Werbung vernetzt Geräte über unhörbare Akustiksignale

14. November 2015 Kategorie: Backup & Security, Internet, Software & Co, geschrieben von: André Westphal

sad KopieAktuell ist bekannt geworden, dass manche Werbemacher mittlerweile findige Ideen verwenden, um Nutzerdaten zu erfassen und fürs Marketing fruchtbar zu machen. An sich klingt das Prinzip nach einer wirren Verschwörungstheorie, soll aber laut Ars Technica bereits in der Praxis im Einsatz sein: In TV-Werbespots bzw. Online-Videos seien Töne im Ultraschall-Bereich eingebunden, welche zwar durch das menschliche Ohr nicht wahrgenommen, dafür aber über Mikrofone in beispielsweise Smartphones / Tablets. Sind passende Browser-Cookies gesetzt, kann es dazu kommen, dass die Geräte vernetzt und einem User zugeordnet werden.

Doch wozu veranstaltet man so ein ungewöhnliches Brimborium? Nun, geht der Plan auf, weiß man über den Tracking-Cookie und weitere Software nun auch, welche Werbespots der jeweilige User am TV konsumiert und sogar wie lange er sich den Clip angesehen hat ohne umzuschalten. Infolge ist sogar möglich zu erkennen, ob der Anwender als Reaktion auf den Spot danach eine Websuche nach den gezeigten Produkten startet. Klar, dass das für die Werbeindustrie hochinteressante Daten sind.

Datenschützer in den USA sind von diesen Informationen freilich schockiert. Montag veranstaltet die Federal Trade Commission (FTC) daher einen Workshop,um die Techniken des Cross-Device-Trackings zu diskutieren. Federführend bei derartigen Techniken sind insgesamt SilverPush, Drawbridge, Flurry und Adobe. SilverPush bezeichnet sich dabei selbst als Marktführer im Bereich für das Tracking mit der Hilfe der Audiosignale. Natürlich funktioniert das Prinzip aber nur, wenn der jeweilige User am mobilen Endgerät die Audiosignale auffängt – dafür muss ein passendes SDK installiert sein, das SilverPush den Nutzern am liebsten unbemerkt unterjubelt.

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Demnach sei das SDK bereits Teil etlicher Apps – welche das sind, will SilverPush aber nicht öffentlich preisgeben. Somit könnten auch viele von euch bereits SilverPush gewünschte Daten liefern, ohne es zu ahnen. SilverPush verrät lediglich offiziell, dass seine Software in rund 67 Apps zum Einsatz komme und auf ca. 18 Mio. Smartphones Daten erhebe. Dass es bisher wenig öffentliche Diskussion zum Cross-Device-Tracking mit der Hilfe von akustischen Signalen gibt, liegt daran, dass die Werbeindustrie die Techniken selbstredend gerne unbesehen weiter benutzen möchte.

Das Problem ist aus Nutzer- und Datenschützer-Sicht, dass man keine Möglichkeit hat bewusst ein Opt-Out durchzuführen bzw. gar nicht weiß, ob man schon über unterschiedliche Geräte vernetzte Daten an die Werbemacher liefert. Man darf gespannt sein, wie die Story weitergeht oder ob es der Werbeindustrie gelingt das Thema weiterhin aus dem Fokus der Aufmerksamkeit zu halten.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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