Umfrageergebnisse: Informatik als Pflichtfach – und eine kleine Meinung dazu

24. August 2014 Kategorie: Internet, geschrieben von:

Vor knapp zwei Wochen nahmen wir eine BITKOM-Umfrage zum Thema Informatik als Pflichtfach zum Anlass, um Euch als Leser nach Eurer Meinung zu befragen. Exakt 1.400 Leser haben ihre Stimme abgegeben, dafür erst einmal ein dickes Dankeschön! Die Fragen, die wir stellten, waren im Groben die gleichen, denen auch die BITKOM-Umfrage zugrunde liegt. Und auch das Ergebnis ähnelt dem von BITKOM sehr stark. Da wir allerdings keinen repräsentativen Durchschnitt erreichen, sondern „nur“ technikinteressierte Menschen, können wir auch nur darüber berichten.

Informatik_Pflichtfach

720 Stimmen entschieden sich für die Einführung von Informatik als Pflichtfach, auch wenn andere Fächer darunter leiden. Das entspricht 51 Prozent der Teilnehmer. 504 Personen (36 Prozent) wünschen sich Informatik als zusätzliches Pflichtfach, also mit mehr Wochenstunden insgesamt in der Schule verbunden.

12 Prozent (171 Personen) würden Informatik auf freiwilliger Basis als Zusatzfach anbieten. So gab es das bei uns vor gut 20 Jahren auch schon, damals lernte man so schicke Dinge wie die Programmierung in Basic.

Das Ergebnis zeigt also, dass unsere Leser Informatik in der Schule durchaus als wichtig erachten, rund die Hälfte stellt es sogar über andere Fächer (die dann eventuell wegfallen würden). Was aus der Fragestellung leider nicht hervorging: wie das Fach Informatik definiert wird.

Ich bin der Meinung, dass Informatik-Unterricht, so wie er früher stattfand, heute nicht mehr nötig ist. Also das technische Umfeld, wie werden die Geräte bedient, was macht ein Prozessor, wie lerne ich eine Programmiersprache. PCs, Tablets, Smartphones, all dies sind heute Alltagsgegenstände. Kinder wachsen damit auf, so wie sie mit einem TV-Gerät aufwachsen.

Was Kindern allerdings in den seltensten Fällen beigebracht wird, ist das richtige Verhalten im Umgang mit den Geräten. Informatikunterricht sollte vielmehr Wissen vermitteln, welche Auswirkungen Aktionen im Netz haben, wie man sich in sozialen Netzwerken verhält, wie man seine Privatsphäre-Einstellungen bei verschiedenen Diensten anpasst, damit eben nicht jeder alles sieht.

Das, was allgemein als Medienkompetenz bezeichnet wird, fehlt den meisten Kids heute. Ich sehe das täglich bei meiner Tochter und ihren Freunden. Diese probieren aus, nutzen jeden Messenger, melden sich bei jedem Netzwerk an und posten Dinge, die sie – zumindest aus Erwachsenensicht – eher früher als später bereuen werden. Die meisten Eltern in unserem Umfeld interessiert dies nicht, die lassen halt einfach machen. Liegt vermutlich daran, dass die Eltern selbst nicht durchblicken – und genau hier sind meiner Meinung nach die Bildungseinrichtungen gefragt.

Einen Windows 98-Rechner einschalten, der dann zum Stundenende einmal gebootet ist, dazu braucht man keinen Informatik-Unterricht. Ebenso ist es nicht in Ordnung, wenn den Kindern Office-Formatierungen mit einer Office-Version beigebracht bekommen, die man in der freien Wildbahn überhaupt nicht mehr antrifft. Es ist vielleicht etwas zugespitzt ausgedrückt, aber ich kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn meine Tochter von der Schule kommt und mir erzählt, was sie da wieder gemacht haben. Da werden Basics beigebracht, die seit Jahren nicht einmal mehr als Basics bezeichnet werden können. Auf Rechnern, die auch einem Museum gut stehen würden.

Ja, es lässt sich superleicht meckern über diese Umstände in Schulen. Natürlich ist es nicht einfach, Bildungseinrichtungen technisch ständig auf aktuellem Stand zu halten. Allein der finanzielle Aspekt stellt eine große Hürde dar. Und dann kommt noch dazu, dass Schulen kompetentes Lehrpersonal benötigen würden. Der Sportlehrer, der schon beim Studium zu einem zweiten Fach wie Bio gezwungen wird, gibt mit seinen 50+ Jahren einen schlechten Informatiklehrer ab, wenn er sich nicht entsprechend weiterbildet. Selbst in Berufsschulen ist Informatik – je nach Ausbildungsberuf – nur ein Beiwerk, das von den Schülern gerne zum Entspannen angenommen wird. Richtiges Erlernen von Grundlagen? Fehlanzeige.

Nicht die Schulen haben den Trend verschlafen, sondern das Kultusministerium. Man kann einer einzelnen Schule keinen Vorwurf machen, auch den nicht ausreichend ausgebildeten Lehrern nicht. Es gibt auch engagierte Lehrer, das steht außer Frage. Diese sind jedoch in so geringen Mengen anzutreffen, dass sie quasi den berühmten Tropfen auf dem heißen Stein bilden.

So, genug gemotzt. Wenn Ihr schulpflichtige Kinder habt, nehmt diese an die Hand und vermittelt ihnen das, was die Schulen versäumen. Sie werden es Euch irgendwann danken.


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Über den Autor:

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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