Testbericht OnePlus 2: Von dem Smartphone, das erneut der Flaggschiff-Killer sein wollte

14. November 2015 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von: Oliver Pifferi

OnePlus2OnePlus – ein Unternehmen, dass sich im letzten Jahr anschickte, Flaggschiffe versenken zu wollen und mit dem OnePlus One in meinen Augen ein äusserst interessantes Smartphone zu einem Killerpreis herausbrachte, den guten Eindruck jedoch an vielerlei Stellen zersägte: Ob es nun das sonderbare Einladungssystem war, der Trubel um Backcover, die dann trotz Ankündigung doch nicht mehr verfügbar waren oder das Supportverhalten nach diversen Displayproblemen – das junge Unternehmen aus China blieb zumindest im Gespräch.  Ein Jahr später kommt nun das OnePlus 2, wird wieder als „Flagship Killer“ tituliert und erneut über das Invite-System verkauft. Was ist besser, was ist schlechter geworden? Nach einigen Wochen mit dem OnePlus 2 als Hauptgerät war ich zumindest schlauer – oder eben doch nicht.

299 EUR für ein aktuelles Smartphone – das war 2014 unter anderem ein Grund für das große Medienecho beim OnePlus One. Ganz so einfach bzw. preisgünstig ist es in diesem Jahr nicht mehr – OnePlus packt noch einen Hunderter drauf und veranschlagt für das aktuelle Gerät 399 EUR für die 64 GB-Variante, dazu gesellen sich dann noch einmal 20 EUR für den Versand. Die 16 GB-Variante des Geräts ist aktuell nicht erhältlich und der Versand des OnePlus 2 (in meinem Fall aus England) binnen dreier Tage nach Bestellung überrascht positiv – sofern man denn eine Einladung ergattern konnte.

Nach einigen Wochen mit dem OnePlus 2 als „Daily Driver“ möchte ich Euch natürlich an den Eindrücken teilhaben lassen, die das zweite Smartphone des chinesischen Unternehmens bei mir hinterlassen hat. Ich warne aber an der Stelle schon einmal vor: Das Ganze ist – zumindest bei mir – nicht frei von Gedanken über das dämliche Invite-System und das marketingtechnische Säbelrasseln, das uns glauben machen möchte, hier erscheint ein Smartphone, welches die Samsungs, LGs & Co. dieses Jahres mal eben so in die Schranken weist. Aber schauen wir zunächst einmal auf die Hardware, die es allein in Sachen SoC schon in sich hat und nicht nur hier bereits für Diskussionsstoff gesorgt hat:

DAS STECKT IM ONEPLUS 2:

  • Display: 5,5 Zoll In-Cell-Display, Full-HD (1920 x 1080 Pixel), 401 PPI
  • Prozessor: 64-Bit Qualcomm© Snapdragon™ 810 Prozessor mit 1,8 GHz 8-Kern-CPUs und einer Adreno™ 430-GPU
  • Arbeitsspeicher: 4 GB LPDDR4 RAM (64 GB-Version) / 3 GB LPDDR4 RAM (16 GB-Version)
  • Speicher: 64 GB (nicht erweiterbar), davon im Auslieferungszustand noch 52,5 GB frei – 16 GB-Variante noch nicht verfügbar
  • Kamera: Rückseite 13 Megapixel (1,3um) und f/2.0-Blende, sechs Linsen, Dual LED-Blitz, 4K Video, 120 fps bei 720p 4K-Slow Motion-Videoaufnahme/ Front 5 Megapixel
  • Betriebssystem: Oxygen OS auf Android Lollipop 5.1.1-Basis
  • Akku: 3300 mAh Lithium-Polymer (nicht austauschbar)
  • Abmessungen: 151,8 x 74,9 x 9,85 mm, 175 Gramm
  • Verbindungstechnologien: 4G LTE, Dual-Band-WLAN: 2,4 GHz b/g/n und 5 GHz a/n/ac, Bluetooth 4.1, GPS, GLONASS, Digitaler Kompass
  • Maximaler SAR-Wert: Kopf: 0.428 W/kg, Körper: 0.205 W/kg
  • Sensoren: Fingerabdrucksensor, Beschleunigungssensor, Drehbewegungssensor, Näherungssensor und Umgebungslichtsensor
  • Farben: Sandstone Black
  • Sonstiges: USB Typ-C, Fingerabdruckleser, LED-Benachrichtungsanzeige, wahlweise kapazitive oder Bildschirmtasten, physischer Alert Slider für alle / nur wichtige oder keine Benachrichtigungen, wechselbares Backcover, Dual (Nano-) SIM

