US-Behörden nehmen nach Apple angeblich WhatsApp ins Visier

14. März 2016 Kategorie: Backup & Security, Mobile, Social Network, geschrieben von: André Westphal

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Nach dem ganzen Brimborium rund um Apple und das FBI wollen die US-Behörden laut Informationen der New York Times bald den nächsten Kandidaten ins Visier nehmen: WhatsApp. Angeblich laufe in den zuständigen Stellen bereits eine interne Debatte, um den mobilen Messenger dazu zu bringen generell Daten an die amerikanische Regierung rauszurücken. Eine Entscheidung zum weiteren Vorgehen sei allerdings noch nicht gefallen. Doch die Verschlüsselung, welche es Justizbehörden erschwere Verdächtige abzuhören, gelte bei den US-Behörden aktuell als enormes Ärgernis.

In den USA diskutiert man speziell den Fall, dass ein richterlicher Beschluss vorliege, um einen Verdächtigen abzuhören, die Verschlüsselung bei WhatsApp dies Ermittlern aber erschwere. Will man das Beispiel WhatsApp mit Apple vergleichen, geht es quasi darum: Will das FBI die Verschlüsselung eines Smartphones aushebeln, entspricht das vereinfacht dem Aufbrechen einer Haustür und der Durchsuchung der Wohnung. Bei WhatsApp ist es aber eher damit vergleichbar, das Telefon anzuzapfen und mitzuhören. Welche Rechte die Behörden und Ermittler hier haben sollen, um Verschlüsselungen zu umgehen, ist derzeit umstritten.

In den USA vertreten einige Regierungsstellen die Ansicht, dass das WhatsApp-Problem als Musterbeispiel noch weitreichender sei als der Fall Apple. Denn es gehe generell um die Zukunft des Abhörens. Einige Regierungsmitarbeiter sind daher der Ansicht das Justice Department sollte WhatsApp mit richterlichen Urteilen zwingen verschlüsselte Informationen im Falle des Falles herauszugeben. Aktuell rechnen viele in den USA mit einem baldigen Prozess und möglicherweise Gesetzesänderungen. Doch das Justice Department wartet aktuell offenbar ab, um erst einen brisanten Musterfall vorliegen zu haben, mit dem man quasi seine Wünsche vor Gericht allgemein durchboxen könnte.

WhatsApp_Zensur

Sollte es zu einem Rechtsstreit zwischen der US-Regierung und WhatsApp kommen, könnte das eventuell auch für internationale Nutzer relevant sein. Denn möglicherweise müsste WhatsApp amerikanischen Behörden als US-Unternehmen dann auch Daten ausländischer Nutzer übergeben. Aktuell argumentiert WhatsApp generell, dass man keine Informationen herausgeben könne, die man gar nicht besitze. Durch die End-to-End-Verschlüsselung könnten nur die jeweils kommunizierenden Nutzer die Nachrichten lesen. Firmen wie WhatsApp argumentieren auch, dass die Privatsphäre der Mehrheit der unbescholtenen Bürger wichtiger sein sollte als mögliche Ermittlungen gegen wenige Individuen. Klar, dass speziell die spionierfreudigen US-Behörden anders argumentieren und angeben zur Verbrechensbekämpfung sei man auf die Kooperation von IT-Unternehmen angewiesen.

Beobachter, wie die American Civil Liberties Union befürchten seitens der US-Regierung „einen nuklearen Krieg mit dem Silicon Valley“. Die Auswirkungen wären jedenfalls nicht nur für die US-Bürger, sondern international für alle WhatsApp-Nutzer enorm. Nicht nur für die, denn es geht natürlich allgemein um Verschlüsselungen in Messengern. Man darf gespannt sein, wie sich dieses Thema also weiterentwickelt. US-Präsident Obama versuchte zuletzt die Wogen damit zu glätten, dass er erklärte, keine der beiden Seiten dürfe zu „absolut“ denken. Man müsse Einzelfälle und verschiedene Aspekte bei der Diskussion berücksichtigen.

(via New York Times)

Über den Autor: André Westphal

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