Weil es falsch genutzt wird: Netflix möchte 5-Sterne-Bewertungssystem abschaffen

12. Januar 2016 Kategorie: Internet, Streaming, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_netflixEin 5 Sterne-Bewertungssystem, wie wir es seit Jahren für alle möglichen Bewertungen nutzen, ist nicht gut genug für Netflix. Das sagte Netflix CPO Neil Hunt gegenüber Business Insider aus. Das Problem sei dabei aber nicht etwa das System an sich, das generell schon anders funktioniert als andere Bewertungssysteme, sondern der Nutzer, der sich plötzlich zum objektiven Filmkritiker berufen fühlt. Aktuell funktioniert das Bewertungssystem bei Netflix so, dass Nutzer nur Bewertungen von ähnlichen Nutzern, also solchen, die ähnliche Inhalte konsumieren, angezeigt werden.

Aus diesem Grund ist es möglich, dass Filme oder Serien, die man gerne sehen würde, die aber – objektiv gesehen – nicht gerade Perlen der Filmkunst sind, schlechte Bewertungen durch Nutzer erhalten, weil diese genau wissen, dass ein Inhalt keine Meisterleistung ist. Aber ein schlecht gemachter Film heißt noch lange nicht, dass einem dieser nicht gefallen würde. Durch das Bewertungssystem wird so eventuell verhindert, dass man diese Inhalte dann selbst schaut.

netflix guthabenkarte

Einen Adam Sandler Film, The Ridiculous Six, zieht Hunt als Beispiel heran. Dieser hatte den besten Start bei Netflix, den ein Film jemals hatte. Gemessen an den Stunden, die der Film geschaut wurde. Die Bewertungen sind aber eher schlecht, was jemanden, der den Film noch nicht gesehen hat, vom Schauen abhalten könnte, obwohl der Film trotzdem sehr beliebt ist.

Die Spanne zwischen „der Film ist schlecht gemacht“ und „mir hat der Film trotzdem gefallen“ wird in dem Sterne-System nicht berücksichtigt, da der Nutzer einen Inhalt objektiv bewerten möchte. Hier möchte Netflix künftig ansetzen, eher auf ein „Like / Dislike“-System zu gehen. Auch sei eine prozentuale Bewertung möglich. Man wird aber wohl auch künftig daran festhalten, Bewertungen „ähnlicher“ Nutzer zu bündeln.

Letztendlich möchte Netflix mit einem neuen Bewertungssystem nur dafür sorgen, dass Nutzer noch bessere auf sie zugeschnittene Bewertungen erhalten, egal ob sie an „gut gemachten“ oder einfach nur „unterhaltsamen“ Filmen interessiert sind. Der Nutzer soll den Film nicht objektiv bewerten, sondern danach, ob er ihm persönlich gefallen hat und sei er objektiv gesehen noch so schlecht.

Wann ein neues Bewertungssystem kommen wird, dazu äußerte sich Neil Hunt nicht. Wie wir wissen, werden neue Features zuerst mit Neukunden getestet, vielleicht taucht da ja schon bald ein neuer Bewertungsmechanismus auf. Ich muss gestehen, dass ich die Bewertungen bei Netflix auch nicht immer nachvollziehen kann, aber ich lasse mich von diesen bei der Auswahl auch nicht beeindrucken, weil sie meistens wirklich eher niedrig sind. Theoretisch sollte das dann mit dem neuen System besser aussehen.

Wie bewertet Ihr Inhalte bei den Streamingdiensten? Versucht Ihr ebenfalls, neutral zu bewerten oder ist das eine aus dem Bauch heraus Entscheidung, wenn Euch ein Film subjektiv gefallen oder nicht gefallen hat?



Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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19 Kommentare

Patrick 12. Januar 2016 um 12:09 Uhr

Korrigiert mich, falls ich das falsch verstanden habe:

Netflix packt die Bewertungen von ähnlichen Nutzern zusammen, sagen wir mal, die alle Tatort scheiße finden überspitzt gesagt, und beklagt sich dann, dass das nicht objektiv ist?

LOL.

Achwas, sagt bloß. Hör mir auf.

Mein erster Gedanke war ja, dass Netflix die Nutzer nach Offline-Nutzung nun auch noch zu dumm für Bewertungen hält.

Oliver 12. Januar 2016 um 12:10 Uhr

Bewertungssysteme erzeugen bei vielen Usern den Wunsch nach Einordnung und Orientierung. Jeder kennt das von Amazon, wo man Produkte präferiert, die 4 Sterne + haben und automatisch Skepsis überwiegt, wenn es weniger sind.

Bei Filmen kommt zur Qualität eines Produktes noch der Geschmack hinzu, der nun einmal äußerst subjektiv ist. Während ich gerne einmal eine alten Steve McQueen Film schaue, würde meine Freundin den am besten gleich aus allen Listen streichen. Insofern ist das System, nur Bewertungen von Nutzern mit ähnlichen Vorlieben zu werten, schon recht ausgeklügelt.