HAPTIK UND OPTIK

Optisch ansprechend verpackt finden wir neben dem Gerät das Netzteil, das USB Type-C Ladekabel sowie den obligatorischen SIM-PIN im Karton des OnePlus 2 – die Aufmerksamkeit der eventuell anwesenden Mitmenschen beim Auspacken ist allein schon wegen der Signalfarbe der Verpackung garantiert. Im Karton selbst liegt dann das neue Schmuckstück aus dem Hause OnePlus:

175 Gramm, relativ happe 9,85 mm Durchmesser und die definitiv rutschfeste und wechselbare Rückseite in Sandpapieroptik, die sich auch so anfühlt: Das OnePlus 2 liegt trotz der beachtlichen Masse und den 5,5 Zoll wunderbar und eigentlich erschreckend gut in der Hand. Das Design respektive die verwendeten Materialien wirken edel: Metallrahmen, saubere Schliffkante, saubere Verarbeitung und die als „sandstone-black“ betitelte Rückseite, die noch ein wenig griffiger als die Vorgängerversion zu sein scheint, überraschten mich positiv. Das Gerät selbst hat keine gewohnte Barrenform und liegt plan auf, sondern eine eher geschwungene Rückseite, wie wir das bereits unter anderem beim LG G4 erleben durften.

Die abnehmbare Rückseite verbirgt übrigens den Dual SIM-Slot und kann wieder – sofern es sie diesmal ohne Probleme zu erwerben gibt, hier legte man sich beim Vorgänger ja noch böse die Karten – gegen ein Backcover aus einem anderen Material ausgetauscht werden, um das Smartphone noch entsprechend zu individualisieren. Auf der linken Seite finden wir den Benachrichtigungs-Slider (nennen wir ihn einfach einmal so), die rechte Seite beherbergt die Lautstärkewippe und den Power-Button, unten finden wir den Lautsprecher und den zentrierten USB Typ-C-Anschluss und oben ist dann Platz für den Kopfhöreranschluss und die LED-Benachrichtungsleuchte.

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Wäre das OnePlus 2 maximal 5,2 Zoll groß, es wäre der absolute Handschmeichler – aber auch mit 5,5 Zoll ist das zumindest bei grösseren Händen problemlos möglich. Die Verarbeitung ist hochwertig, der Slider an der linken Seite erfreut auch iPhone-Fans: Hier können die Benachrichtigungen umgestellt werden – von allen, wichtigen und keinen (sprich: Dem lautlosen Modus) sind drei Betriebsmodi möglich und es ist schön zu sehen, in welcher Qualität das umgesetzt wurde. Der mittig angeordnete USB Typ-C Anschluss fügt sich wunderbar ins Bild ein und man beim OnePlus 2 hat einfach den Eindruck, dass man in Sachen Design beim zweiten Modell einfach seine Hausaufgaben gemacht hat. Übrigens trügt der Schein, die Gitter links und rechts vom USB-Anschluss suggerieren Stereo-Lautsprecher, allerdings hören wir nur etwas von der rechten Seite, haben also wider der Optik nur einen Mono-Lautsprecher im OnePlus 2 zu verzeichnen, der aber durchaus akzeptabel klingt, ohne aber beispielsweise Boom Sound-Qualität zu erreichen.

DAS DISPLAY

Das OnePlus 2 bringt ein 5,5″ In-Cell Full HD-Display mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln bei 401 ppi mit. Das Display reicht nicht ganz bis zum Rand, muss es aber auch nicht. Oben und unten haben wir mehr vom Rand, der ja schliesslich unten auch den nicht mechanischen Homebutton samt Fingerabdruckleser beherbergen muss. Es ist aber alles im vertretbaren Rahmen: Hier wirkt nichts auf-Teufel-komm-raus in eine Form gepresst, die nicht zum Gerät passt. Die Displayqualität selbst ist meiner Meinung nach sehr gut, die 401 ppi tun auch in Sache Schärfe ihr Übriges. Dazu kommen die sehr gute Blickwinkelstabilität und die maximale Helligkeit (660 cd/m²) des Gerätes, die auch ohne Extremstreflektionen ein Ablesen des Displays ausserhalb geschlossener Räume sehr gut möglich machen.

