Wikipedia: 100 Millionen-Dollar-Fonds soll bei Modernisierung der Plattform helfen

18. Januar 2016 Kategorie: Internet, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_wikipediaSeit nunmehr 15 Jahren gibt es Wikipedia – die freie Enzyklopädie. Anfangs belächelt, auch was die Richtigkeit der Inhalte angeht, hat sich Wikipedia im Laufe der Jahre zu dem Nachschlagewerk schlechthin entwickelt. Die Wikimedia Foundation, Betreiber von Wikipedia, hat nun einen „permanenten Rücklagen-Fonds“ ins Leben gerufen, der Wikipedia in den nächsten 10 Jahren mit 100 Millionen Dollar absichern möchte. Auf die jährlichen Spendenaufrufe möchte Wikipedia dennoch nicht verzichten, wohl gibt es aber die Möglichkeit, dass die Aufrufe reduziert werden. Aber auch neue Wege möchte Wikipedia gehen, als dringend wird eine mobile Kompatibilität und neue Transportwege für Inhalte angesehen.

Es klingt logisch, das Internet verändert sich, nicht nur wird zu jeder Zeit und von jedem Ort auf das Netz zugegriffen, auch der Konsum der Inhalte wandelt sich, ebenso wie die Nutzerschaft. Es gibt jeden Tag neue Internetnutzer, viele nutzen das weltweite Netz erstmalig auf einem Smartphone, weil es eine günstige Möglichkeit bietet oder gar die einzige Möglichkeit ist, das es an Infrastruktur mangelt. Auch für diese Nutzer möchte Wikipedia zur Anlaufstelle werden. Eigentlich noch viel mehr, denn natürlich wäre es super, wenn diese Menschen direkt noch an Wikipedia mitarbeiten würden, immerhin handelt es sich um eines der größten Crowdsourcing-Projekte, die die Menschheit bisher gesehen hat.

wikipedia_logo

Wikipedia wurde seinerzeit komplett auf Desktop-Nutzung ausgelegt. Zwar lassen sich Text und Bilder auch mobil anzeigen, die Bearbeitung von Artikeln ist aber eine Angelegenheit für den PC, an Mobile hat vor 15 Jahren noch keiner gedacht. Das soll sich ändern, denn auch die Menschen, die das Internet nur mobil nutzen, sollen Teil von Wikipedia sein. Dementsprechend wird man nicht nur dafür sorgen, dass die mobile Nutzung in Sachen Lesen optimiert wird, sondern es auch per Smartphone unkompliziert möglich sein wird, Wikipedia-Inhalte zu editieren.

Auch die Nutzung des Internets hat sich in den letzten 15 Jahren verändert und wird dies auch in den nächsten 15 Jahren machen. Heute sind Videoinhalte der große Trend, Informationen werden nicht mehr gelesen, sondern von dem Nutzer sympathischen Typen transportiert. Auf lange Sicht gesehen könnte dies ein Problem werden, für das Wikipedia aktuell auch noch keine wirkliche Lösung hat. Man wird den Trends nicht hinterher rennen, erklärt Wikipedia Co-Gründer Jimmy Wales. Wikipedia wird weiterhin hauptsächlich aus Text und Bildern bestehen, nicht zur Videoplattform mutieren. Dennoch soll es multimedialer werden, die Herausforderung liegt darin, den Nutzer nicht nur lesend, sondern auch mitmachend zu motivieren, denn davon lebt Wikipedia nun einmal.

Mit den neuen Geldern soll die fortwährende Unabhängigkeit sichergestellt werden, zum Teil soll es auch den Druck nehmen, auf Spenden der Masse für den Erhalt angewiesen zu sein. Wie groß Wikipedia ist, sieht man bereits an ein paar wenigen Zahlen. 80.000 Freiwillige editieren pro Stunde 15.000 Einträge und erstellen 7.000 neue. Dabei wird auch aufgepasst, dass Informationen nicht nur einseitig aus „westlicher Sicht“ dargestellt werden. Wikipedia ist ein Platz für jeden und von jedem, das soll auch in Zukunft so bleiben.

Wie schnell es gehen kann, wenn man einen Trend verschläft, zeigen jedoch die Vorgänger von Wikipedia. Enzyklopädien in gedruckter Form, später dann auf Datenträgern. Sei es Brockhaus oder Microsoft Encarta, keiner ist heute im Vergleich zu Wikipedia mehr relevant. Um ein solches Schicksal zu vermeiden, kann eine längerfristige Planungssicherheit sehr wichtig sein. Diese sollte nun gegeben sein, auch wenn sie weiterhin nicht der Weisheit letzter Schluss ist, wie Lisa Gruwell (Chief Advancement Officer, Wikimedia Foundation) anmerkt. Das neue Finanzierungsmodell sei zwar gut, aber es ist nichts, worauf man für immer zählen kann.

(Quelle: The Guardian)

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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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