Testbericht: 360fly 4K – klein, robust, besser?

6. November 2016 Kategorie: Hardware, geschrieben von: Benjamin Mamerow

test-360fly-4k-250x250Seit meinem Test der Gear 360-Cam von Samsung hat sich recht wenig getan auf dem Markt der handlichen 360°-Kameras. Bereits vorher war die 360fly als solche bekannt geworden, wurde meiner Meinung nach aber vom koreanischen Konkurrenzprodukt abgehängt. Seit nicht allzu langer Zeit wird nun aber auch die 360fly 4K-Version beworben und will mit 4K-Videos und innovativem First-Person-Modus überzeugen. Ich habe mir die Kamera mal näher angeschaut und versucht herauszufinden, ob die Features wirklich einen Preis von immerhin 699 € rechtfertigen können.

test-360fly-4k_1

Schon die pillen-förmige Box, mit der die Kamera kommt, macht einiges her und fungiert laut Hersteller auch als perfektes Plätzchen, an dem man die Kamera sicher verstauen kann falls man sie für eine gewisse Zeit nicht zu verwenden gedenkt. Kann man sich sicherlich im Gegensatz zu einem schnöden Karton durchaus ins Regal stellen. In der Box befinden sich neben der Kamera noch ein Micro USB-Kabel mit USB 2.0, eine kleine Schutztasche aus schwarzem Neopren, eine Magnet-Ladeschale mit USB-Anschluss und ein Action Cam-Adapter.

Doch was macht die 4K-Version der 360fly nun anders als ihr Vorgänger, die 360fly HD? Und warum könnte diese Kamera 360°-Enthusiasten noch eher gefallen, als Samsungs Produkt für deutlich weniger Geld? Schauen wir vielleicht zuerst einmal auf die Spezifikationen der 360fly 4K:

Specs der 360fly 4K

Aufnahme:

  • Video: 16 MP; Auflösung 2880 x 2880 Pixel bei 30 Frames pro Sekunde; 360° horizontal – 240° vertikal; 16:9 POV-Video möglich (im First-Person-Modus)
  • Videoformat: H.264
  • Audioformat: Stereo, 48 KHz, 96Kbps AAC
  • 360° Timelapse-Video-Modus (Shutter-Intervall 0,5 / 1 / 2 / 5 / 10 / 30 und 60 Sekunden)
  • Foto: 360° horizontal – 240° vertikal, 16:9 POV-Foto, Burst-Aufnahmemodus optional

Features:

  • 3-farbige LED für Betriebsanzeigen in Rot, Grün und Blau
  • ein einzelner Knopf für An/Aus und Aufnahme Start/Stop
  • omnidirektional gerichtetes Mikrofon
  • eingebauter Vibrationsmotor
  • Sensoren: E-Kompass, Gyroskop, Höhenmesser, Beschleunigungsmesser, GPS
  • Speicher: integrierte 64 GB, nicht erweiterbar (soll für knapp 1,5 Stunden Videoaufnahme in 360° 4K reichen
  • Verbindung: WLAN 2,4 GHz und 5 GHz 802.11 b/g/n; Bluetooth Low Energy
  • USB 2.0
  • Smartphone-App zum Übertragen, Editieren und Teilen/Anschauen der Aufnahmen für iOS und Android, sowie PC-Software für OS X 10.8 oder neuer und Windows 7 oder neuer
  • wasserdicht bis ca. 10 Meter
  • staubgeschützt nach IP6X-Standard
  • verträgt Stürze aus maximal 1,5 Metern Höhe

Akku:

  • eingebauter Li-Polymer-Akku
  • 1780 mAh
  • wird über Magnet-Ladeschale geladen
  • laut Hersteller 2,5 Stunden Ladezeit bei 1,5 A
  • Akku-Laufzeit: Standby bis zu 14 Stunden, bei durchgehender Aufnahme bis zu 1,5 Stunden

Abmessungen:

  • Kamera: 61 mm Durchmesser
  • Magnet-Ladeschale: 46 mm x 12 mm
  • Gewicht: rund 172 Gramm

test-360fly-4k_5

Verarbeitung

Beim ersten Betrachten der ausgepackten Kamera fällt sofort eine gewisse Asymmetrie ins Auge. Das liegt natürlich am Design, welches die Kamera umgibt und ja nun bewusst so gewählt wurde. Dennoch stört meinen inneren Monk der dadurch schief sitzende einzige Button an der Kamera:

test-360fly-4k_3

Ja das ist Meckern auf hohem Niveau, aber sticht nun mal ins Auge 😉 Das Material wirkt robust, das Design modern – wird allerdings (wie man auch in obigem Foto erkennen kann) durch eine Naht, die die Sphäre halbiert unschön gestört. Da die 360fly 4K wasserdicht bis zu 10 Meter und staubgeschützt nach IP6X-Standard sein soll, muss man sich um die Naht aber vermutlich keine Sorgen machen.