Kurzum: Das Display macht auf mich einen sehr guten Eindruck – das kennt man auch anders. Erwähnenswert ist übrigens noch, dass man – je nach Vorliebe – einen Teil des Displays auch für die Navigation nutzen und dafür die kapazitiven Tasten, die am unteren Rahmen standardmässig aktiviert sind, deaktivieren kann. Einige User haben sich übrigens bereits über einen leichten Gelbstich beklagt, den ich an meinem Testgerät nicht feststellen konnte – hier soll es sich nach Angaben von OnePlus um einen noch nicht ausgehärteten Kleber handeln, der das Phänomen erklären soll.

DER AKKU

Hatte OnePlus im Vorgänger-Modell noch einen Akku mit 3100 mAh verbaut, kommt das OnePlus 2 mit einem 3300 mAh Lithium-Polymer-Akku daher und aufgrund der Hardwarespezifikationen darf man ruhig der Meinung sein, dass diese Steigerung durchaus Sinn macht. Natürlich musste auch das OnePlus 2 mit seinem Akku durch die Knochenmühle namens „PCMark“ und sich den Fakten des Tests stellen. Wie mittlerweile gewohnt, setzen wir auch hier die selben Parameter wie bei unseren anderen Tests: Manuelles Herunterregeln der Helligkeit auf 50%, Einschalten von WLAN und Bluetooth und aller Benachrichtigungen.

OnePlus2_PCMark

Anschließend durfte der Benchmark bei 100% Akku seine Arbeit aufnehmen und bis zum Stand von 20% einige Szenarien am Stück durchlaufen, die wir in Summe zwar seltenst so schnell hintereinander nutzen, die aber zumindest grob ausspucken sollten, wo wir denn mit den 3300 mAh im OnePlus 2 am Ende stehen. Das Ergebnis: Durchaus in Ordnung. War der Akku vorher vollgeladen, stand am Ende des Benchmarks noch 20% Restlaufzeit und laut PCMark ein Work Battery Life-Wert von 6:30 Stunden zu Buche. Rechnet man das Ganze dann hoch, kommen wir somit auf 8:08 Stunden. Für die Specs des Telefons durchaus okay und teilweise mehr, als man erwarten durfte, sofern man das Thema Snapdragon 810 und Hitzeentwicklung mit in die Überlegungen einfliessen läßt.

Wie immer gilt hier: Dies ist (m)ein Testszenario und meine individuelle Nutzung eines jeden Endgerätes wird sich wohl definitiv von Eurer unterscheiden. Im Alltag habe ich die Helligkeit des Gerätes auf automatisch gestellt, WLAN und Bluetooth immer an, rufe drei E-Mail-Konten per Push ab, bin täglich in den üblichen sozialen Netzwerken- und News-Apps unterwegs und bekomme die (doch recht häufigen) Benachrichtigungen unseres Blogchats. Dieses Szenario führte dazu, dass ich morgens um 06:30 Uhr das Haus verließ und schon um 15:00 Uhr die 15%-Marke an Akku-Reststand erreichte, was mich dann wiederum das fast in Vergessenheit geratene Akkupack zücken ließ. Diesen Effekt hatte ich bei einem Smartphone lange nicht mehr gehabt – nach den ersten drei Tagen wurde es besser, ich lasse mich aber mal an dieser Stelle zu der Aussage hinreißen: Das geht besser, OnePlus! Vom Akkuvolumen her sollte das Gerät auch mit der vorhandenen Ausstattung über den Tag kommen und nicht schon nachmittags die Segel streichen – das schreit nahezu noch nach softwareseitiger Optimierung, sofern man seine bisherige Smartphonenutzung nicht wegen eines neuen Endgerätes einschränken möchte.

DIE PERFORMANCE

Kurz und knapp: Toll. Hier könnte ich jetzt aufhören, denn die Mischung aus Snapdragon 810-SoC, der Adreno 430-GPU und 4 GB LPDDR4 RAM im 64 GB-Modell rocken einfach. Mehr geht hier fast nicht mehr, die 53.337 Punkte im AnTuTu-Benchmark sprechen auch ihre Sprache und ja, es gibt eine gewisse Wärmeentwicklung – was aber logisch ist und nicht anders zu erwarten war: Bereits beim Einrichten des Gerätes und Installieren der gewohnten Apps, die ja über den Play Store nach und nach auf dem Gerät landen, merkte man nach relativ kurzer Zeit bereits eine Erwärmung im Bereich der Kamera. Nicht so heiss, das es stören würde, aber schon wärmer als es – natürlich – bei den 801er-Serien oder dem 808er der Snapdragon-Reihe im LG G4 war.

