Trotz Abhörskandal: 75% der Deutschen haben nichts gegen Überwachung zur Strafaufklärung

26. August 2013 Kategorie: Backup & Security, Internet, geschrieben von:

Im Juni und noch einmal im August dieses Jahres wurde im Auftrag von T-Systems eine Umfrage durchgeführt, wie deutsche Internetnutzer den Erhebungen von Massendaten gegenüber stehen, die Ergebnisse wurden uns heute per Mail zugesandt. Angesichts des Abhörskandals rund um die NSA sind die Ergebnisse sehr interessant. Dies zeigt, wie wenig sich vielleicht der Normalnutzer doch mit diesem Thema beschäftigt, beziehungsweise dieses gar nicht richtig versteht.

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Die Überwachung von Telefon und Internet durch staatliche Stellen ist nach dem Bekanntwerden des Abhörskandals immer noch für 75% der Befragten dann in Ordnung, wenn es zur Aufklärung von Straftaten hilft. Im Juni waren es mit 78% zwar noch mehr, der Unterschied ist aber ziemlich gering. Auch ist die Erhebung von Big Data kein Problem, wenn es zum Vorteil der Nutzer geschieht.

Fast 2/3 (64%) der Befragten würden die Verwendung von Daten auch dulden, wenn der Staat dadurch besser planen kann, beispielsweise um Kindergartenplätze zu schaffen. Vor der NSA-Affäre waren noch 74% dafür.

Geht es um den medizinischen Bereich, ist nun nur noch die Hälfte der Befragten damit einverstanden, dass Pharma-Firmen Foren-Beiträge auswerten, um Nebenwirkungen besser zu erkennen. 57% der Befragten lehnen es hingegen ab, dass Firmen ihre Produkte in Foren-Einträgen analysieren und somit verbessern könnten.

Die automatische Speicherung von Kundendaten zur Vereinfachung eines Bestellprozesses lehnen 78% der Befragten ab. Eine kleine Steigerung zu den 72% aus der Juni-Befragung.

Ebenfalls interessant ist die Aussage, dass rund 3/4 der Bürger sich nicht ausreichend informiert fühlen. Da allerdings nur 22% AGB von Apps & Co lesen, verwundert dies weniger. Kunden, die nicht die AGB lesen, bemängeln die Information von Unternehmen über den Umgang mit persönlichen Daten.

Diese Zahlen sind, wie ich finde, sehr drastisch. Wenn man überlegt, welche Wellen der NSA-Skandal im Internet geschlagen hat, ist die Konsequenz bei den Internetnutzern nahezu Null. Während Ihr Euch als Techblog-Leser Gedanken darüber macht, wie man sich und seine Daten schützen kann, interessiert es den Otto-Normal-Verbraucher vermutlich so gut wie gar nicht. Woran liegt es? Mangelnde Aufklärung? Desinteresse? Ist es den Leuten einfach egal? Oder steht doch der persönliche Nutzen bei jedem im Vordergrund, wenn er für bereitgestellte Daten auch etwas bekommt?

Zur Vorgehensweise der Befragung: Das Institut für Demoskopie Allensbach hatte im Juni 2013 im Auftrag von T?Systems einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahren nach ihren Sorgen und Risiken befragt und dazu 1490 Interviews geführt. Im August folgte eine gezielte Nachfrage zum Thema Big Data bei 1550 Personen.

Und zum Thema repräsentativ, gibt es hier noch einen Auszug aus dem Wikipedia Artikel: Vorgeblich „repräsentative“ Umfragen werden zwar von spezialisierten Meinungsforschungsinstituten im Auftrag von Rundfunk- und Fernsehanstalten oder von Zeitungsverlagen durchgeführt. Strenggenommen gibt es „Repräsentativität“ jedoch gar nicht. Die landläufige Vorstellung, dass die „repräsentative“ Untermenge eine gleiche Verteilung aller für den Untersuchungsgegenstand relevanten Merkmale aufweist, ist faktisch nicht realisierbar, da ja erst durch die Untersuchung selbst festgestellt wird (und werden kann), welche Merkmale tatsächlich relevant sind. Entscheidend ist daher die Ziehung einer Zufallsstichprobe. Dann sind statistisch kontrollierbare Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit möglich.


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Über den Autor:

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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