Traditionshersteller Blaupunkt ist insolvent

20. September 2015 Kategorie: Hardware, geschrieben von:

blaupunkt radioBlaupunkt aus Hildesheim muss Insolvenz anmelden. Die ursprünglich 1923 als Ideal Radiotelefon- & Apparatefabrik GmbH Berlin gegründete Firma soll jetzt neu strukturiert und dann verkauft werden. Ich selbst hänge noch an dem deutschen Anbieter von Unterhaltungselektronik – mein allerletzter Röhrenfernseher war noch ein Blaupunkt-TV, der mir seit meiner Teenie-Zeit treue Dienste leistete. In den letzten Jahren hatte sich das Produktangebot des Herstellers jedoch verändert und man lizenzierte seine Marke verstärkt an Partner aus dem Ausland. Eine ausgefallene Kreditlinie warf Blaupunkt nun endgültig aus der Bahn.

Seit 2008 gehört das zuvor zu Bosch gehörende Unternehmen Blaupunkt zur Aurelius AG. Die wusste mit dem Traditionshersteller aber relativ wenig anzufangen, so dass es für das Unternehmen konstant bergab ging. Laut Geschäftsführer Lars Placke wolle man nun mit der Sanierung beginnen und anschließend klar Schiff für den Verkauf machen. Dabei bleibt das bisherige Management an Bord und nimmt die Restrukturierung selbst in die Hand. Für die Interessen der Gläubiger tritt der Insolvenzexperte Rainer Eckert als Sachverwalter ein. Die Mitarbeiter Blaupunkts erhalten im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens von der Arbeitsagentur für drei Monate ihre Löhne.

Laut einem Sprecher Blaupunkts hätten die Verhandlungen mit Kaufinteressenten bereits begonnen. Es gäbe bereits „ernsthafte Interessenten“. Nach der Übernahme durch die Aurelius AG war die Zahl der Beschäftigten der Firma in Hildesheim von 300 auf 46 gesunken – weltweit von 1800 auf 450. Beispielsweise stieß man das Antennengeschäft ab und konzentrierte sich in erster Linie auf die Lizenzierung der eigenen Marke. Dadurch prangen Logo und Firmenname dann beispielsweise auf Tablet-PCs chinesischer Fertiger.

 

blaupunkt

Jener recht gut laufende Zweig ist dann auch nicht Teil des Insolvenzantrags, der sich hauptsächlich auf Blaupunkt Technology bezieht – also die Abteilungen für das ursprüngliche Kerngeschäft rund um Radios, Navigationsgeräte, Lautsprecher und Verstärker für Fahrzeuge. Blaupunkts Problem ist allerdings, dass es speziell im Bereich für Car-Audio nur noch wenig Wachstumspotential gibt. Die Zeiten in denen sich außerhalb der Bastel-Szene viele Fahrer selbst dicke Subwoofer und Boxen in die Autos schraubten, sind mittlerweile vorbei. Stattdessen sind komplette In-Car-Entertainment-Systeme mit Multimedia-Funktionen und Internetzugriff im Kommen.

Wie viele Hersteller, speziell aus Deutschland, ist Blaupunkt also in einem Markt ins Hintertreffen geraten, in dem das Unternehmen früher zu den wichtigsten Vertretern zählte. Auch der Traditionsherstelller Loewe etwa musste zwischenzeitlich Insolvenz anmelden und gehört mittlerweile der Münchner Investor Stargate Capital GmbH. Grundig wurde aufgespalten – die Grundig Intermedia ist mittlerweile Teil einer riesigen, türkischen Unternehmensgruppe. Metz musste in Mai 2015 Insolvenz anmelden und wurde ebenfalls verkauft. Von der ehemals angesehenen, deutschen TV-Industrie ist also leider nur noch wenig geblieben.


Du entscheidest mit! Wir suchen das Smartphone des Jahres 2017! Jetzt abstimmen!

 

Über den Autor:

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei
Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich
eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das
erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto
auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

André hat bereits 2615 Artikel geschrieben.