Zu keinem Zeitpunkt – auch bei Spielen nicht – ging die Performance aber extrem spürbar in die Knie, Need for Speed und Asphalt 8 sind da ja meistens die besten Auslöser für Throttle-Effekte des Prozessors. Hier denke ich aber mal, dass OnePlus bewusst nicht auf die 2 GHz-Variante des Prozessor gesetzt hat, wie sie beispielsweise im LG G Flex 2 oder dem HTC M9 im Einsatz kamen. Die 1,8 GHz sind daher als sehr guter Kompromiss zu verstehen, der bei stetiger Volllast nicht gänzlich einbrechen sollte wie die höher getakteten Varianten.

OnePlus2_AnTuTu

DIE KAMERA

Ihr kennt das ja mittlerweile – in meinen Testberichten weise ich ja häufiger darauf hin, dass bei mir der Gesamteindruck eines Smartphones mit der Kamera steht oder fällt, während mir dieser Aspekt bei Tablets eher weniger wichtig ist. Wer sich also im Jahr 2015/2016 als „Flaggschiff-Killer“ – ich muss einfach immer darauf verweisen – bewähren möchte, muss an den Kameras von iPhone 6/+, dem LG G4 oder den S6-Serien von Samsung vorbei. Ohne Wenn und Aber.

Schaut man nun auf die Kameratechnik des OnePlus 2 und vor allem auf den Vorgänger, fällt direkt auf: Bei der Kamera hat sich eine Menge getan. Dank integrierten optischen Bildstabilisator gelingen Bilder auch bei wenig licht größtenteils verwacklungsfrei, auch die Auslösezeit ist mehr als nur annehmbar – der Laser-Fokus tut hier sein übriges. Nominell bewegen wir uns kameratechnisch mit 13 Megapixeln (1,3um), einer f/2.0-Blende und sechs Linsen bei der rückwärtigen Kamera samt Dual LED-Blitz und mit 5 Megapixeln bei der Frontkamera durch die Welt.

Die 4K-Videoaufnahme beherrscht die Hauptkamera ebenfalls, 120 fps bei 720p sind qualitätstechnisch ebenfalls möglich und auch die Slow Motion-Videoaufnahme bei 4K meistert das OnePlus 2. Ein wenig Wärme bei längerer Nutzung der 4K-Funktionen sollte man indes schon einplanen, ein Abschalten der Kamera-Funktionalität, wie es seinerzeit unter anderem beim Sony Z3+ nach kurzer Zeit der Fall war, konnte ich im Test nicht feststellen – ich habe aber auch keine exzessiven Videosessions versucht.

OnePlus2_Schloss2

Die Kamera-App ist direkt über den Launcher, den Lock-Screen oder via Geste aufzurufen und reagiert schnell. Optionstechnisch sind genau die Punkte da, die man für ein schnelles Bild benötigt und die schon quasi standardtechnisch in den Kamera-Apps vorhanden sind: Foto, Video, Panorama, Zeitlupe- und Zeitraffer. Einen manuellen Modus, der einem dann natürlich noch deutlich mehr Möglichkeiten bietet als die Automatik-Funktionen, ist ebenfalls direkt erreichbar. Positiv zu bewerten ist auch die Auslöseverzögerung – das OnePlus 2 muss man nicht noch zwei Sekunden festhalten, bevor das Bild dann im Kasten ist und der Schnappschuss kein Schnappschuss mehr ist. Das kennt man auch anders.

OnePlus2_Kameraeinstellungen

Knips-Fazit: Mich hat die Kamera im OnePlus 2 überzeugt – zwar gibt es Momente, wo ich meine, Szenerien eher etwas farbloser eingefangen zu haben, als es möglich wäre, im Großen und Ganzen stimmt aber die Farbtreue ebenso wie die generelle Qualität der Bilder. Die Auslöseverzögerung ist ungewohnt gut, somit gelingen auch Schnappschüsse, ohne dass das Motiv mittlerweile wieder woanders hockt. Auch der manuelle Modus bietet einem genug Möglichkeiten, sich auch abseits der Standardmodi entsprechend auszutoben. Subjektiv empfunden ist die Kamera eine der herausstechenden auf dem Markt, wenngleich sie aber auch nicht an die Qualität der Kameramodule in den oben bereits erwähnten Geräte aus den Häusern Samsung, Apple und LG heranreicht. Auch die Optionsvielfalt bei den Kameraprogrammen überzeugt und speziell der HDR-Modus sticht bei den Bildern vom OnePlus 2 meiner Meinung sehr auffällig heraus.

