Tweet Lanes fällt der 100.000 Benutzer-Obergrenze zum Opfer: Keine aktive Weiterentwicklung mehr

19. November 2012 Kategorie: Android, Mobile, Social Network, geschrieben von: Patrick Meyhöfer

Die Änderungen  der API von Twitter, welche sie im August verkündet haben, nehmen die von vielen befürchteten Dimensionen ein. Durch die sehr restriktive Limitierung auf 100.000 Benutzer (Tokens) , muss der Entwickler bei Erreichen der Grenze bei Twitter um Erlaubnis fragen, damit sich weitere Benutzer über die App bei Twitter authentifizieren können.

Twitter

Wie zu erwarten war, ist Twitter hier nur wenig gesprächsbereit, um ihre eigenen Apps mehr nach vorne zu bringen und die bessere Kontrolle über Werbung mittels Promoted Tweets zu erlangen. Inzwischen sind einige Beispiele bekannt, die von Twitter keine Genehmigungen bekommen haben über diese 100.000 Grenze weiter Anmeldungen zuzulassen.

Am Wochenende ließ Chris Lacy, Entwickler des poulären Clients Tweet Lanes, verlauten, dass er seine App nicht mehr aktiv weiterentwickeln wird und schiebt die Schuld ganz klar auf Twitter. Seine Pläne für eine spätere Monetarisierung könne er nicht weiter aufrecht erhalten. Unter anderem wollte er noch ein gutes Tablet-Layout für Tweet Lanes entwickeln, aber mit seiner knappen Zeit und ohne Wachstumsmöglichkeiten sieht er darin keine Option mehr. Er ist selbst sehr enttäuscht darüber, dass er es nicht geschafft hat, all seine Ziele zu erreichen, möchte aber dennoch zumindest weiterhin Bugfixes und evtl. kleinere Neuerungen veröffentlichen.

Doch Tweet Lanes ist nicht das einzige Opfer in letzter Zeit. Erst kürzlich traf es Tweetro, ein Twitter Client für Windows 8, der ebenfalls keine Erlaubnis erhielt, obwohl Twitter selbst noch gar keine eigene Windows 8 App im Store hat, lediglich eine in Planung hat. In diesem Kontext wirkt die Absage von Twitter doch eher beschämend:

“…Unfortunately, It does not appear that your service addresses an area that our current or future products do not already serve. As such, it does not qualify for an exemption.”

Selbst der extrem erfolgreiche Twitter-Client Tweetbot musste vermutlich durch die starken Restriktionen einen ziemlich hohen Preis ansetzen. Die zunehmend verzweifelt wirkenden Versuche Twitter zu monetarisieren, lassen größere Zweifel an einer weiterhin guten Entwicklung von qualitativ guten Twitter-Apps aufkommen. Ob der Aufschrei der Entwickler und der Benutzer zu einem Umdenken führt, ist derzeit leider fraglich, allerdings wohl die einzige Option um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Was meint ihr? Zerstört sich Twitter durch die festgelegten Grenzen langfristig selbst, mit der sie durch die einstmals so offene Plattform mit vielen verschiedenen Clients erst groß geworden sind?

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Über den Autor: Patrick Meyhöfer

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20 Kommentare

Dennis Klein (@klein2) 19. November 2012 um 11:30 Uhr

Ganz klar: Ja. Twitter macht sich selbst kaputt, womit sie erst bekannt geworden sind: Das jeder wenn er wollte einen Client schreiben konnte oder als Anwender die Wahl hatte. Passte einem Twitterific nicht, konnte man einfach einen anderen Client wählen. Für gute Extras habe ich gerne Echofon gekauft – das war ein kleiner Wirtschaftszweig. “Nur” weil Twitter das eigene Konzept von Anfang an nicht durchdacht hat (“Wie kommen wir eigentlich an Geld?”), zerstören sie nun radikal das eigene, ansonsten tolle Netzwerk. Schade!

Daniel (@theiNaD) 19. November 2012 um 11:31 Uhr

Wirklich traurig… Ich nutze zwar zur Zeit die offizielle Twitter-App auf meinem Handy, aber unter Windows nutze ich MetroTwit und es wäre wirklich schade, wenn durch so eine Firmenpolitik diese Apps untergehen.
Sieht man ja an Tweetdeck, dass es nach der Übernahme von Twitter untergegangen ist.
Da ist solch eine API Restriktion nicht gerade von Vorteil

Heiko Bernhörster 19. November 2012 um 11:33 Uhr

Klar, das sollte der Todesstoß für Twitter sein! Die werden groß durch Drittsoftware und treten denen vor das Schienbein…

Am besten direkt Abmelden…

Heiko

@dr3do 19. November 2012 um 11:36 Uhr

Für mich ist es (Twitter) bereits tot. ;)

Christian 19. November 2012 um 11:40 Uhr

Ich verstehe nicht so richtig, warum Twitter nicht auf ein Bezahlmodell setzt. Große viel gelesene Twitterer zahlen ab einer gewissen Grenze an Tweets oder eben Followern halt einen 5er im Monat und prima ist. Selbst ein freiwilliger Beitrag sollte doch schon viel nützen, da jedem selbst klar ist wie sehr er Twitter braucht. Oder stell ich mir das zu einfach vor? Jedem, dem Twitter ein entsprechend großes Werkzeug ist und zu seinem persönlichen oder kommerziellen Erfolg verhilft, sollten ein paar Dublonen nicht schaden. Gratiskultur geht halt auf Dauer nicht..

