Xbox One S: Die turbulente Beziehung mit einem PlayStation-Jünger

17. September 2016 Kategorie: Games, Hardware, geschrieben von: André Westphal

xbox one s eckeAm 2. August ist die Microsoft Xbox One S erschienen. Mittlerweile ist die Launch-Edition mit 2 TByte ausverkauft. Es naht aber am 22. September ein neues Bundle mit „Fifa 17“ und 500 GByte für 299 Euro. Damit ist die Xbox One S dann auch der aktuell günstigste Player für Ultra-HD Blu-rays. Überraschenderweise hat Sony hat bei der PlayStation 4 Pro auf ein UHD-Laufwerk verzichtet. In diesem Post will ich euch kurz von meinem Alltag mit der Xbox One S berichten. Als PlayStation-Jünger musste ich mich in vieles eingewöhnen – einiges mag ich und anderes mag ich nicht.

Vielleicht ist dazu meine Konsolen-Biographie interessant: Angefangen habe ich mit dem Nintendo Game Boy, bevor ich mein Geld für ein Super Nintendo zusammenkratzte. Ziemlich fix nach dem Launch stieg ich dann in den 1990ern auf die erste PlayStation um. Ziemlich spät im Lebenszyklus habe ich mir dann viele Jahre später einen GameCube gekauft. Bei Sony landete ich dann wieder 2008, weil die PS3 damals der wohl günstigste Blu-ray-Player gewesen ist. Das war für mich ein wichtiges Kaufargument. Eigentlich war die Konsole an sich also mehr der Bonus. Denn anno 2008 war ich eher PC-Gamer.

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Ich hatte allerdings viel Spaß mit Exklusivtiteln wie „Uncharted“, „Little Big Planet“ oder auch „Ni No Kuni: Wrath of the White Witch“. Da kristallisierte sich dann auch schnell heraus, dass ich mir zum Launch die PlayStation 4 kaufen werde. Die Microsoft Xbox One war für mich nie eine ernsthafte Alternative: Microsofts anfängliche Pläne um Kontenbindung, Online-Zwang und das Verhindern des Weiterverkaufs gebrauchter Spiele, stießen mir sehr sauer auf. Mit Kinect, was anfangs in den Fokus gerückt wurde, konnte ich ebenfalls nichts anfangen. Dazu kamen die GPU-Mehrleistung und der schnellere RAM der PS4, so dass ich nicht lange überlegen musste.

Mittlerweile besitze ich allerdings nun die Neuauflage der Xbox One – die Xbox One S. Es handelt sich um meine allererste Microsoft-Konsole. Nach einigen Wochen Nutzung konnte ich meine Eindrücke von der Konsole erweitern – einiges finde ich klasse, anderes stört mich im direkten Vergleich mit der PlayStation 4. Ich versuche einfach mal die für mich auffälligsten Punkte in Worte zu fassen. Dafür fange ich mit den Aspekten an, die mich gestört haben.

Keine Update-Historie: Genau wie an der PS4 trudeln auch an der Xbox One S nahezu täglich Updates für Spiele und Apps ein. Was mich aber ärgert: Während ich an der PS4 jeweils auch eine Update-Übersicht aufrufen kann, in der mir alle Veränderungen aufgelistet werden, fehlt dies an der Xbox One. Kann ich schwer nachvollziehen, denn die Changelogs finde ich an der PS4 sehr informativ und hilfreich. An Microsofts Konsole tappe ich im Dunklen.

Extrem lange Installationen: Man merkt, dass die Xbox One ursprünglich mit Always-On-Funktionalität im Hintergrund erdacht wurde. Der größte Fehler, den man an der Konsole machen kann, ist bei der Installation eines Games auch direkt das aktuelle Update herunterzuladen. An der PS4 kein Problem: Das Spiel wird erstmal von Disk installiert, dann das Update aufgespielt – super. Stattdessen wurden an der Xbox One bei mir für „Halo: The Master Chief Collection“ erstmal 90 GByte an Daten heruntergeladen. Es dauerte mehr als 10 Stunden, bis das Game dann endlich komplett installiert wurde – das ist schon heftig.

Überfrachtetes Dashboard: Microsoft geht mit seinem aktuellen Dashboard den Weg, der für Websites in den frühen 2000er-Jahren beschritten wurde: An allen Ecken und Kanten Menüs reinkleistern. Links gibt es das Menü mit den zentralen Systemeinstellungen, oben kann man durch einzelne Bereiche wie den Store und die Community scrollen. Und in der Mitte sowie rechts weisen Kacheln auf hervorgehobene Bereiche hin. Dann gibt es auch noch die Pins, um bestimmte Apps griffbereit zu haben. Ganz ehrlich, mir ist das zu überladen. Klar ist es Geschmackssache, aber ich empfinde die ziemlich geradlinig angeordnete Oberfläche der PS4 hier als wesentlich angenehmer.

xbox one s controller

Das sind allerdings auch die drei einzigen, wirklich negativen Punkte, die mich im Alltag mehrfach an der Xbox One S genervt haben. Was hat mir nun im direkten Vergleich mit der PS4 besser gefallen?

