Thunderbird wird technisch aber nicht finanziell von Mozilla entkoppelt

9. Mai 2017 Kategorie: Firefox & Thunderbird, Software & Co, geschrieben von: André Westphal

Mozilla hat schon seit einiger Zeit abgewogen, was mit dem E-Mail-Client Thunderbird nun geschehen soll. Denn die Gerüchte um eine Abspaltung verstärkten sich seit 2016. Nun ist klar, wie es mit Thunderbird weitergehen soll: Mozilla bleibt zwar im Bezug auf die finanziellen und rechtlichen Grundlagen die Heimat von Thunderbird, die technische Weiterentwicklung läuft aber quasi nun vollkommen abgekoppelt von Mozillas eigenen Projekten.

Nach langen Diskussionen und Verhandlungen mit anderen Organisationen, unter anderem TDF und SFC wurde diese Entscheidung gefällt. Denn am Ende fand sich keine zufriedenstellende Lösung gemeinsam mit den anderen Anbietern, da dies die Organisation deutlich komplizierter gemacht hätte. Nun soll es in Zukunft so bleiben, dass Mozilla finanziell mit der Thunderbird-Community verbunden bleibt und unter anderem bei der Sammlung von Spenden unterstützt. Hier bedanken sich die Entwickler dann auch bei der Community für die tatkräftige Unterstützung über die letzten Monate.

Aber gleichzeitig gehe das Team nun auch eigene Wege und habe etwa im Web unter Thunderbird.net eine eigene Heimat gefunden. Einige Dienste, wie ISPDB, was man zur automatischen Konfiguration der E-Mail-Konten benötige, betreibe man bereits unabhängig von Mozilla.

Mozilla will sich zwar auf Firefox fokussieren, hat wiederum aber immer noch ein Interesse daran Thunderbird auf einen guten Weg zu bringen. Solange Thunderbird also keine Hürden für Firefox kreiert, sieht man bei Mozilla wiederum kein Problem sozusagen eine Teil-Integration beizubehalten. Der Wechsel zu einer komplett anderen Organisation hätte wiederum neue, technische und organisatorische Herausforderungen mit sich gebracht. Langfristig sei es auch möglich, Thunderbird noch komplett unabhängig zu machen und die Teilverbindung zu Mozilla aufzulösen. Das müsse aber die Zeit zeigen.

Organisatorisch sei es aber nun das Sinnvollste, wenn Thunderbird bzw. die Entwickler-Community unabhängig handeln könnte. Entsprechend sei man auch zwar noch rechtlich und zum Teil finanziell unter dem Dach von Mozilla, müsse aber z. B. selbst die Verantwortung tragen, Spenden einzuwerben, um die Zukunft zu sichern. Es werde aber eben noch viele Abstimmungen zwischen Mozilla und dem Thunderbird Council geben.

Sobald es dann notwendig und effizient sei, werde der Thunderbird Council sich rechtlich als unabhängige Organisation verselbstständigen. Dabei werde man dann aber weiterhin auf Spenden angewiesen bleiben. In dem Fall bliebe die Beziehung zu Mozilla dann vertraglicher Natur und würde sich darum drehen, dass man die Marke weiter nutzen darf.

Vorerst bleibt Thunderbird nun eine auf Gecko basierende Anwendung, langfristig wolle man den Code aber auf Web-Technologien umstellen, denn der aktuellen Technik hinter Thunderbird wird eines Tages die Unterstützung fehlen. Wie auch bei den Spenden,  sei man hier auf Unterstützung bzw. Freiwillige angewiesen, die helfen Thunderbird nun auf die nächste Ebene zu bringen. Die Teil-Entkopplung von Mozilla, welche den Entwicklern erlaubt die Marke weiter zu nutzen und mit Mozilla in Kontakt zu bleiben, aber zugleich technische und organisatorische Unabhängigkeit ermöglicht, ist da wohl in der Tat aktuell der beste Weg.

(via The Mozilla Thunderbird Blog)

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Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

André hat bereits 1962 Artikel geschrieben.