Testbericht Canary Sicherheitssystem

17. Juli 2016 Kategorie: Backup & Security, Hardware, geschrieben von: caschy

canaryHatte man vor vielen Jahren nur wenige Möglichkeiten, halbwegs okaye und bezahlbare Kameras für die Benutzung im Kleinen zu erwerben, so gibt es heute ganz viele davon. Diverse Hersteller bieten unterschiedliche Lösungen an – das Zauberwort scheint „Consumer“ zu lauten. Waren früher die Kameras teils nur von fortgeschrittenen Nutzern einzurichten, so sieht das heute natürlich ganz anders aus. Vieles lässt sich mit dem Smartphone einrichten, alles ist super einfach und in wenigen Minuten betriebsbereit. Diese Einfachheit sorgt dann aber auch bei vielen Lösungen dafür, dass Funktionen für fortgeschrittene Benutzer verloren gehen.

canary kamera

Der soll sich im besten Fall nicht mit der Einrichtung eines eigenen FTPs oder Speichers für die Bild- oder Videoaufnahmen mühen müssen. Die Cloud ist das Ziel. Ich habe in der Vergangenheit einige dieser Lösungen (in der nahen Vergangenheit beispielsweise die beiden Geräte der Reihe Netgear Arlo) ausprobiert, zu 100 Prozent war ich nie zufrieden. Irgendwas fehlte immer. Nun flatterte die nächste Lösung zum Test ins Haus, das in Deutschland noch recht frische Canary-System. Auch hier möchte ich euch die ersten Eindrücke von der Einrichtung und Nutzung niederschreiben.

Canary startete einst bei der Crowdfunding-Plattform Indiegogo. Ziel waren überschaubare 100.000 Dollar, knapp 2.000.000 Dollar wurden es am Ende. Das Motto: Ein smartes Security-Gerät für jedermann. Die Technik von Canary steckt in einem Getränkedosen-ähnlichen Gehäuse. Folgendes ist drin:

Technik der Canary-Kamera

Kamera
* 1080p-HD-Kamera
* 147°-Weitwinkelobjektiv
* Automatische Nachtsicht
* Bewegungssensor
Sensoren
3-axialer Beschleunigungssensor
Umgebungslicht
Kapazitive Touch-Technologie
HomeHealth Technology
Temperatur
Luftfeuchtigkeit
Luftqualität
Audio und Sirene
Mikrofon
Eingebauter Lautsprecher
90+ dB-Sirene
Anschlüsse
2,4-GHz-WLAN (802.11 b/g/n), kein 5 GHz!
Kabel-Ethernet

Optik und Haptik der Canary

Würde man Liebe zum Produkt anhand des Äußeren der Verpackung festmachen, so könnte man Canary sagen: gut gemacht. Die Canary-Cam kommt schön verpackt und gut geschützt beim Kunden an. Nicht viel Schnick-Schnack ist drin in der Verpackung. Aufkleber, die Diebe abschrecken sollen, weil eine Kamera installiert ist, eine Schnellstartanleitung, Netzteil, ausreichend langes USB-Kabel und ein Audiokabel Klinke auf Klinke. Die Kamera selber gibt es in Schwarz oder Weiß, ich selber habe hier das weiße Modell, welches im Kamerabereich (der schwarze Part) einen leichten Glossy-Look hat – aber einen der nicht störenden, billig wirkenden Sorte. Das erste Anpackgefühl war wirklich gut, ordentliche Verarbeitung, nichts wirkte billig.

Einrichten der Canary-Kamera

Die Verpackung und die Schnellstartanleitung verweist auf die Webseite, beziehungsweise die App. Letztere gibt es für iOS und Android. Nachdem Laden der App kann ich entscheiden: bin ich bereits Nutzer oder bin ich neu dabei? Der neue Nutzer muss ein Konto einrichten. Seinen Canary-Account, über den er Zugriff auf die einzelnen Aspekte hat. Dann geht alles ganz schnell. Ich werde geortet und aufgefordert die Kamera an das Netz anzuschließen. Die App informiert mich über die Einrichtungsmöglichkeiten. Ich kann per Touch Bluetooth an der Kamera aktiveren, woraufhin sie mit eurem Smartphone und dem Netzwerk gekoppelt wird.

Das geschieht per WLAN, alternativ könnt ihr auch das Netzwerkkabel nehmen. Da man so eine Kamera vielleicht auch variabel benutzen will – solche Situationen können vorkommen – sollte man hier vielleicht das WLAN wählen. Neben der Bluetooth-Einrichtung gibt es noch die Audiokabeleinrichtung, hierbei werden die Informationen über das Kabel an die Kamera übertragen. Anschluss an Smartphone und Kamera, fertig.