Dazu könnte ich mir aber weitere Aspekte vorstellen. Etwa ob ein Film auch zu Ende gesehen wird oder am Stück gesehen wird. Netflix kennt ja nicht nur den Film und was wir davon halten, sondern auch, wie wir ihn gesehen haben. Spannende Filme wird man eher selten unter- oder sogar abbrechen. Auch wann ein Film gesehen wird, ist wichtig. So wäre interessant, was User abends um 22 Uhr einschalten oder lieber Sonntagnachmittag.

Hier sind noch viele Möglichkeiten offen, die die Anbieter nutzen können. Das Wichtigste aber sind gute und aktuelle Filme. Mittlerweile bleibe ich bei Netflix nur noch selten wirklich hängen, weil das Filmangebot teilweise sehr krude und alt ist. Wer einen Actioner für zwischendurch sehen will, der bekommt häufig nur B-Movies oder uralte Durchschnittsfilme.

Klar, Klassiker gibt es auch, aber die kennt man meist schon in- und auswendig.

Christopher 12. Januar 2016 um 12:21 Uhr

Diese ganzen Bewertungssysteme sind doch fragwürdig. Es gibt ja auch noch den Impuls: „Was, dieser Film hat im Durchschnitt eine 4-Sterne-Wertung? Dann gebe ich 0 um das zu korrigieren.“ Obwohl man ihm sonst vielleicht 2 gegeben hätte. Und natürlich das Gegenteil davon. Weil man nun mal seine eigene Meinung im Ergebnis reflektiert sehen möchte. D.h. entweder muss man das Bewertungssystem viel komplexer machen, mit einem richtigen Fragebogen, oder es eben wirklich auf like/dislike reduzieren.

Nico 12. Januar 2016 um 12:21 Uhr

Ich habe bei Netflix schon länger keine Sternenewertungen mehr, sondern ein Like-/Dislikessystem. Basierend auf meinen Likes werden mir bei anderen Titeln darauf eine prozentuale Übereinstimmung mit meinen Likes angezeigt. Aber bei den Rezensionen hat sich bei mir nichts geändert, dort hab ich immer noch das Sternesystem.

Benjamin Wagener 12. Januar 2016 um 12:25 Uhr

Bei Amazon finde ich es nervig, dass VoD-Gucker und auch viele Bewertungen von Kino-Guckern mit denen der optischen Medien gemischt wird. Die Bewertung einer DVD/Blu-ray ist für mich noch einmal eine andere Sache als nur den reinen Film. Denn bei der DVD/Blu-ray bewertet man noch die Verpackung und die Ausstattungsextras und eventuell auch die Aufnahme- und Tonqualität des enthaltenen Film mit. Das sollte meines Erachtens stärker getrennt werden. Denn sonst kommt es halt vor, dass eine Alien-Antology total top bewertet wird, wegen der guten Filme, aber dann in der bestimmten Version dann wieder doch der letzte Müll ist, weil die enthaltenen DVDs so gestapelt sind, dass sie teilweise schon zerkratzt und unnutzbar sind, bevor man sie auch nur einmal geschaut hat.

Johannes I. (@Itzolino) 12. Januar 2016 um 12:27 Uhr

Mir ist auch schon aufgefallen, dass es viele sehr gute Filme mit schlechten Bewertungen gibt. Habe mich immer gefragt warum und mittlerweile achte ich deshalb eh schon gar nicht mehr darauf…

Erik 12. Januar 2016 um 12:45 Uhr

@Patrick,

„Mein erster Gedanke war ja, dass Netflix die Nutzer nach Offline-Nutzung nun auch noch zu dumm für Bewertungen hält.“

>> Na ja, allein der Inhalt der Kritik scheint ja für manche hier schon zu komplex zu sein.. 😉

„Korrigiert mich, falls ich das falsch verstanden habe“

>> Der Punkt ist der, dass Nutzer versuchen „objektiv“ zu bewerten und nicht einfach angeben ob ihnen ein Film gefallen hat oder nicht. Letzteres ist das durch Netflix gewünschte Verhalten.

hastmeinwort 12. Januar 2016 um 12:45 Uhr

The Ridiculous Six hatte den besten Start bei Netflix, den je ein Film hatte?
Oh Mann… kaum vorstellbar, der größte Mist, den ich seit langem abgeschaltet habe. Wenn der scheiss Bewertungen hat, dann aber mehr als verdient, kein Mensch mit nem Anflug von Restintelligenz kann den länger als 30 Minuten aushalten.
Alles darüber hinaus wäre Folter 😛

Patrick 12. Januar 2016 um 12:48 Uhr

@Benjamin Wagner: dem stimme ich zu, deswegen versuche ich grundsätzlich über andere Informationskanäle die Informationen zu beschaffen. Ich gucke zum Beispiel gerne Anime und kaufe mir entsprechend auch gerne die Blu-ray der deutschen Publisher. Oft bekommt eine Serie dann aber wegen „beinahe Fanatismus“ 1 oder zwei Sterne wel der Person die Synchronisation gefällt, obwohl die Serie Top ist und in meinen Augen und Ohren auch die Synchronisation.

