Verbraucherzentrale Bundesverband verklagt O2 wegen EU-Roaming

7. August 2017 Kategorie: Internet, Mobile, geschrieben von: André Westphal

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (Vzbv) will O2 verklagen: Als Begründung nennt die Organisation, dass die Umstellung auf kostenloses EU-Roaming durch die Provider automatisch vorgenommen werden müsse – nicht erst manuell durch die Verbraucher. O2 stelle aber laut Vzbv Kunden eben nicht von alleine um, sondern erlasse die eigentlich abgeschafften Mehrkosten nur, wenn der Kunde selbst eine SMS an den Anbieter sende. Genau dagegen will der Vzbv nun per Gericht vorgehen.

Schon seit dem 15. Juni 2017 dürfen keine zusätzlichen Kosten mehr für Gespräche und Nachrichten aus dem EU-Ausland nach Deutschland erhoben werden. Seid ihr also mit eurem deutschen Mobilfunkvertrag in der EU unterwegs, bleiben für euch die Kosten immer gleich. Zumindest lautet so die Theorie. O2 richte sich laut Vzbv aber nicht danach: „EU-Roaming gilt aus Sicht des Vzbv automatisch und nicht erst, wenn Verbraucher ihren Telefonanbieter darum bitten. Wir sehen uns darin durch öffentliche Erklärungen der Europäischen Kommission bestätigt„, erklärt Heiko Dünkel, Rechtsreferent beim vzbv. O2 hatte man wegen der aktuellen Praxis des Mobilfunkanbieters deswegen bereits abgemahnt – ohne Erfolg. Nun will man zur Klage als nächstem Mittel greifen.

Bei O2 müssen alle Kunden erst aktiv Kontakt zum Anbieter aufnehmen, die bislang keinen regulierten Tarif mit EU-Roaming genutzt hatten. Darin erkennt der Vzbv laut eigenen aussagen einen Verstoß „gegen das Irreführungsverbot des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)„. Denn es werde der Eindruck erweckt, dass die neue Roaming-Regelung der EU erst dann gelte, wenn O2 kontaktiert werde. Die Regelung gelte aber so oder so und O2 habe jene von sich aus anzuwenden.

Man darf gespannt sein, wie O2 nun reagiert. Nutzt ihr EU-Roaming? In unserer Monatsumfrage greifen wir das Thema ja auch noch einmal auf.

UPDATE (07.08.2017):

O2 hat uns mit einer Stellungnahme versorgt und seine Verfahrensweise begründet:

„O2 hat alle Prepaid-Kunden und Vertragskunden, die bereits bisher den EU-regulierten Tarif genutzt haben, automatisch auf die seit 15. Juni 2017 geltenden Konditionen des regulierten EU-Tarifs umgestellt. Kunden, die bislang individuelle Roaming-Lösungen und nicht den EU-regulierten Tarif genutzt haben, sollen dagegen selbst entscheiden können, ob ein Wechsel für sie vorteilhaft ist.

Denn: Ein Wechsel ist nicht für jeden Kunden von Vorteil. Wer beispielsweise eine EU-Flat (1GB) kostenfrei in seinem Tarif inkludiert hat, dem stehen in der EU und in einigen Nicht-EU-Ländern (Beispiel: Schweiz) die vollen 1 GB zur Verfügung – auch dann, wenn der Kunde erst spät im Monat innerhalb der EU verreist. Bei Wahl des Roam-like-at-home-Prinzips kann dagegen das Inlandsvolumen zu diesem Zeitpunkt bereits fast aufgebraucht sein. Selbstverständlich aber hat jeder Kunde die Möglichkeit, jederzeit in den regulierten EU-Tarif zu wechseln – kostenfrei und von einem Werktag auf den anderen. Dies hat o2 immer offen und gut sichtbar kommuniziert. Diese Auffassung haben wir gegenüber der Verbraucherzentrale Bundesverband ausführlich dargelegt und dies entspricht auch den regulatorischen Vorgaben in Deutschland.“


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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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