Testbericht: Bose QC35 – wie Sie hören, hören Sie nichts

6. August 2016 Kategorie: Android, Hardware, iOS, geschrieben von: Benjamin Mamerow

bose logoEs ist wirklich nicht einfach zu beschreiben, wie oft und intensiv ich eigentlich so in meinem Alltag mit Musik zu tun habe und wie ich diese dann für mich dosiere. Das Autoradio dudelt ununterbrochen, daheim sind es meist die CDs vom Sohnemann, die mich berieseln und zwischendurch bin ich einfach auch mal ganz froh, wenn es um mich herum einfach mal still ist, beim Bloggen zum Beispiel. Da unterscheide ich mich ganz klar von vielen, ich weiß. Aber es gibt so Momente, da will ich einfach MEINE Musik hören. Volbeat, Broilers und gelegentlich auch Iron Maiden und diverse andere Interpreten, die viele vielleicht eher in die Schublade „Der is irgendwie anders“ abschieben würden.

Die Meinungen interessieren mich nicht, was ich beim Hören aber brauche, ist Lautstärke, satte Bässe und klare Töne. Und vor allem: nichts soll mich dann vom Hören ablenken. Was eignet sich da besser, als Kopfhörer, die akustisches Noise Cancelling bieten? Genau, nüscht! Und da hat Bose –  als Erfinder dieser Technologie geltend – vor einer Weile bereits den QuietComfort 35 auf den Markt gebracht, den ersten Kopfhörer des Unternehmens mit Bluetooth und Noise Cancelling.

BOSE_QC35_boxed

Das Gerät kostet knapp 380 € und somit rund 50 € mehr als sein direkter Vorgänger QC25. Optisch hat sich nicht viel geändert, lediglich das Kopfband ist ein wenig breiter geworden und sitzt so noch besser an der Rübe. Ich habe zum Vergleich einmal das viel von ihm umworbene QC25 eines guten Freundes herangezogen und musste feststellen, dass das QC35 einen Tick schwerer geworden ist (Herstellerangabe: 310g ohne Kabel), was mir beim Tragen dann aber tatsächlich nicht wirklich aufgefallen ist.

BOSE_QC35_unboxed

Der Kopfhörer ist der erste des Herstellers, welcher vorrangig via Bluetooth – also kabellos – funktioniert und somit deutlich mehr Tragekomfort bieten soll. Alternativ kann aber immer noch ein 1,2 Meter langes Kabel angeschlossen werden. Wofür sich dieses außerdem noch eignet, dazu komme ich später im Beitrag. Als Farbvarianten bietet Bose das Gerät in Silber oder Schwarz an, wobei ich persönlich von der silberfarbenen Version nicht so angetan bin.

Testbericht: Bose Soundlink Around Ear 2

Das unschlagbare Hammerfeature des QC35 ist und bleibt das aktive Noise Cancelling. Dabei verarbeiten zwei Chips im Gerät (einer für jedes Ohr) jedes von außen eindringende Störgeräusch und erzeugen ein exakt gleiches Gegensignal, welches innerhalb eines Bruchteils von Millisekunden das entsprechende Geräusch stilllegt.

BOSE_QC35_Anschluesse

Ausdauer

Dabei soll der integrierte Akku bis zu 20 Stunden Laufzeit bieten, bei meiner persönlichen Nutzung konnte ich da aber sogar bei knappen 28 Stunden landen. Richtig gelesen: Integrierter Akku, Li-Ionen, um genau zu sein. Und dieser ist leider nicht vom Besitzer selbst austauschbar, wenn der Akku dann irgendwann einmal das Zeitliche segnet, sondern der Kundendienst müsste sich dann darum kümmern. Andere Hersteller setzen hier immer noch auf AAA-Batterien, die man zur Not auch schnell nachkaufen kann, sollte sich der Ladezustand mal gen Null bewegen.

Viele Tester sind hier der Meinung, dass es auch durchaus besser ist, nicht ständig Batterien wechseln zu müssen – der integrierte Akku als „Killerfeature“. Ich sehe das anders. Habe ich einmal vergessen, den Akku zu laden, ist es schon blöd, wenn ich mitten auf dem Flug feststellen muss, dass nix mehr geht. Bei AAA-Batterien kann ich mir welche beiseite legen, die ich dann zur Not schnell wechseln kann.

Hier hat Bose aber mitgedacht und ein 1,2 Meter langes Kabel (ohne Fernbedienung) in den Lieferumfang gelegt. Mit diesem kann ich dann auch weiterhin meine Musik hören, wenn auch ohne Noise Cancelling. Die Bluetooth-Funktion ist ohne Akku selbstverständlich auch tot. Zum Laden des Akkus liegt dem Gerät ein 30,5 cm langes USB-Kabel bei.

BOSE_QC35_Volumecontrol

Knöpfchenkunde

Wie wird der Kopfhörer bedient? Nun, zu meinem Glück geht die Bedienung schnell ins Blut über und ist wirklich intuitiv. An der rechten Ohrmuschel befinden sich die notwendigen Buttons. Der Powerschalter wird kurz nach vorn geschoben und vermeldet direkt zu Beginn erst einmal, wie viel Prozent Akku noch vorhanden sind und welche Geräte bereits mit dem Gerät gekoppelt sind. Zwischen den Lautstärkereglern sitzt ein Multifunktions-Button, der bei kurzem Klicken den Track pausiert, bei längerem Klicken eine 5 Sekunden-Pause einlegt und per Doppelklick einen Track nach vorne springt.