Die Einrichtung dauert wirklich nur ein paar Minuten, die App ist deutschsprachig und während der Einrichtung habe ich einige nützliche Dinge zur Benutzung erfahren. Super gelöst, Daumen nach oben. Sollte jeder hinbekommen und damit hat Canary das erste Ziel erreicht.

Sensoren des Canary-Sicherheitssystems

Angeschlossen und eingerichtet hatte ich die Kamera also. Ging auch ohne Schnellstartanleitung, die App zeigte mir ja während der Einrichtung, was machbar ist. Abseits der Kamerafunktionen sind noch Sensoren verbaut. So etwas kann – muss aber nicht. Ist Geschmacksache. Die Sensoren liefern eine aktuelle Information über Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität.Das Ganze einsehbar in einer Timeline. Mich persönlich interessieren diese Daten nur wenig, doch ich kenne Leute, die finden das gut.

canary sensoren luft

Und die Canary-Lösung macht das wirklich gut. Wer mag, der kann sich die Daten nicht nur anschauen, auch Benachrichtigungen sind möglich, sofern ein gewisser Wert erreicht wird. Steigt die Temperatur oder unterschreitet einen von euch justierten Bereich, so gibt es eine Meldung per Push auf das Smartphone. Das Ganze lässt sich an zusammengefassten Werten festmachen, alternativ kann man jeden der drei Werte einzeln zum Auswahlkriterium machen.

Kamera der Canary

Die Kamera der Canary löst mit 1080p auf und hat ein 147° Weitwinkelobjektiv. Damit sieht man, entsprechende Platzierung vorausgesetzt, wirklich viel vom Raum. Die „Überwachung“ kann mehrstufig und / oder smart erfolgen, kommt ganz auf euer Nutzungsszenario an. Ihr habt natürlich eine Liveansicht der Kamera. Da die Kamera Bewegungsmelder hat, kann man sich logischerweise über Ereignisse informieren lassen. Dann kommt eine Nachricht per Push, die aufgenommene Bewegung wird aufgezeichnet und in der Cloud gespeichert – kann via App ganz normal abgerufen werden. Doch damit nicht genug. Die App bietet drei Modi: Zuhausemodus, Nachtmodus und Unterwegsmodus. Jeder dieser Modi hat Unterpunkte. Übrigens: Canary zeichnet Videos mit Ton auf, kann aber nicht wie eine Gegensprechanlage funktionieren.

Der Zuhausemodus

Canary nutzt Geofencing. Kann also den Standort eures Smartphones bestimmen, sodass die Sicherheitslösung weiss, wann ihr euch in den eigenen vier Wänden aufhaltet. Das kann praktisch sein, denn so ist automatisch sichergestellt, dass ihr eben keine Push-Mitteilungen bekommt, nur weil die Kamera eure Bewegungen erkennt. Was aber ebenfalls möglich ist: Automatisches Aktivieren des Privatmodus. Dabei wird nicht aufgenommen.

Die Kamera geht davon aus, dass ihr nicht gestört werden wollt, zuhause seid und eben keine Videokamera benötigt, die aufzeichnet. Man kann aber auch -nicht überraschend – im Zuhausemodus weiterhin Bewegungen in Videoform aufnehmen und sich auch Push-Mitteilungen schicken lassen. Einstellbar. Wie initial erwähnt: Durch Geofencing weiß die App, wo ihr rumturnt und kann gegebenenfalls automatisch aufnehmen oder in den privaten Modus schalten. Übrigens: Ist die Kamera scharf, so erkannt man das an einem Licht auf der Unterseite.

Der Nachtmodus

Die Kamera hat einen Nachtmodus. Bedeutet, dass sie in der Nacht scharfgestellt ist und Bewegungen aufzeichnet – zudem euch gegebenenfalls auf eurem Smartphone informiert. Die Kamera beherrscht die Nachtsicht, die Empfindlichkeit des Bewegungsmelders kann in diversen Stufen reguliert werden, das dürfte sicherlich bei frei beweglichen Haustieren nützlich sein. Man will ja nicht dauernd Alarme haben, weil die Katze durch dien Bude tigert.

canary nachtmodus

Der Unterwegsmdus

Manuell oder automatisch aktiviert, zeichnet er Bewegungen auf oder meldet per Push.

