst, dass das Xiaomi Mi Mix 2 eher etwas für Techies ist, als für diejenigen, die einfach einen Schnapper machen wollen. Zumal bei der China ROM nicht nur die fehlende, deutsche Sprachunterstützung ein Problem ist. Es fehlen außerdem die Google Play Dienste und die entsprechenden Apps wie der Play Store. Die Installation der Global ROM ist also im Grunde Pflicht.

MIUI ist wiederum eine recht typische, chinesische Oberfläche: Ein App-Drawer fehlt und das ganze Design ist relativ bunt und verspielt mit vielen (abschaltbaren) Systemanimationen. Über viele Themes könnt ihr MIUI jedoch gut anpassen. Ich habe mich an der Oberfläche nie gestört, komme aber z. B. auch mit Huaweis EMUI klar.

Was die Akkulaufzeit beträgt, so konnte ich via PCMark eine Laufzeit von insgesamt 10 Stunden ermitteln. Leider kann ich dazu keinen Screenshot liefern, da der Test, wie bei vielen anderen Smartphones abbrach. Ich hatte aber dieses Mal Glück, da ich durch Zufall neben dem Gerät stand und den Abbruch daher exakt beobachten konnte.

Der Fingerabdruckscanner an der Rückseite, über dessen Platzierung ihr euch ja in den Kommentaren nur allzu gerne zofft, funktioniert übrigens pfeilschnell und präzise. Ich hatte zumindest keine einzige Fehlerkennung bisher. Im Hinblick auf das möglichst rahmenlose Design hätte der Scanner jedenfalls schlecht an die Vorderseite gepasst. Und einen Fingerabdruckscanner an der Seite wünscht sich auch niemand, oder?

Anmerken kann ich durch meine längerfristige Nutzung noch eine Kleinigkeit, die mich am Xiaomi Mi Mix 2 nervt: die App für die Musikwiedergabe. Jene erlaubt mit zwar nach Ordnern zu sortieren, was ich schätze, aber immer wenn ich aus einem Ordner herausgehe, starte ich wieder ganz am Anfang der alphabetischen Liste. Das nervt, wenn man gerne mal zwischen verschiedenen Ordnern springt. Auch kann Xiaomis Player nichts mit M4A-Dateien anfangen. Deswegen musste ich mir nachträglich noch VLC für Android auf das Mi Mix 2 hieven.

Wer übrigens Angst hat, dass das Xiaomi Mi Mix 2 aufgrund seines Designs besonders zerbrechlich sein könnte: Mir ist das Smartphone (in der beiliegenden Schutzhülle) bereits versehentlich zweimal gen Boden gerauscht, ohne dass es dauerhaften Schaden genommen hätte. Klar, vorsichtig sein sollte man natürlich, aber ich habe nicht den Eindruck, dass man das Mi Mix 2 leichter zerdeppert als andere Android-Flaggschiffe.

Fazit

Das Xiaomi Mi Mix 2 ist meiner Meinung nach ein sehr edles Smartphone, das aber auch einige entscheidende Schwächen mitbringt. Die Platzierung der Frontkamera wird mit ihren Macken Selfie-Fans abschrecken. Auch die Hauptkamera entspricht eher der Mittel- als der Oberklasse. MIUI als Oberfläche wird zudem nicht jedermanns Sache sein. Die Notwendigkeit selbst die Global ROM auf das Xiaomi Mi Mix 2 zu flashen, wobei einige Hürden zu nehmen sind, dürfte auch bei einigen Interessenten für ein Ächzen sorgen.

Wenn man das Design des Xiaomi Mi Mix 2 mit seinem „Kinn“ mag, dann erhält man hier aber ein in Preis und Leistung extrem attraktives Android-Smartphone, das zurecht Blicke auf sich ziehen wird. Die elegante Keramikrückseite veredelt das Design dabei. Über die Leistung muss man sich dank des Qualcomm Snapdragon 835 und 6 GByte RAM ebenfalls keinerlei Sorgen machen. Ein weiterer Pluspunkt liegt in der Unterstützung von 43 internationalen LTE-Bändern – inkl. Band 20.

Mein Fazit? Ich nutze das Xiaomi Mi Mix 2 gerne, glaube aber, dass es sich bei mir dann doch nicht so lange als Erstgerät halten wird, wie ich anfangs annahm. Der Hauptgrund ist die enttäuschende Kamera, die mich doch etwas wehmütig an mein LG G6 zurückdenken lässt. Wer aber nicht so der Knipser ist, der wird mit dem Xiaomi Mi Mix 2 viel Spaß haben und das noble Design mit Sicherheit schnell zu schätzen wissen.


Über den Autor:

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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