Tim Cook: Die Wall Street hat überreagiert

3. Mai 2016 Kategorie: Apple, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_appleTim Cook, CEO von Apple, war gestern zu Gast bei der CNBC-Show „Mad Money“ mit Jim Cramer. Dort äußerte sich ausführlich zu den Quartalszahlen, die bei vielen Analysten und Pseudo-Analysten für erneute Abgesänge sorgten. Apple habe den Höhepunkt überschritten, Innovationen fehlen, der Markt ist gesättigt. Der Aktienkurs von Apple gab entsprechend nach. Tim Cook wäre ein schlechter CEO, wenn er nicht versuchen würde, die Sache zu erklären, vielleicht sogar aufzuklären, denn eigentlich hat Apple genau so gewirtschaftet wie es prophezeit war. Und fuhr im ersten Quartal damit 10 Milliarden Dollar Gewinn ein.

Das Interview ist lang und viele Dinge wiederholen sich, ein Transkript des Interviews findet Ihr bei The Loop, das Interview in Videoform gibt es bei CNBC. Tim Cook erklärt aber nicht einfach nur die Zahlen, er erzählt auch, warum die Apple Watch ein Erfolg sein wird. Und er erklärt, dass es spannende Produkte in der Pipeline gibt (was soll er auch anderes sagen), ebenso wie neue iPhones, die auch zu einem Upgrade locken werden.

Offen lässt er jedoch, wann diese spannenden Produkte auch auf den Markt kommen werden, wann die neuen iPhones kommen werden, die alle zum Upgraden verleiten sollen. Bereits die nächste Version? Man weiß es nicht. Und Cook erklärt, dass Apple genau die Zahlen abgeliefert hat, die für das erste Quartal angekündigt waren, weshalb er auch die Reaktion an der Börse für übertrieben hält.

Apple

Apple erzielte im ersten Quartal einen Umsatz von 50,6 Milliarden Dollar, von Apple angepeilt – und kommuniziert – wurden 50 bis 53 Milliarden Dollar. Bei der Gewinnspanne sieht es ähnlich aus. Angepeilt waren 39 bis 39,5 Prozent, geliefert wurden 39,4 Prozent. Keine Überraschung also, eher eine Punktlandung, dennoch reagieren Aktionäre schockiert. Der Grund dafür liegt in der überzogenen Erwartungshaltung von Analysten, die Apple offenbar besser kennen als das Unternehmen sich selbst.

Sieht man schön an der Apple Watch. Apple selbst verrät keine Zahlen, gibt auch keine Erwartungen ab. Das übernehmen dann die Analysten, die Verkäufe zwischen 20 und 40 Millionen im ersten Jahr anpeilen und dann die Apple Watch als Flop sehen, weil sie sich nicht im gleichen Maß wie das iPhone verkauft. Tim Cook selbst vergleicht nun die Apple Watch mit dem iPod, der auch nicht über Nacht zum Erfolg wurde.

Aber er wurde verbessert und fraß sich gemächlich zu den Nutzern durch, bis er der Quasi-Standard für MP3-Player war. So sieht Cook auch die Apple Watch. Er gibt auch offen zu, dass man im letzten Jahr sehr viel gelernt hat und die Apple Watch erst im Laufe der Zeit ihr volles Potential entfalten wird, langfristig aber als ein Must-Have-Gadget für die Massen angelegt ist.

Nun sieht sich Apple als Gesamtkonzern aber mehreren Problemen entgegengestellt, die auch Mitbewerber bereits spüren. Die Marktsättigung. Von einer solchen zu sprechen, ist laut Cook übertrieben. Großes Potential hat weiterhin China, aber auch Indien wird in den nächsten Jahren einen größeren Bedarf haben, dort startet dieses Jahr nämlich LTE.

In China steht Apple aber vor einem weiteren Problem. Zwar konnte das Unternehmen gute Verkäufe vorweisen und auch das iPhone SE soll laut Cook sehr gut in China angenommen werden, allerdings kann Apple dort nicht alle Services anbieten. Apple startete mit iBooks und iTunes Movies in China, musste diese aber zwischenzeitlich wieder offline nehmen. Das soll aber nur temporär sein, Apple ist in Gesprächen mit staatlichen Behörden und anderen wichtigen Stellen, um diese Dienste bald wieder in China verfügbar zu machen. Cook ist zuversichtlich, dass dies bald der Fall sein wird.

Services sind es auch, die Apple trotz weniger Hardware-Verkäufen wachsende Umsätze bescheren. Die Erklärung ist recht simpel, je mehr Geräte im Umlauf sind, desto mehr werden auch die Services genutzt. Bei mehr als einer Milliarde im Umlauf befindlichen iOS-Geräten kann dies auch bei sinkenden Hardware-Verkäufen Steigerungen bringen. Es werden ja auch immer mehr Geräte, da sie immer länger genutzt werden.

Bei den Services ist Apple ebenfalls noch in einem Lernprozess, für den man sich auch gerne einmal externe Hilfe durch die Übernahme von kleineren Firmen und Talenten erkauft. Stellen, an denen Apple Geld machen kann, hat das Unternehmen genug, wenn man einmal ein iOS-Gerät gekauft hat. Allen voran der App Store, aber auch Apple Music, iBooks, iCloud-Speicher, all das sind relativ günstige Services, die sich aber zu großen Summen addieren, wenn sie von der Masse genutzt werden. Das möchte Apple logischerweise künftig weiter ausbauen.

Für das nächste Quartal soll es übrigens nicht viel besser aussehen als dieses. Mal sehen, was die Analysten dann für Zahlen erwarten und wie sehr sie an Apples vorbeigehen. Während man die Börse nicht zwingend verstehen muss, sollte einem klar sein, dass Apple noch ein ganzes Stück davon entfernt ist, wirklich schlechte Zahlen abzuliefern.


 

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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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