„The Tick“: Dieses Amazon Original solltet ihr euch gönnen

13. Oktober 2017 Kategorie: Streaming, geschrieben von: André Westphal

Update: Ab sofort auf Amazon. Text vom 3.9: Mir hatte bereits der Pilot zum neuen Amazon Original „The Tick“ extrem gut gefallen: schwarzer Humor, Ironie, Superhelden – alles ein wenig überdreht und absurd. Das ist genau mein Ding. Letzte Woche ging nun die erste Staffel bei Prime Video an den Start. Leider umfasst diese Runde nur sechs Episoden (inkl. die bereits veröffentlichte Pilotfolge) mit jeweils ca. 27 Minuten Spielzeit. Staffel 1 soll insgesamt 12 Episoden beinhalten – wann die sechs weiteren folgen, ist aktuell aber noch offen.

Warum Amazon sein Original in zwei Teile aufgespalten hat, weiß ich leider nicht. Die sechste Folge endet jedenfalls mit einem derben Cliffhanger, das kann ich euch schon verraten. Doch worum geht es denn überhaupt bei „The Tick“? Nun, die Serie spielt in einer Welt, in der Superhelden real sind. Allerdings wurden viele von ihnen einst durch den Superschurken The Terror ausgelöscht. Das erlebte Arthur Everest als kleiner Junge hautnah mit. Da bei diesem Vorfall nicht nur seine Helden starben, sondern auch sein Vater ums Leben kam, ist Athur seitdem psychisch labil. Als also plötzlich ein knallblauer Held namens The Tick in seinem Leben auftaucht, zweifelt er nach endlosen Therapien erst einmal an seinem Verstand.

Allerdings haut der etwas naive Held Schurken kräftig auf die Mütze und scheint nahezu unverwundbar zu sein. Gespielt wird The Tick herrlich übertrieben von Peter Serafinowicz, den ich in erster Linie als Pete aus „Shaun of the Dead“ kannte. The Tick ist hier als Charakter eine Mischung aus dem Batman der 1960er-Jahre-Serie mit Adam West und den Superman-Filmen von Christopher Reeve. So wundert sich der Held etwa, dass es Obdachlose gibt, obwohl sich jene doch bestimmt ein Haus wünschen, findet die Einhaltung der Verkehrsregeln wichtig und drückt sich eben aus wie ein Superheld vergangener Tage.

„The Tick“ ist dadurch eine erfrischende Abwechslung zu anderen Superhelden-Serien wie „Arrow“, „Agents of Shield“ oder „Daredevil“. Denn trotzdem die Rahmenhandlung auf Anhieb vergleichsweise düster klingt, steht hier immer ein Augenzwinkern im Vordergrund. Mich haben der Stil und die Atmosphäre der Serie an eine Mischung aus dem Film „Kick-Ass“ sowie der Serie „Wilfred“ erinnert. An „Wilfred“ mahnt besonders die schräge Bromance zwischen The Tick und Arthur, während das schräge Superhelden-Setting Fans von „Kick-Ass“ zusagen dürfte.

So weiß man zu Anfang nicht, ob The Tick nur eine Einbildung von Arthur ist: Dem Helden ist das Gedächtnis verloren gegangen und sein Verständnis der heutigen Gesellschaft ist überraschend begrenzt. Sein plötzliches Auftauchen in Arthurs Leben gibt nicht nur jenem Rätsel auf. Ich finde sehr gelungen, wie die Serie hier einerseits manche Actionszene um den Helden mit hintergründigem Humor und mancher, versteckter Sozialkritik kombiniert. Denn die Gags sind oftmals gar nicht so doof und spielen nicht nur auf die Popkultur an, sondern auch auf gesellschaftliche Missstände.

Größtenteils ist „The Tick“ aber in erster Linie herrlich absurd. Der Serie kommt dabei vor allem das Wechselspiel zwischen Peter Serafinowicz als blauem Strahlemann und Griffin Newman als labilem Sidekick wider Willen zugute. Aktuell steht „The Tick“ allerdings bei Amazon Prime Video nur in der Originalfassung mit optionalen Untertiteln stramm. Die synchronisierte Fassung folgt am 13. Oktpber 2017. Falls ihr also auf jene wartet, merkt euch den Termin vor.

Mir haben die bisher veröffentlichten sechs Episoden extrem gut gefallen: Viele Amazon Originals wirken auf mich persönlich deutlich biederer als Netflix-Produktionen wie „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ oder „Castlevania“. „The Tick“ bringt endlich Schwung in die Bude und macht durchweg Spaß. Von mir erntet die Serie deswegen definitiv eine Empfehlung.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei
Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich
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