Withings Cardio ausprobiert

12. Juni 2016 Kategorie: Smart Home, geschrieben von: caschy

artikel_withings_cardioDass ich mehr wiege als ich sollte, dass wissen langjährige Leser sicher, alternativ sprechen Fotos auf Twitter, Instagram oder auch Facebook diesen für mich unschönen Fakt aus. Ich bin dauerhaft im Kampf mit mir selber, bin aber keiner, der sich quält, oder Anlässe auslässt, nur um auf die eigene Linie zu achten. Ich ernähre mich frisch und gesund, aber offensichtlich kam in den letzten Jahren mehr Energiezufuhr rein als ich sie verbrauchte. Knapp 10 Kilo habe ich in den letzten sechs Jahren zugenommen. Was sich noch überschaubar anhört, war in der Zwischenzeit höher eingependelt, irgendwann riss ich mal eine Reißleine. Dennoch – es sind halt 6 Kilo mehr als im letzten Jahr, als ich mal über meinen geliebten Feind – Enemy Mine – sprach.

Wer den Beitrag nicht kennt, der kann gerne reinschauen – ist sehr viel Selbstkritik mit drin, aber auch eine Kernaussage. Ich halte nicht viel von der nahenden Quantifizierung des Ichs, ich muss nicht jeden Krempel tracken. Wer das für sich entscheidet – toll – meins ist es halt nicht. Und wenn es das wäre, würde ich auch niemanden missionieren wollen. Und so ist seit Jahren mein geliebter Feind das einzige Werkzeug, welches ich richtig gut finde. Meine Waage von Withings, die meinen Gewichtsverlauf für mich trackt. Das Werkzeug von Withings, welches ich wirklich gut finde – und offenbar der Bereich, in dem noch fleißig entwickelt wird, denn die anderen Smart Home-Lösungen wie Kameras sind in Sachen Software eher naja.

withings

Doch nun hat Withings – mittlerweile von Nokia aufgekauft – die nächste Generation der Waagen am Start. Die habe ich mir mal kurz angeschaut. Die neue Lösung hört auf den Namen Withings Cardio. Die kostet erst einmal 180 Euro und muss sich zu diesem Preis natürlich fragen lassen, was sie denn besonderes können soll. Eine Waage kostet heutzutage nicht mehr die Welt und wer will, der kann sein Gewicht in Apps oder Tabellen einfügen, um Blick über den Verlauf zu haben. Was kann die Withings Cardio denn nun? Sie will mir zeigen, was ich wiege – aber ferner hat man sich das Buzzword „Herzgesundheit“ auf die Fahnen geschrieben. Stellt man sich nämlich auf die Waage, dann wird nicht nur das Gewicht gemessen, sondern auch die Pulswellengeschwindigkeit.

Die Pulswellengeschwindigkeit beschreibt die Geschwindigkeit der vom Herzschlag ausgehenden Vibrationen entlang der Arterienwand. Die PWG gilt als bestmögliches Kriterium zur Beurteilung der Herzgesundheit, ein hoher Wert kann beispielsweise Arterienverhärtung und Bluthochdruck bedeuten.

Neben der Pulswellengeschwindigkeit zeigt sich die neue Waage auch sonst recht auskunftsfreudig, was den Körper angeht. Gewicht und BMI werden von einer Analyse der kompletten Körperzusammensetzung begleitet, man weiß also auch, welchen Anteil Fett, Wasser, Muskeln und Knochen im Körper haben. Auch hier dient die App wieder als Schnittstelle zur Auswertung.

Die Einrichtung der Waage ist schnell erledigt, initial nimmt sie mittels Bluetooth Kontakt und kann dann mit dem WLAN verbunden werden. Schlecht: die Waage will keine 5 GHz-Netze annehmen, ihr müsst sie also mit einem 2,4 GHz-Netz verbinden. (Übrigens: In die Waage gehören keine Batterien, ein Akku ist dran. Aufgeladen werden kann via microUSB-Kabel, welches beiliegt).