Was Twitter jetzt macht ist dumm. Es zerstört das wichtigste Gut, was sie haben..Nutzer. Egal wie es sonst gehen sollte, aber das ist nicht die richtige Lösung

sYndrom 19. November 2012 um 12:00 Uhr

Twitter macht sich dadurch selbst kaputt, genauso wie sich WhatsApp durch Sicherheitsmängel kaputt macht: nämlich gar nicht.

Der normale Twitterer weiß davon nämlich nichts und wird einfach einen der zugelassenen Clients nutzen. Außerdem nutzt jeder Twitter, was das Wechseln zu einer Alternative um so schwerer macht.

picturaluce 19. November 2012 um 12:04 Uhr

Twitter schneidet sich damit auf Kurz oder Lang ins eigene Fleisch. Ich benutze Tweetbot auf dem iPhone, sowie auf dem iPad, knappe 17€ für den Client auf MacOS sind mir jedoch bei Leibe zu viel – würde Twitter nicht diese radikale Monetarisierung durchsetzen wollen, hätten mit Sicherheit mehr Leute den Tweetbot-Client auch für den Mac gekauft.

Sven Walther 19. November 2012 um 12:08 Uhr

Ich sehe es auch so, dass Twitter (so, wie wir es kennen) gerade mit Volldampf in den Abgrund fährt. Ob der Bereich Justin Bieber, Lady Gaga und Co. für Twitter dann eine ausreichende Nische bilden wird (Twitter ist ja eh schon weit hinter Facebook zurück…) wird sich noch zeigen müssen.
Ich persönlich habe meine Twitter-Accounts fast alle gelöscht – außer jenen, die ich wegen meines eigenen Twitter-Clients noch offenhalten wollte (hätte ich keine zahlenden Kunden für Nymphicus, hätte ich Twitter mit der 2.0 gleich ganz rausgeworfen…).
Persönlich bin ich nun auf App.net, wo es mir gut gefällt und wo mit uns als Entwicklern auch ganz anders umgegangen wird :)

Simon 19. November 2012 um 12:17 Uhr

Auch wenn die Nutzer der ersten Stunde verschreckt werden entdeckt momentan der Mainstream Twitter immer mehr.

Im letzten Jahr ist die Nutzerschaft in Deutschland um 50% gestiegen. Die neue Nutzerschaft interessiert sich so oder so nicht für die x-tausend Twitter-Clients. Daher fährt Twitter mit dieser Strategie (aus ökonomischer Sicht) ganz gut.

Twitter will eben kein Nerd-Werkzeug mehr sein…

Markus 19. November 2012 um 13:09 Uhr

Natürlich gräbt sich Twitter selber das Wasser ab. Vielleicht teil der eine oder andere Entwickler die returkutsche aus und wechselt mit seinem Clienten zu Status.net. wie schon oft gesagt, viele gute Clients bringen den durchbruch.

Abacus 19. November 2012 um 13:16 Uhr

Ja. Mit dieser Politik wird Twitter untergehen. Ist aber egal, es wird sich schon ein neues Tool finden das die Lücke schließt.

Endor 19. November 2012 um 14:26 Uhr

Twitter macht sich selber definitiv kaputt! Echofon für Firefox wurde auch aufgegeben, traue mir zu wetten, aus den selben Gründen. Und so wird es weitergehen.
Irgendwann bleibt Twitter eben auf der Strecke. Es wird sicher eine Konkurrenz zu
Twitter geben. Früher oder später wird dann eben gewechselt.

Vincent 19. November 2012 um 23:31 Uhr

Das ist das Dümmste und Undankbarste was die Verantwortlichen bei Twitter ihren Benutzern und besonders Entwicklern (denen es Twitter zu verdanken, dass sie überhaupt so groß geworden sind) angetan haben. Unglaublicher BIG FAIL!

Mr. Spike (@_Mr_Spike_) 20. November 2012 um 18:36 Uhr

Seltsame Begründung der Twitter-Leute. Erst letztens wurde die Weiterentwicklung der offiziellen Twitter-App für Mac OS X eingestellt und trotzdem muss(te) Tweetbot so einiges blechen.

Aber Twitter hat noch viel mehr schwächen:

1) Die Listenerstellung
Ein wohl-bekanntes weiteres #ff-Medium ist die Listenerstellung bei Twitter. Leider wirkt dieses Feature aber wie ein unfertiges Haus mit schwimmenden Keller: es ist unsauber umgesetzt, umständlich und kompliziert.

2) Favoriten
Man kann überall Tweets favorisieren und retweeten. Aber auf die Favoriten-Übersicht kommt man nur über Drittsoftware oder umständlich über die Webseite. Auch hier gibt’s kein Push.

Twitter könnte mit einem User-Minded Ausbau auch die eigenen Nutzerzahlen steigern. Auch sind die 3rd-Party Apps eigentlich der Grund für den rasanten Aufstieg des Mikroblog-Anbieters.
Schade, schamlos, schlecht. Mehr fällt mir nicht dazu ein.


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