Außerdem lassen sich hier auch Anrufe entgegennehmen, denn der Kopfhörer eignet sich auch hervorragend als Headset. Dabei können bis zu zwei unterschiedliche Endgeräte mit dem QC35 gekoppelt werden, wahlweise sogar per NFC initiiert. Die Verwendung des Kopfhörers zum Telefonieren hat auch den Vorteil, dass störendes Rauschen oder Knistern beim Anrufer direkt unterdrückt werden und das ankommende Signal so sehr deutlich zu verstehen ist.

BOSE_QC35_Ohrmuschel-Gelenk

Eindruck

Von der Verarbeitung her kann ich wirklich nichts Negatives feststellen. Der Kopfhörer sitzt dicht an den Ohren, das verwendete Material ist angenehm weich, aber robust und die Gelenke an den Ohrmuscheln sehen zwar anfällig aus, sind am Ende aber doch sehr ausdauernd und machten auch nach gefühlt tausendfachem Ein- und Ausklappen keine Anstalten. Die Buttons haben einen guten Druckpunkt und beim Powerschalter bekommt man ja akkustisch eine entsprechende Resonanz, ob man diesen denn auch ausreichend bedient hat.

Über die Bose Connect App, die es für Android und iOS gibt, lassen sich einige Einstellungen vornehmen. So kann man hier die Sprachausgabe des Kopfhörers von Englisch auf Deutsch umstellen oder festlegen, nach welcher Zeit sich der Kopfhörer deaktivieren soll. Tut man das nicht, so ist der Akku irgendwann nun mal leer, denn der QC35 schaltet nicht selbstständig nach einer gewissen Inaktivität ab. Außerdem können hier Firmware-Updates vorgenommen und die entsprechend verbundenen Geräte verwaltet werden. Ansonsten ist die App wirklich eher schlicht in Umfang und Optik gehalten.

BOSE_Connect_App

Der Klang

Kommen wir nun zum vermeintlich wichtigsten Aspekt des QC35 – die Klangqualität. Wie bereits eingangs angemerkt, besitze ich einen dezent alternativen Musikgeschmack. Aber gerade diese Seite der Musik bietet enorm viele Fascetten unterschiedlichster Details, die hörbar sind – oder eben nicht. Als umfassendes Vorab-Fazit kann ich sagen, dass mich der Kopfhörer wirklich überzeugt.

Vorrangig höre ich meine Tracks via Spotify Premium in hoher Qualität. Höhen, Mitteltöne und Tiefen klingen in normalen Lautstärken ausgesprochen sauber. Auch hier gilt wieder: Es handelt sich um meine subjektive Wahrnehmung – das Klangerlebnis kann von Jedermann anders aufgenommen werden. Ich mag nicht einmal behaupten, dass mein Gehör nicht über die Jahre schon ein wenig arg gelitten hat.

Was ich aber ganz klar hören konnte, dass war ein fieses Zerren des Basses sobald ich wirklich Rumms auf die Leitung gedrückt habe und die Lautstärke auf ein ungesundes Maß hochgeregelt hab. Das mache ich nicht oft und auch höre ich kaum noch hauptsächlich Bass-getriebene Mucke wie früher, aber hier musste der Test einfach sein. Und um zu testen, dass es sich hier nicht um einen Einzelfall handelt, habe ich bei einem lokalen Elektronikmarkt reingeschaut und die dortigen Ausstellungsgeräte des QC35 aufgesetzt. Anderer Titel, wieder tiefe starke Bässe – same procedure.

BOSE_QC35_Powerschalter

Nun muss ich aber zur Verteidigung von Bose ganz klar anbringen, dass es sich hierbei wirklich um kein übliches Szenario handelt, das den Otto-Normal-Nutzer darstellt. Aber das Extrem muss meiner Meinung nach auch geprüft werden. Leider versagt – hier sollen die Sennheiser Momentum angeblich deutlich besser abschneiden („sollen“, weil nicht von mir persönlich getestet und daher mit entsprechender Distanz betrachtet).

Fazit

Betrachtet man aber den QC35 aus der Sicht eines Musikliebhabers, so bleibt zu sagen, dass es sich hier um wohl eines der besten Klangerlebnisse handelt, das ich bisher auf die Ohren bekommen habe. Glaubt man audiophilen Schreiberlingen im Netz, so bietet hier die Kombination aus angeschlossenem Kabel und aktiviertem Noise Cancelling den besten und saubersten Klang. Arbeitet der Kopfhörer kabellos via Bluetooth, so muss einfach die meiste Arbeit digital verrichtet werden, um ähnlichen Klang zu erzielen. Da muss man zwangsläufig damit rechnen, dass anstatt 100% Zufriedenheit eher 97% dabei rumkommen 😉 Ich denke, ein immer noch durchaus annehmbares Ergebnis.



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Über den Autor: Benjamin Mamerow

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