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DIE SOFTWARE

Nach der Berichterstattung rund um die Abkehr von Cyanogen OS, das ja noch das OnePlus One befeuerte, setzt das Unternehmen nun auf das hauseigene Oxygen OS, welches einen minimalen Herstelleraufsatz auf einem sonst sehr schlanken und Vanilla-nahen Android 5.1.1 darstellt. Bezüglich Android M gilt aktuell übrigens die Devise „Nichts genaues weiss man nicht“ – hier fehlen einfach die Infos, ob und wann man plant, auf die aktuellste Android-Version zu gehen. Nun denn: Direkt bei der Ersteinrichtung des Gerätes haben wir die Möglichkeit, uns für eine Tastatur zu entscheiden – ich bin beispielsweise ein Freund der Google-Tastatur, als Alternative lässt mir OnePlus aber auch die Möglichkeit, direkt mit einer SwiftKey-Tastatur zu starten. Hat man sich dafür entschieden, prüft das Gerät erst einmal die Verfügbarkeit von Oxygen OS-Updates, dann kann man loslegen und die üblichen Einrichtungsschritte weiter verfolgen, die man auch von anderen Android-Geräten kennt.

OnePlus2_Welcome

Optisch wirkt das Ganze wirklich nah am Vanilla-Android, das Material Design dominiert natürlich und der ein oder andere Übersetzungsfehler, der sich beispielsweise in den Tiefen der Einstellungen noch tummelt, ist softwareseitig behebbar bzw. zum jetzigen Zeitpunkt durchaus zu verzeihen. Das gilt auch für einige kleine Mikro-Ruckler im Bereich des Launchers oder gar Abstürze hier und da – das ist aber Jammern auf hohem Niveau und sollte auch softwareseitig zu lösen sein.

Als optionale Erweiterung des Launchers lässt sich übrigens auch Shelf verwenden: Hier können wir durch das Wischen nach rechts eine Übersichtsseite zu Tage fördern, wo die bekannten Widgets, die beliebtesten Apps oder die letzten Anrufer in Kartenform hinzugefügt werden können. Das erfordert Anfang eine Umgewöhnung, man spart sich aber beispielsweise das Wetter-Widget, da hier in der Übersicht das Wetter des aktuellen Standorts bereits angezeigt wird. Eine kleine, aber feine und auf Wunsch auch wieder deaktivierbare Erweiterung, die Sinn macht.

Generell positiv in Sachen Umfang von Oxygen OS: Lästige Software, die man nicht braucht oder sinnfreie Apps finden wir auch hier nicht – das System kommt schlank und nur mit dem Notwendigsten, aber auch mit den entsprechenden Google-Diensten- und Apps daher: Die hauseigene Gallerie-App, einem Equalizer und die anderen gewohnten Helferlein, die jeder Hersteller seinem eigenen Aufsatz mit auf den Weg gibt, komplettieren das Ganze – daher lässt sich mit Fug und Recht behaupten: Keine Bloatware auf diesem Gerät, ein Punkt für OnePlus!

OnePlus2_Software_SIM

Die Dual-SIM-Steuerung gefällt mir ebenfalls sehr gut (das OnePlus 2 unterstützt übrigens alle deutschen LTE-Frequenzbänder) und einen besonderen „Aha“-Effekt konnte mir der Fingerabdruckleser entlocken, der auch als (nicht physisch zu betätigender) Homebutton fungiert: Nach dem Anlernen des ersten Fingerabdruckes sorgte er sehr verlässlich dafür, dass das Gerät zum richtigen Zeitpunkt entsperrt werden konnte. Um ehrlich zu sein: Ich hätte ich diese Genauigkeit bei dem Gerät eigentlich nicht erwartet – die Messlatte liegt hier halt bei den bereits bekannten Smartphones mit Fingerabdruckleser bereits sehr hoch, bei diesem Wettkampf kann das OnePlus 2 aber ruhigen Gewissens mitziehen.