Wo bei der Samsung Gear 360 zum Laden noch das Micro USB-Kabel in den hinter einer Klappe versteckten Port gesteckt werden musste, kann man hier auf eine mitgelieferte Magnet-Ladeschale setzen. Diese wird via USB mit Strom versorgt. Die Batterie und der Speicher sind leider nicht austauschbar. Setzt man die Kamera auf die Schale, richtet sich die 360fly 4K dank der Magneten selbstständig auf die richtige Position aus und beginnt mit dem Ladevorgang.

Handhabung

test-360fly-4k_2

Im Einsatz erweisen sich die Konturen der Kamera als enorm nützlich. Bei der Gear 360 hab ich die Cam (wenn nicht ausgerechnet am großen Stativ angeschraubt) immer mit dem kleinen mitgelieferten Stativ verwendet, da ich Angst hatte, dass mir die glatte Kugel sonst viel zu schnell aus der Hand rutscht.

Bei der 360fly 4K sieht das anders aus. Sie ist tatsächlich schön griffig und droht nicht so schnell zu entfleuchen. Ansonsten lässt sie sich natürlich auch an so gut wie jedem Standard-Stativ anbringen oder aber dank Adapter auch an Action Cams. Sollte sie dennoch mal herunter fallen, so ist man zumindest bis maximal 1,5 Meter Falltiefe auf der einigermaßen sicheren Seite, denn das soll die Kamera ohne weiteres ab können. Getestet habe ich das allerdings nicht.

Wie bereits in den Spezifikationen geschildert, nimmt die 360fly 4K keine richtige 360°-Sphäre auf, sondern „lediglich“ 360° in der Horizontalen und 240° in der Vertikalen. Der Hersteller begründet dies vor allem damit, dass bei vollen 360 Grad vertikal auch der Aufnehmende/das Stativ mit im Bild wären und es mit einer einzelnen Linse technisch auch schwer werden dürfte, den Bereich unterhalb der Linse zu erfassen. Persönlich finde ich die Entscheidung begrüßenswert, für Photospheres wie sie beispielsweise in Street View Verwendung finden oder für VR-Ansichten wäre allerdings ganz klar eine volle Sphäre wünschenswert gewesen.

test-360fly-4k_6

Hier wird sich das Feld der Interessenten dann auch entsprechend separieren. Was ich besonders gut gelungen finde, ist die POV-Ansicht, in die man bei eingeschaltetem First-Person-Modus durch ein einfaches nach-vorne-Kippen der Kameralinse gelangt. Diese soll quasi das Sichtfeld des Aufnehmenden imitieren, was meines Erachtens nach auch ganz gut funktioniert.

In den meisten Fällen konnte ich mich bei meinen Aufnahmen – ob nun Video oder Foto – dank des nach unten eingeschränkten Sichtfelds ganz gut aus den Bildern/Videos raushalten. Für die Video-Aufnahme kann man entweder den separaten Knopf am Gerät verwenden oder aber man tut dies über die entsprechende Funktion in der App.

Qualität

„DAS IST 4K, DAS MUSS WAS TAUGEN!“ Leider erliegen immer noch viele Menschen dem Irrglauben, dass 4K heißen würde, dass man im 360°-Video/-Foto eine hammerscharfe Qualität an jeder Ecke des Bildes erwarten kann, ganz so wie es das Fernsehbild des 4K-Smart-TV im örtlichen Elektromarkt zeigt.

test-360fly-4k_4

Bei der Kamera hingegen bedeutet dies, dass das Gesamtbild eine Maximalauflösung von 2880 x 2880 Pixeln bietet, was allerdings immer noch gut aussieht. Gut, aber nicht überragend ist mein Empfinden. Da es nur eine Linse gibt, entfällt das Stitching (also das Zusammenfügen mehrerer Einzelbilder zu einer Vollsphäre), was der Qualität der Aufnahmen sehr gut tut. Alles in allem gefallen mir die aufgenommenen Bilder und Videos doch besser als noch bei der Gear 360.

Ein Album einiger mit der 360fly 4K angefertigten Bilder findet ihr hier. Der Upload von Videos war dann leider doch etwas nerviger als erwartet. Zuerst versuchte ich es über die App, welche sich während des Hochladens aber andauernd beendete. Die PC Director-Software hat dann zwar funktioniert, leider war das Ergebnis dann aber nicht in 360° anschaubar. Dann probierte ich es, die *.MP4-Datei manuell hochzuladen.

Zuvor muss man jedoch durch ein Injector-Tool von YouTube seine Video-Datei vorbereiten. Das Video war dann zwar drehbar, aber leider vollkommen sphärisch und grobpixelig (auch nach mehreren Stunden). Kurz vorm Verzweifeln schnappte ich mir dann noch einmal den PC mit der Director App von 360fly. Ganze drei Mal musste ich den Upload anschließend anschubsen, damit das nachfolgende Resultat endlich geladen war. Das Video wurde nicht weiter bearbeitet, da YouTube darauf verweist, dass jede Art Bearbeitung des 360°-Effekt stören oder entfernen könnte. Merke: Der Upload von Videos geht am besten mit dem PC Director, welcher allerdings dringend noch ein Stabilitäts-Update verpasst bekommen sollte.

