Virtual Reality aus China: Konkurrenz zur Samsung Gear VR für 30 US-Dollar

29. Dezember 2015 Kategorie: Android, Hardware, Mobile, geschrieben von: André Westphal

firesvr jidome thumbVirtual Reality ist derzeit in aller Munde, wenn auch nicht immer im positiven Sinne: Während die PR- und Marketingabteilungen der Hersteller den Hype ankurbeln, vermuten einige Analysten wiederum, dass VR bestenfalls ähnlich stereoskopischem 3D eine Nische am Markt besetzen werde. Das hindert neue Player allerdings nicht am Einstieg. So will es nun auch das chinesische Unternehmen FiresVR wissen. Der Hersteller plant ein VR-Headset für mobile Endgeräte, das mit einem besonders günstigen Preis besticht.

So kostet das Development Kit des VR-Headsets JiDome-1 umgerechnet weniger als 30 Euro. Das Konzept ähnelt der Samsung Gear VR, denn es wird ein Smartphone als Bildschirm eingespannt. Wo das Gear VR allerdings nur zu ausgewählten Samsung-Smartphones kompatibel ist, soll das JiDome-1 eine breite Palette an Android-Smartphones unterstützen. Passend zu seinem Headset hat FiresVR auch ein SDK auf Unity-Basis sowie eine eigene Benutzeroberfläche vorgestellt.

Reichlich hochtrabend bezeichnet sich das Unternehmen aber schon jetzt als „Xiaomi der chinesischen VR-Industrie“. Immerhin ist FiresVR aber einer der ersten chinesischen Hersteller mit einem derartigen VR-Gerät – bisherige Produkte waren in der Regel Abwandlungen von Google Cardboard. In das JiDome-1 sind eine Halterung für Smartphones, ein Gyroskop mit neun Achsen, ein Näherungssensor, Interaktions-Buttons sowie ein Kühlungssystem integriert.

firesvr jidome

Für Entwickler soll das Dev-Kit ab dem ersten Quartal 2016 zur Verfügung stehen. Der Preis beträgt etwas weniger als 30 Euro. Privatkunden sollen nach dem aktuellen Plan ab dem zweiten Quartal zum FireVR JiDome-1 greifen können. Der finale Preis für den Massenmarkt ist jedoch noch offen.

Auch wenn man bei derartigen Geräten aus China grundsätzlich etwas skeptisch sein sollte, solange man die Qualität noch nicht in Augenschein nehmen konnte, wirkt das Konzept vielversprechend. Zumal sich der Gründer und CEO, Frank Lou, entgegen der vollmundigen Selbstbeschreibung „Das Xiaomi der VR-Industrie“ zu sein, recht selbstkritisch gibt: So komme JiDome-1 in der Qualität laut Lou sehr nahe an Samsungs deutlich teureres Gear VR heran, benötige aber in Zukunft noch die Unterstützung der Hersteller von Smartphones. Auch an der Benutzererfahrung müsse man noch schrauben. Dafür verbuche man für sich langfristig den Vorteil einer potentiell breiteren Kompatibilität zu weiteren Android-Smartphones.

Langfristig wird FiresVR mit seinem JiDome-1 eben Partnerschaften zu konkreten Smartphone-Herstellern benötigen, um sich durchzusetzen. Das VR-Headset nutzt ähnlich wie das Samsung Gear VR einen ATW-Algorithmus, den nicht alle Android-Smartphones unterstützen. Kompatible Geräte benötigen GPUs mit OpenGL ES 3.0 oder höher und mindestens die Grafikleistung einer Qualcomm Adreno 301, die etwa im Snapdragon 801 steckt. 2016 sollen ca. 50 % der Smartphones diesen Anforderungen gerecht werden.

An sich muss man also erstmal abwarten: Vor allem ist an der ganzen Sache interessant, dass jetzt auch erste chinesische Hersteller auf den VR-Zug aufspringen und eigene Produkte entwickeln. Das deutet für die Zukunft günstige und womöglich auch qualitativ solide Produkte an. Die Hürde ist eben die Kompatibilität, welche ja auch bei Samsungs Gear VR ein Hindernis darstellt, da das Virtual-Reality-Headset eben nur mit wenigen High-End-Smartphones aus eigenem Hause funktioniert. Aber seien wir gespannt, wie FiresVR und sein JiDome-1 sich in Zukunft am Markt so machen.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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