Das UHD-Laufwerk: Sony verzichtet selbst bei seiner PlayStation 4 Pro auf ein Laufwerk für Ultra-HD Blu-ray. Das kann ich einerseits nachvollziehen, finde es aber doch irritierend. Auch wenn ich noch keinen entsprechenden TV besitze, so hat Microsoft sich hier definitiv richtig entschieden. Zumal man theoretisch auch an einem 1080p-TV die neuen UHD-Blu-rays ansehen kann – sie werden dann eben herunterskaliert. Inwiefern das sinnvoll ist, darüber kann man sich freilich streiten. Dennoch hat Microsoft hier super vorgelegt und bietet bei der Xbox One S mit den UHD-Fähigkeiten einen Mehrwert, der selbst gegenüber der PS4 Pro erhalten bleibt.

Die Lautstärke: Meine Launch-PS4 ist nicht unbedingt ein Krachmacher. Gerade bei den aktuellen Temperaturen röhrt die Konsole aber durchaus bei längeren Gaming-Sessions hörbar los. Die Xbox One S hingegen höre ich selbst beim mehrstündigen Zocken anspruchsvoller Games wie „Halo 5: Guardians“ überhaupt nicht. Da sind die Lüfter meines Panasonic-Plasmas lauter. Microsoft hat es also geschafft eine effiziente Kühlung zu integrieren und bietet eine wahrlich flüsterleise Konsole. Natürlich kann ich nur von meinem eigenen Gerät ausgehen – die Serienstreuung könnte euch eine andere Erfahrung bescheren. Einzig beim Einlegen eines Films macht sich die Xbox One S etwas bemerkbar, denn das Laufwerk sorgt dann für einen gewissen Geräuschpegel. Alles bleibt aber im vertretbaren Rahmen.

Xbox Games with Gold: Sony, Sony, Sony… Seien wir ehrlich: Was Sony an Gratis-Games bei PlayStation Plus verteilt, ist größtenteils nicht allzu prall. Für mich steht bereits fest, dass ich mein Abonnement dieses Jahr nicht mehr verlängern werde. Es lohnt sich nicht, da ich ohnehin nur extrem selten online zocke. Hier trifft Microsoft offenbar besser meinen Geschmack: In den ersten Monaten waren direkt mit „The Banner Saga 2“, „WWE 2K16“ und „Earthlock: Festival of Magic“ drei Spiele für mich dabei, dir mir mehr geboten haben als PlayStation Plus in drei Jahren. Auch hier gilt, wie beim Dashboard: Das ist bis zu einem gewissen Grad Geschmackssache. Mein Abonnement für Xbox Live Gold würde ich aber nach aktuellem Stand der Dinge definitiv beibehalten.

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Und sonst so? Multiplattform-Titel werde ich mir weiterhin auf der PS4 kaufen – sorry, Microsoft! Der einzige Grund ist die Mehrleistung der PS4. Zuletzt war „Deus Ex: Mankind Divided“ hier ein Beispiel. Läuft auf der Xbox One in 900p und auf der Ps4 mit 1080p. Klar, dass ich mir da die bessere Variante gönne. Was die Controller betrifft, komme ich sowohl mit dem Pad der Xbox One S als auch dem Dual-Shock 4 gut klar.Vielleicht liegt der DualShock 4 eine Nasenlänge vorne. Nach ein paar Wochen Nutzung bin ich da aber gar nicht mehr so sicher wie zu Anfang. Ich denke da spielt auch die Gewöhnung eine große Rolle.

Bereue ich den Kauf der Xbox One S? Auf keinen Fall! Würde ich sie empfehlen? Kommt drauf an, was ihr damit vorhabt. Rein zum Zocken, würde ich immer noch klar die PS4 empfehlen. Wenn es aber um Multimedia im weiteren Sinne geht, liegt die Xbox One S dank des UHD-Laufwerks für mich vorne. Am Ende hat Microsoft bei mir also mit der für mich ersten Xbox einen guten Eindruck hinterlassen. Ich bin gespannt auf die Scorpio und kann mir durchaus vorstellen weiter in Microsofts Ökosystem zu bleiben. Sony möchte ich zwar wegen der Exklusivtitel nicht missen („Spider-Man“!) aber vielleicht fahre ich in Zukunft einfach generell zweigleisig.



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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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