Wie auch bei den Vorgängern kann es dann direkt losgehen. Nutzer können sich Profile einrichten und dann auf die Waage stellen. Hier gibt es dann die erwähnten Informationen zu sehen, die dann via WLAN ins Netz und damit an die App gesendet werden.

withings cardio

Diese zeigt sich weiterhin informativ und anpassbar. So lassen sich via App die gewünschten Informationen anzeigen, die da wären: Gewicht, Gewichtsverlauf, Fettmasse, Gesamtkörperwasser, Wetter, Herzfrequenz, Knochenmasse, Muskelmasse und die Schritte. Innerhalb der App lassen sich die anzuzeigenden Informationen frei bewegen, de- oder eben aktivieren. Auch das Einstellen der Waage ist machbar – sie zeigt auf Wunsch sogar die Wettervoraussage an – eine Info, die zumindest ich nicht benötige. Im täglichen Gebrauch zeigte sich die Waage in meinem Fall recht genau. Einmal auf die Waage gestellt, wurden oben erwähnte Werte ermittelt. Innerhalb der App kann man sich dann genau vor Augen führen, wie es um einen bestellt ist.

Mit diesen Informationen habe ich persönlich immer meine Probleme, da die Konstitution eines Menschen halt nicht in wenigen Werten über eine Waage erfassbar ist. Hier muss man sich auch selber anschauen, in sich gehen und die Zahlen für sich bewerten. In meinem Fall sprach die Waage bei den täglichen Messungen von einer verbesserungswürdigen Herzfrequenz. Die Herzfrequenz selber lag zwischen 90 und 99 BPM, ein Bereich, der für Menschen mit nicht ausreichender Bewegung bezeichnend ist. Ein Wert von 50 bis 85 sollte hier als normal angesehen werden.

Die Pulswellengeschwindigkeit wird übrigens erst nach ein paar Tagen der Nutzung korrekt angezeigt, hier nimmt sich Withings die Analyse von fünf Messungen heraus. Der Wert, gemessen in Metern pro Sekunde, wird dann auf dem Dashboard präsentiert. Hier bekommt der Nutzer direkt eine Ansicht, ob er im grünen Bereich liegt. Ein Wert von knapp unter 6 bis knapp über 8 Meter pro Sekunde wird als normal angesehen, ein Weniger ist das Optimum. Mit 6,3 m/s liege ich da im normalen Bereich.

Generell sollte man hier einen Verlauf, nicht aber den Moment beobachten, wenn man schon Wert auf diese Werte legt.

So kann so eine Waage erschreckende Unterschiede präsentieren, wenn man nach dem Sport oder dem Hochflitzen einer Treppe auf sie steigt. Von daher sollte man sich vielleicht an die Tipps für Messungen halten, die die Waage mitgibt. Zur Messgenauigkeit in Sachen Gewicht. Hier hat Withings offenbar nachgearbeitet. Alte Modelle haben einige schlechte Bewertungen erhalten, da sie nicht genau arbeiteten. So beklagten Kunden Gewichtsunterschiede bei Messungen, die nur wenige Augenblicke auseinander lagen. Ich habe zu diesem Zweck über mehrere Tage meine zwei Waagen gleichzeitig betragen. Während mein uraltes Modell teilweise 300 Gramm abweicht, so kommt dies bei der Withings Cardio nicht mehr vor, hier schwankt es um 100 Gramm, wenn überhaupt.

Ein Fazit zur Waage? Kann ich persönlich gar nicht abgeben. Ja, es ist toll, diese Werte präsentiert zu bekommen. Dass man vielleicht ein Gefühl für Informationen abseits des reinen Gewichtes bekommt. Dennoch muss man – unabhängig vom Kaufpreis, der stolze 180 Euro beträgt – einiges bedenken. Die Waage ist kein Arzt, kann aber Tendenzen aufzeigen. Ein regelmäßiger Check bei Menschen, die eh zu Herz- oder Kreislauferkrankungen neigen, ist unersetzlich. Und alle anderen, die einfach nur zu viel Kilos auf die Waage bringen, ist dies auch sicherlich ohne dieses Gadget bewusst. Ich selber nutze gerne eine Waage, die mein Gewicht automatisch in eine App bringt und mir einen Verlauf anzeigt. Das kann unterstützen. Mehr aber auch nicht. Für alles andere bin selber verantwortlich.


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Über den Autor: caschy

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