VZBV: Viele Haushaltsgeräte saugen mehr Strom als angegeben

22. März 2016 Kategorie: Hardware, Smart Home, geschrieben von: André Westphal

vzbvDer Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) ist gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) innerhalb einer Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass fast jedes fünfte Haushaltsgerät mehr Strom benötigt, als von den Herstellern offiziell angegeben. Das hat man im EU-geförderten Projekt „MarktChecker“ herausgefunden. Im Rahmen der Untersuchung testete man 100 Haushaltsgeräte – 18 verbrauchten deutlich mehr Strom als angegeben. Teilweise benötigten die Geräte sogar bis zu 30 % mehr Strom, als die jeweiligen Unternehmen behaupteten.

Im Rahmen der Aktion „MarktChecker“ testete man Geräte aus 20 Haushaltsgerätegruppen wie Kühlschränke, Lampen und Staubsauger. Von den Ergebnissen zeigt sich der Verbraucherzentrale Bundesverband naturgemäß wenig angetan. Durch Produkte, die falsch gekennzeichnet seien und gesetzliche Vorgaben zum Energieverbrauch missachteten, gingen Haushalten in der EU laut VZBV jährlich mehr als zehn Mrd. Euro an potentiellen Einsparungen verloren.

BUND-Energieexperte Robert Pörschmann findet für die Hersteller harte Worte: „Durch die schrittweise Umsetzung der Ökodesign-Standards und der EU-Energieverbrauchskennzeichnung könnte jeder Haushalt in der EU ab 2020 jährlich durchschnittlich 465 Euro Stromkosten sparen. Voraussetzung wäre, dass Haushaltsprodukte mindestens die Effizienz erreichen, mit der die Hersteller werben. Die Verbraucher werden sonst an der Nase herumgeführt, Geld und Energie werden unnötig vergeudet und das Klima wird belastet.

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VZBV und BUND wünschen sich nun eine bessere Kontrolle der Unternehmen. Speziell bei Geräten mit Wi-Fi- / Smart-Home-Funktionen wich der tatsächliche Stromverbrauch besonders häufig von den angegebenen Werten ab. Ebenfalls konnte man besonders häufig fehlerhafte Angaben zum Stromverbrauch im Standby-Betrieb feststellen. Bei drei Digitalradios fiel der Standby-Verbrauch beispielsweise jeweils doppelt bis dreifach so hoch aus, wie eigentlich in der EU erlaubt. Bei einem Wasserkocher mit Wi-Fi-Schnittstelle war es hingegen z. B. unmöglich, die Wi-Fi-Funktion entgegen der Herstellerangaben zu deaktivieren.

Allerdings räumen VZBV und BUND ein, dass die Ergebnisse nicht unbedingt den gesamten Markt widerspiegeln: Denn untersucht wurden vorwiegend ganz gezielt Produkte, zu denen Hinweise von Verbrauchern und Behörden eingegangen waren. Auch Ergebnisse aus vorherigen Projekten flossen in den „MarktChecker“ ein. Daher beruhen die Ergebnisse auf Stichproben. Angesichts der Tatsache, dass sich aber ermitteln ließ, dass viele Produkte und Hersteller sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben halten bzw. auf den Verpackungen und Produktdatenblättern falsche Angaben machten, seien laut VZB aber weitere Untersuchungen sinnvoll.

Durchgeführt wurde das Projekt „MarktChecker“ über einen Zeitraum von drei Jahren und durch das EU-Programm „Intelligente Energie – Europa“ mitfinanziert. Wer sich nun fragt, warum man stolze drei Jahre gebraucht hat, um den Stromverbrauch von 100 Produkten zu überprüfen: Laut VZBV habe man die Produkte nicht einmalig an die Steckdose gehängt, sondern „Produkttests durch unabhängige und akkreditierte Laboren unter Einhaltung gängiger Standards und Prüfverfahren“ durchführen lassen.

Ich selbst bin kein großer Fan der Regulierungsfreude der EU-Behörden, trotzdem sollten die Hersteller sich wiederum an gültige Gesetze halten und korrekte Angaben auf den Verpackungen machen. Man darf gespannt sein, wie der Verbraucherzentrale Bundesverband nun weiter vorgeht.


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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

André hat bereits 1951 Artikel geschrieben.