DAS FAZIT

Es könnte alles so schön sein – auch trotz der fehlenden NFC-, Qi- und Schnellladefunktion überzeugt mich das OnePlus 2 in Sachen Gesamtpaket: Das Gerät ist in Sachen Design trotz 5,5 Zoll ein Smartphone, was toll in der Hand liegt und hochwertig wirkt. NFC ja oder nein – das ist immer noch ein Glaubenskrieg und ob das zum jetzigen Zeitpunkt ein Must-Have ist oder nicht, sei einfach mal dahingestellt.

Daran möchte ich aber nicht die Gesamtbewertung des Smartphones ausmachen, auch wenn ich es in einem Gerät von „heute“ als gesetzt betrachte. Das Gerät ist hochwertig verarbeitet, hat einen sehr guten Fingerabdrucksensor, bringt USB Type-C sowie den aktuellsten und offenbar nicht als verkappte Taschenheizung fungierenden Snapdragon 810 mit sich. Auch die Kamera überzeugt und die Dual Sim-Funktion rundet das Gesamtbild des Gerätes noch mehr zum Positiven ab.

Jetzt kommt obligatorische „aber“, was ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen kann und natürlich geht es um das Einladungssystem, was leider zu meinem Gesamteindruck beiträgt. Ob jetzt künstlich herbeigeführte Exklusivität oder wirtschaftliches Denken gemessen an“just-in-Time“-Produktion: Das System ist meiner Meinung nach einfach nur dämlich. Sorry, anders kann ich es nicht nennen. Wenn ich die Möglichkeiten habe, möchte das Smartphone meiner Wahl kaufen. Sofort oder aber mit entsprechend kurzer Lieferzeit.

Ich möchte mich dafür aber nicht in eine Schlange stellen und hoffen, eine der anfangs spärlichen, mittlerweile gefühlt in Massen unters Volk geschmissenen Einladungen zu ergattern, damit ich mir dieses tolle Gerät kaufen darf. Okay, mein Gerät war nach drei Tagen – sinnigerweise aus England – da und hat mit Versand 419 EUR gekostet, wobei der alternativlose Express-Versand mal eben mit 20 EUR zu Buche geschlagen hat. Das weiß man aber vorher nicht und noch schwerer wiegt die Frage, wie OnePlus in Zukunft mit dem Support umgehen möchte – hier hat man sich beim OnePlus One leider auch nicht mit Ruhm bekleckert, absolut nicht.

Natürlich verstehe ich die Beweggründe, die ein junges Unternehmen davor retten sollen, bei Nichtgefallen ihr in Überschussmengen produziertes Produkt nicht zu Dumpingpreisen von der Halde abverkaufen zu müssen. Aber diese künstliche Verknappung und die immer noch hinkende Bezeichnung das „Flagship-Killers“ führen dazu, dass ich am Ende nicht weiß, woran ich bin. Versteht mich nicht falsch: Das OnePlus 2 ist technisch ein klasse Smartphone, was aber in diesem Jahr eben durch die neuen Modelle von Samsung, LG & Co. einfach so starke Konkurrenz hat, dass diese Terminologie eher zur Flaute für den selbsternannten Flaggschiff-Killer werden wird. Das Invite-System trägt dann nur weiter dazu bei, dass dieses technisch top ausgestattete Smartphone von vornherein zum Rohrkrepierer bzw. Nischenprodukt werden und damit das Schicksal seines Vorgängers leider teilen wird.

Lange Rede, kurzer Sinn: Technisch schlägt das Herz in meiner Brust für das OnePlus 2, aber ich versuche auch immer, das Ganze zu sehen und da lassen sich einige Aspekte leider nicht ausblenden: Technik hui, Drumherum leider pfui – und in Zeiten, wo es genug Alternativen gibt und beispielsweise das LG G4 schon für knappe 400 EUR (sofort) zu haben ist, werden viele Smartphone-User von einem Kauf aus China Abstand nehmen. Technisch gibt es so gut wie keine Gründe gegen einen Kauf, wenn man denn bereit ist, sich mit dem Drumherum zu arrangieren. In meinen Augen somit eine weitere verpaßte Chance, zum wirklichen „Flaggschiff-Killer“ im Jahr 2015 oder 2016 zu werden – darauf lege ich mich schweren Herzens fest.



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Über den Autor: Oliver Pifferi

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