Unroll.me verkauft anonymisierte Nutzungsdaten, Nutzer erstaunt

24. April 2017 Kategorie: Backup & Security, Internet, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Bezahlt man nicht für das Produkt, so ist man selbst das Produkt. Diese Faustregel hat gerade bei Angeboten im Internet oftmals Gültigkeit, das merkten nun auch Nutzer des E-Mail-Dienstleisters Unroll.me. Der Dienst gehört zu Slice Intelligence und hilft dabei, den Überblick über E-Mail-Abos zu behalten und diese auch gleich zu beenden, wenn man sie nicht möchte. Damit dies funktionieren kann, erhält Unroll.me Zugriff auf alle Mail-Inhalte. Diese lassen sich natürlich gut verkaufen, was auch das Geschäftsmodell von Unroll.me ist.

Dieses Geschäftsmodell wird auch nicht verschwiegen, allerdings gab es in den vergangenen Tagen nun Aufmerksamkeit deswegen, denn Uber hat Lyft-Rechnungen von Unroll.me gekauft, um ein besseres eigenes Angebot gestalten zu können. Nicht das einzige Problem für Uber, ein ernstes Gespräch mit Apple gab es auch wegen einer Geräteerkennung zwischen App-Installationen, also der Trackbarkeit der Installationen auf einem iPhone, was laut Apple ToS nicht erlaubt ist.

Auf jeden Fall hat Unroll.me Daten der Nutzer verkauft, die sich nun natürlich aufregen. Für Unroll.me bedeutet dies, dass das Unternehmen seine Geschäftspraktiken noch offener darstellen möchte, vor allem zu dem Zeitpunkt, an dem sich ein Nutzer registriert. Denn die Daten werden nicht etwa komplett verkauft, sondern anonymisiert. Ihr kauft beispielsweise ein Schachbrett, dann weiß Unroll.me, dass ein Schachbrett gekauft wurde, ebenso wie der Käufer der Information.

Allerdings weiß der Käufer der Information nicht, wer das Schachbrett gekauft hat, eben wegen der Anonymisierung. Wenn alle Beteiligten klar darüber Bescheid wissen, ist das nicht viel Verwerfliches dran. Aber das Wissen, dass eben Daten gehandelt werden, fehlt einigen Nutzern. Sie sehen kostenlos und klicken sich durch, das war es. Hier möchte Unroll.me nach eigener Aussage eben ansetzen.

Dienste, die auf andere Dienste zugreifen, nicht zum ersten Mal stehen sie in der Kritik. Man kann heute alles und jeden verknüpfen, besser ist man allerdings dran, wenn man eben nicht jedem neuen Dienst X Zugriff auf Dienst Y gewährt. Und noch einmal: Wird ein Dienst kostenlos angeboten, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Ihr mit Euren Daten bezahlt. Zu verschenken hat keiner etwas, auch nicht das nächste hippe Start-Up.

Und vielleicht wieder einmal eine gute Gelegenheit, die Berechtigungen zu überprüfen, die man Diensten so gegeben hat. Im Fall des Gmail-Accounts wird man in diesen Einstellungen fündig. Oftmals vergibt man ja auch eine Berechtigung und vergisst es dann schnell wieder. Eine regelmäßige Überprüfung dieser Berechtigungen ist daher immer empfehlenswert.


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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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