Die Benachrichtigungen

Canary agiert transparent. Es gibt eine Timeline in der App. Sie stellt nicht nur Benachrichtigungen dar, man kann hier auch sehen, wann welcher Nutzer einen Modus per Hand aktiviert hat. Man kann Nutzer einladen, die ebenfalls Zugriff haben. Ebenfalls sieht man hier die aufgenommenen Videos, kann diese herunterladen oder für später als Lesezeichen setzen. Übersichtlich: Canary unterscheidet, so gibt es einmal die generelle Timeline, eure Lesezeichen und einen separaten Reiter für alle Ereignisse im Unterwegsmodus.

canary bookmark

Sirene und Notruf

In der App kann der Nutzer die Sirene der Canary aktivieren. 90 Dezibel. Habe ich ausprobiert, ist schon gut laut um einen etwaigen Einbrecher zu erschrecken. Oder um den Babysitter zu wecken. Oder den Partner daran zu erinnern, die Hand aus der Hose zu nehmen (erwähnte ich den Privatmodus und die Tatsache, dass man ein Umschalten von Modi in der App nachvollziehen kann? Deshalb: Spioniert niemanden unwissentlich aus).

Die App

Die App ist derzeit Dreh- und Angelpunkt. Hier geschieht alles. Eine Web-Variante des Ganzen ist in Planung. Android finde ich derzeit etwas besser beim Verbindungsaufbau als die iOS-Variante. Letztere zeigt nach 5 bis 10 Sekunden ein Live-Bild an, während Android in meinem Falle nach circa 2 Sekunden startklar war. Cloud-bedingt haben beide Varianten eine Verzögerung von ungefähr 5 bis 7 Sekunden.

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Das Bild lässt sich im horizontalen als auch im vertikalen Modus wiedergeben, der Landscape-Modus zeigt das Bild logischerweise aufgrund der Bildschirmdiagonalen schicker an, da die Fläche besser ausgenutzt wird. Im App Store von Apple kommt die App derzeit auf zwei Sterne, kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Aber: Es kam bisher zweimal vor, dass ich nach Beenden der App aus einer Live-Ansicht heraus bei erneutem Start nicht wieder in die Live-Ansicht kam unter iOS. Musste die App abschießen und neu starten.

Fazit bisher?

Wirklich gut. Die Canary-Kamera macht was sie soll – und die App ist besser als die von vielen anderen Lösungen (Devolo, ich schau dich an!). Ich testete diese Art der Lösungen ja in der Vergangenheit und kann sagen, dass mir die Canary von den Indoor-Kameras in Sachen Handling am besten gefällt. Sie fällt aufgrund ihrer Bauweise nur wenig auf und ist in Sachen Nutzen meiner Meinung nach wesentlich besser als eine Withings Home (Testbericht Withings Home), die bei mir damals einen durchwachsenen Eindruck hinterließ. In Kurzform: Leicht einzurichten, funktioniert sofort, einstellen und vergessen.

Aber:

Ich könnte fast bedenkenlos empfehlen, wenn ein Nutzer eine leicht einzurichtende Lösung sucht, die er einmal einrichtet und dann funktioniert. Nun kostet die Kamera um 219 Euro und manchmal wollen Nutzer halt etwas mehr damit machen – oder einfach wissen, wie es um die Aufzeichnung in der Cloud bestellt ist. Dienste wie IFTTT? Derzeit nicht unterstützt. Speichern auf einer SD-Karte, anderen Clouddiensten oder dem eigenen Speicher? Ebenfalls nicht unterstützt. Dazu kommen die Cloud-Pläne. Diese sehen wie folgt aus: Benachrichtigungen ohne Ende und die letzten 12 Stunden Videomaterial sind immer drin. Aber: Dafür gibt es eben nur drei Downloads der Videos und fünf Lesezeichen. Ein Mehr kostet schon wieder – und das geht dann bei 4,99 Euro im Monat los.

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Bei diesem Anschaffungspreis hätte ich mir schon mehr im kostenlosen Plan gewünscht. Bin ich beispielsweise um 18:00 Uhr aus dem Haus gegangen und kehre nach 08:00 Uhr am nächsten Tag zurück, so fehlen mir unter Umständen die zwei Stunden zwischen 18.00 und 20:00 Uhr – wenn etwas hier passierte, habe ich es nicht mehr auf Video. Ok, nun kann man sagen dass man ja zwischendurch Benachrichtigungen hätte sehen können und man dann die Videos vorher herunterladen kann – sollte aber dennoch als Überlegung dienen. Positiv zu erwähnen bei den Plänen: es gibt keine Speicherbegrenzung, sondern die Basis Videoverlauf.  Canary selber hat für Interessierte eine FAQ nebst Informationen zur Verschlüsselung online gestellt.



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Über den Autor: caschy

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