Ich habe das Gefühl das diese Berwertungssterne eher ein Mittel geworden sind, um das Unzufriedenheitsgefühl vieler gesellschaftlicher Mitbürger zu kompensieren (im Apple Store findest meistens ja auch nur noch Mist in den Rezessionen, etwa „…stürzt ab, ist sch****“)

Marie-Luise Orland (Schokohamster) 12. Januar 2016 um 12:52 Uhr

Fand das system schon immer komisch. ich wollte mal wissen warum ein film so bewertet wurde wie er bewertet wurde. wusste aber nicht, dass es keine kommentare dazu gibt. hab also auf die sterne geklickt und musste dann feststellen, dass ich damit den film bewerte, den ich ja noch gar nicht gesehen hab. Leider fand ich auch nix um die bewertung rückgängig zu machen.
Das hat mich geärgert.

Für mich spielen bei einer Bewertung auch mehr dinge rein als bloß mag ich / mag ich nicht.
Das ist natürlich auch ein wichtiger punkt. man wenn wir bewerten versuchen es eben viele möglichst objektiv. eben wie tiefgängig und plausibel war die story, wie waren die texte und wie gut waren die schauspieler, hat es einen gefesselt oder nicht.
vor allem, wenn einem selsbt der film nicht gefallen hat vrsucht man zu reflektieren was einem nicht gefallen hat und bewertet dann möglichst objekt. wenn man einfach nur die story nicht mochte, gibt man dem film tendenziell eine bessere bewertung als, wenn texte und schauspieler schlecht waren und die story unplausibel.
wenn einem der film aber gefallen hat, denkt man oft weniger objektiv darüber nach, außer es viel einem etwas störend auf.

die meisten menschen versuchen fair zu bewerten und desswegen lese ich gerne die kommentare um zu wissen warum bewertet wurde wie bewertet wurde, denn die einzelnen bewertungskriterien haben ja auch für jeden eine andere gewichtung.

Oink 12. Januar 2016 um 13:04 Uhr

Eine einzige Bewertungsquelle finde ich sowieso nicht immer ausreichend. Oft schau ich dann noch auf diversen Plattformen wie Letterboxd, Imdb etc. nach wie es dort um den Film so steht. Man müsste sowas einbinden können.

Bart 12. Januar 2016 um 13:05 Uhr

Ich habe mich schon gewundert wieso ich letztens mit Daumen rauf/runter am PC bewerten dürfte. Am Handy habe ich noch die Sterne

Fraggle 12. Januar 2016 um 13:11 Uhr

Einfach nur Sterne oder Daumen hoch/runter reicht nicht. Gruppieren nach Nutzern ist auch nicht gut. Eigentlich ist das Amazonsystem nicht schlecht. Sofern man die Kommentare liest. Und auch das Bewerten der Kommentare, also ob die Bewertung hilfreich war oder nicht.

Malte 12. Januar 2016 um 14:38 Uhr

Wo man Filmbewertungen NICHT nachschauen sollte ist IMDB. Die Seite ist schlimmer als 4chan. Die Boards sollte man meiden wie die Pest!

Dirk 12. Januar 2016 um 14:38 Uhr

wäre da ändern nicht angemessener als abschaffen in der überschrift, also weniger reisserisch ?

Sascha Ostermaier 12. Januar 2016 um 16:21 Uhr

@Dirk: Warum? Auf die Sterne-Bewertung soll doch verzichtet werden, was wäre da passender als abschaffen? Ich weiß nicht, was das Gemecker über angeblich reißerische Überschriften – nicht nur von Dir – aktuell soll. Anscheinend können ja viele geilere Überschriften gestalten, kann man die auch irgendwo lesen?

Julian 12. Januar 2016 um 16:27 Uhr

finde ich eine gute Idee, heraus kommt ein einfacherer Bewertungsvorgang für den User und eine Punktzahl ähnlich der von RottenTomatoes („X% Kritiker mögen den Film“, alles über x% ist fresh, alles darunter rotten).

Julian Keup 13. Januar 2016 um 12:28 Uhr

Ich fand die fünf Sterne immer schon uu grobkörnig. Ich weiß genau, dass ich Film (Serie) A noch eine Kleinigkeit besser finde als Film B. Aber das rechtfertigt meistens nicht den Sprung auf einen weiteren Stern. Netflix sollte meiner Meinung nach das System sogar auf 10 Sterne ausbauen, oder noch besser die Bewertung per Prozentzahl (also 1 bis 100 Prozent) ausbauen. Der absolut beste Film aller Zeiten stände dann für 100 und Sharknado für 1.

Kim 17. Januar 2016 um 19:21 Uhr

Ich finde es aber gut. Ab und zu schaue ich mir Filme mit 2 Sternen an und den Film finde ich tatsächlich schlecht :O


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