Was mich aber wahnsinnig gemacht hat und mir bei der anderen Cam während des gesamten Tests nie aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass jedes noch so kleine Körnchen auf der Linse in einem matschigen Fleck in der Aufnahme resultiert. Die Linse muss also wirklich regelmäßig eben sauber poliert werden, wenn man nicht seine Bilder versauen möchte. Tröpfchen von Nieselregen könnten einem da möglicherweise enorm den Tag vermiesen.

Wenn man sich aber darauf besinnt, dass man hier trotz hohem Preis weder mit einer Profi-Kamera, noch mit einem Smartphone mit besonders hochwertiger Kamera wie unter anderem beim P9, unterwegs ist, kann man durchaus auch verschmerzen, dass zum Beispiel Aufnahmen in dunklen Arealen recht stark rauschen. Der Zweck der Cam liegt nun mal eindeutig nicht auf bestem Bildergebnis, sondern auf einigermaßen hochaufgelöste Rundum-Aufnahmen. Und das kann die 360fly 4K wirklich gut.

Die App

Die kostenlose App zur Kamera bietet im Grunde zahlreiche mittlerweile bekannte Funktionen. Mit ihr lassen sich zuerst einmal direkt live Bilder und Videos aufnehmen und anschließend alle aufgenommenen Bilder und Videos von der Kamera auf das Smartphone übertragen. Das ist aktuell für Android- und iOS-Geräte, sowie für den PC als separate Studio-App möglich. Sind die Daten übertragen, lassen sich diese weiter bearbeiten, beispielsweise mit Filtern oder zusätzlicher Musikuntermalung. Videos lassen sich natürlich auf Wunsch auch entsprechend zurecht schneiden.

Ist man mit seinem Ergebnis zufrieden, kann man dieses direkt über die App mit Freunden teilen oder aber auf Facebook oder auch YouTube hochladen. Innerhalb der App kann man die Aufnahmen dank eines integrierten Cardboard-Modus auch direkt mit einer VR-Brille betrachten. Wer sich die 360°-Ergüsse anderer User anschauen möchte und so vielleicht noch ein wenig Inspiration erhofft, der kann dies über den „Erkunden“-Tab der App tun. Dieser wird durch die 360fly-Community befüllt, für welche man sich auch registrieren kann.

360fly-4k-app-ansicht

Ich habe die Apps schlussendlich in der Form genutzt, dass ich via Smartphone und Live-View (die dank WLAN-Verbindung erstaunlich weit reicht) den Auslöser im richtigen Moment getätigt habe, jedoch dann daheim alle Bilder und Videos am PC von der Kamera übertragen, verarbeitet und hochgeladen habe. Das Gefrickel in der mobilen App ist zwar simpel, dafür brach aber zweimal nacheinander der Upload des Videos direkt aus der App heraus auf YouTube ab. Am PC war der Upload hingegen immer stabil und auch schneller.

360fly-4k-desktop-app-director

Fazit

Die 360fly 4K ist eine klasse Kamera, zumindest für das vorgesehene Einsatzgebiet. Die Bilder sind bei Sonnenschein durchaus brauchbar, lassen aber bei Schatten, leichter Dunkelheit oder Nebel deutlich Rauschen erkennen. Wirklich begeistert bin ich von den Videos, da nicht nur die Qualität sehr für sich spricht, sondern auch der vom Mikrofon aufgezeichnete Ton.

Bei bewegten Aufnahmen sollte man allerdings darauf achten, dass das kleine Mikrofon-Loch nicht nach vorne zeigt, da ansonsten der Fahrtwind schnell ein unschönes Windrauschen ins Video zaubert. Würde ich für die Kamera knappe 700 € ausgeben? Definitiv nicht, dafür ist mir der Nutzen dann einfach zu gering. Wer hingegen das nötige Kleingeld parat hat und nicht auf den Cent achten muss, der dürfte mit der 360fly 4K sehr glücklich werden.

Gerade Aufnahmen in winterlichen Gebieten, beim Fallschirmspringen oder aber im Sommer beim Klettern sollten durch die gebotene Auflösung und die fehlende Stitching-Naht richtig gelungen sein. Leider gab das hiesige Wetter solch ein Szenario nicht für den Test her. Für wesentlich kleineres Geld reicht hingegen aber auch die Gear 360 von Samsung, die dank zwischenzeitlichem Update auch inzwischen deutlich besseres Stitching bieten soll.



Anzeige: Infos zu neuen Smartphones, Tablets und Wearables sowie zu aktuellen Testberichten, Angeboten und Aktionen im Huawei News Hub.

Über den Autor: Benjamin Mamerow

Blogger, stolzer Ehemann und passionierter Dad aus dem Geestland. Quasi-Nachbar vom Caschy (ob er mag oder nicht ;D ), mit iOS und Android gleichermaßen glücklich und außerdem zu finden auf Twitter und Google+. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

Benjamin hat bereits 387 Artikel geschrieben.