WhatsApp: kritische Rezensionen im Google Play Store verschwinden

11. September 2014 Kategorie: Android, iOS, Mobile, Social Network, geschrieben von: Sascha Ostermaier

WhatsApp ist eine der beliebtesten Apps im Google Play Store, zumindest, wenn man sich die Downloadzahlen anschaut. Zwischen 500 Millionen und 1 Milliarde Downloads stehen auf dem Ticker, die App wurde fast 18 Millionen Mal bewertet und über fast 12 Millionen Mal über Google+ empfohlen. Die durchschnittliche Bewertung liegt aktuell bei 4,4 (von 5) Sternen. Alles super? Nein. Die durchschnittliche Bewertung würde in der Realität wohl anders aussehen, wenn WhatsApp nicht einfach unliebsame Bewertungen löschen würde.

WhatsApp_Zensur

Unser Leser Helix hat uns darauf hingewiesen, dass er bereits 3 Bewertungen (wohl negativ) abgegeben habe und zwei bereits gelöscht seien. Walter schickte uns eine Mail mit einem Hinweis auf das offizielle Threema-Forum, wo dieser Umstand der Löschungen von negativen WhatsApp-Rezensionen ebenfalls thematisiert wird.

Als Entwickler Rezensionen löschen zu können ist richtig und wichtig, schließlich sollen die Rezensionen eine Hilfe bei der Entscheidung sein, ob man sich eine App herunterlädt oder nicht. Wie immer ist das „wie“ das Entscheidende. Dass man als Entwickler geneigt ist, negative Rezensionen vermeiden zu wollen, ist logisch. Google gibt Entwicklern die Möglichkeit, auf Rezensionen zu antworten, man kann also nicht direkt löschen, sondern auf eventuell unberechtigte Vorwürfe reagieren. Das macht WhatsApp anscheinend nicht. Stattdessen müssten die gelöschten Kommentare als Spam markiert worden sein oder ein anderweitiger Antrag an Google gestellt werden.

Aber – und auch das sollte man nicht außer Acht lassen – WhatsApp ist damit nicht allein und auch der Google Play Store ist nicht alleine betroffen. In Apples App Store kann ebenfalls gelöscht werden, dort aber nicht so einfach, wie es im Play Store der Fall ist. Daraus resultieren auch die stark schwankenden Bewertungen mancher Apps in den beiden Stores. Swarm oder Dungeon Keeper sind hier gute Beispiele. Die beiden Apps haben unglaublich schlechte Bewertungen im App Store, aber einigermaßen normale Bewertungen im Google Play Store.

Im Fall von WhatsApp scheinen die Auswahlkriterien für eine Löschung relativ willkürlich zu sein. Wie im Threema-Forum berichtet wird, werden auch völlig neutrale, sachliche Rezensionen gelöscht, wenn diese negativ sind, also nicht nur solche, die in der Rezension auf Alternativen verweisen oder sich über die Übernahme durch Facebook auslassen.

Falls Ihr einmal eine negative Bewertung im Google Play Store über WhatsApp hinterlassen habt, schaut doch einmal nach, ob diese noch existent ist.

Update: Rezensionen können nicht direkt vom Entwickler gelöscht werden, es ist nur noch ein Antworten möglich. Allerdings kann man jede Rezension als Spam melden und diese verschwindet dann dementsprechend zeitnah. Inwieweit Google vor einer Entfernung überprüft, ob die Spam-Markierung in Ordnung geht, ist nicht bekannt. Da es sich um das Verschwinden unliebsamer Rezensionen handelt, kann man wohl dennoch davon ausgehen, dass hier keine WhatsApp-Fans auf den Spam-Button klicken, sondern das schon gezielt eingesetzt wird. (Danke an Leif für seine Kommentare!)

Update 2: Frank B., der Ersteller des Forum-Threads bei Threema hat sich bei uns gemeldet. Er hat eine solche Löschung protokolliert. Wie Ihr auf dem linken Screenshot sehen könnt, ist die Rezension zwar durchaus sachlich, erwähnt aber auch eine Alternative und kommentiert nicht nur WhatsApp, sondern eben auch die Übernahme durch Facebook. Diese 1-Stern-Rezension wurde nach 13 Minuten wieder gelöscht. Nach Google-Richtlinien vielleicht sogar vertretbar, aber dennoch interessant, wie schnell dies auch geschieht.

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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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