tado° Heizkörperthermostate ausprobiert: Durch den Winter mit App-gesteuerter Heizung

5. März 2017 Kategorie: Android, iOS, Smart Home, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Dass Smart Home gar nicht immer so smart ist, muss man keinem erzählen. Es gibt gute und schlechte Lösungen, offene und geschlossene Ansätze. Mal muss man als Anwender sehr viel „frickeln“, mal bedarf es nicht mehr als einer simplen Aktivierung eines Gerätes. Die Steuerung der Heizung – ich habe in dieser Hinsicht bereits Erfahrung mit Devolo und auch der Magenta Smart Home-Lösung gesammelt – ist für mich so ein Ding, das ich gerne nutze.

Allerdings habe ich auch festgestellt, dass man solche Lösungen durchaus einmal länger als zwei Wochen ausprobieren muss, um sie wirklich beurteilen zu können. Probleme zeigen sich oftmals erst im Detail und auch regelmäßige Ausfälle lassen sich erst nach einer gewissen Nutzungsdauer korrekt einschätzen.

Die smarten Heizkörperthermostate von tado° haben mich nun durch den Winter begleitet, besser kann man ein solches System kaum auf die Probe stellen. Wie bei den anderen Versuchen nutze ich die beiden Regler einmal im Wohnzimmer und einmal im Bad. Das sind die beiden Heizungen, die bei uns am meisten genutzt werden und bei denen eine automatische Steuerung auch Sinn ergibt.

Die Hardware selbst kommt hübsch verpackt, enthalten sind die beiden Heizkörperthermostate, die benötigte Bridge, ein Kabel für die Stromversorgung der Bridge und ein Steckernetzteil, falls man die Bridge nicht direkt am Router mit Strom versorgen kann. Außerdem sind noch Adapter mit von der Partie, um die Heizkörperthermostate an verschiedene Modelle anbringen zu können. Ebenso sind die Batterien enthalten, welche die Motoren der Thermostate antreiben.

Ich hatte diese schon wieder vergessen, in den drei Monaten musste ich sie also noch nicht wechseln. In einer Broschüre ist Platz für die Geräteaufkleber, sie helfen einem dabei, einzelne Geräte zuordnen zu können. Das ist ein ziemlich cleveres Detail, auch wenn es auf Papier und mit Aufklebern schon einen nicht wirklich Smart Home würdigen Eindruck macht. Dennoch natürlich super praktisch.

Die Thermostate sind in sehr schlichtem Design gehalten, man sieht normalerweise nur einen weißen Knauf. Die Anbringung am Heizkörper erfolgt wie bei anderen Reglern auch, passenden Adapter wählen, Schraube festziehen, fertig. Ich bin ja trotz zwei linker Hände mittlerweile geübt darin, das ist eine Sache, die keine zwei Minuten dauert und wirklich von jedem bewerkstelligt werden kann. Aber das Anbringen ist nicht der erste Schritt der Installation.

Die Bridge muss mit dem Internet verbunden werden. An meiner Fritz!Box 7490 baumelt die Schnittstelle nun, angeschlossen an einen LAN-Port und mit Stromversorgung über den USB-Port der Fritz!Box. Die Bridge hat nur ungefähr die Größe eines Feuerzeugs, meine bisher kleinste Smart Home-Bridge. Die Einrichtung erfolgt über die tado°-App. Man wird perfekt durch die einzelnen Schritte geführt, sodass am Ende der Heizungssteuerung nichts mehr im Weg steht.

Die App ist auch der Dreh- und Angelpunkt, wenn es um die Automatisierung oder generelle Steuerung geht. Aber, auch ohne App kann man die Regler bedienen, man kann so also auch einfach auf die Schnelle mal die Heizung aufdrehen. Und es ist auch tatsächlich ein Drehen, kein Drücken von Buttons oder andere „ungewohnte“ Bewegungen. Finde ich sehr vorteilhaft. Die Anzeige der Temperatur erfolgt über LEDs, die unter der Oberfläche angebracht sind und nur leuchten, wenn das Thermostat bedient wird. Unauffällig und dennoch informativ, so sieht man das gerne.

In der App hat man dann mehrere Möglichkeiten der Steuerung. Man kann manuell eine Temperatur einstellen, Zeitpläne festlegen oder auch das automatische Vorwärmen vor dem Nachhausekommen konfigurieren. Mit der App steht und fällt eine Smart Home-Lösung oftmals, tado° bietet hier ein sehr positives Beispiel, wie eine gute Smart Home-App aussehen sollte. Alles ist selbsterklärend, die App wirkt dabei angenehm aufgeräumt und nicht überladen.

tado° wirbt sehr offensiv damit, dass sich mit den Heizkörperthermostaten Geld sparen lässt. Das finde ich eine sehr gewagte Aussage. Immerhin kosten zwei Thermostate im Starter-Set 199 Euro, das muss sich erst einmal amortisieren. Tut es, sagt tado° und gibt sogar eine Garantie dafür. Ich halte das persönlich für Quatsch. Das kann aber an meiner Heizsituation liegen. Es kommt bei mir nun einmal nicht vor, dass ich nicht zuhause bin und die Heizung aber läuft. Da nehme ich lieber eine kurze Aufwärmzeit in Kauf anstatt die Heizung in Abwesenheit laufen zu lassen. Insofern biete ich hier schon einmal kein Einsparpotential, aber darum geht es mir auch nicht.

Ich möchte das Ganze automatisieren oder „aus der Ferne“ (zwei Räume weiter) steuern können. Funktioniert das gut, muss man mich nicht mit etwaigen Ersparnissen locken, Komfort ist mir durchaus etwas wert. Und Komfort ist mir auch so viel wert, dass ich auf offene Standards verzichte und auf die berühmten Insellösungen setze, wenn es denn passt. tado° ist auch so eine Insellösung, aber eine sehr gut vernetzte.

Apples HomeKit wird offiziell noch nicht unterstützt, auf der tado°-Seite ist aktuell zu lesen, dass die Unterstützung bald folgen soll. Kann ich also nicht in den Test mit einbeziehen, auch wenn ich es anfangs erfolgreich nutzte. Bleiben genug andere Dienste, die – sollte die Steuerung per App nicht ausreichen – mit tado° vernetzbar sind.

Mit IFTTT lässt sich bereits eine Menge anstellen. So konnte ich beispielsweise einen Trigger anlegen, der dann im Wohnzimmer für eine Stunde heizt, wenn meine Frau nach Hause kommt und mit Nuki das Schloss aufsperrt. Zwei Inselllösungen über IFTTT zusammengebracht. Allerdings kann es bei IFTTT durchaus vorkommen, dass Aktionen nicht sofort ausgeführt werden, bei mir war das bisher jedoch nicht der Fall.

Ihr könnt also IFTTT mit tado° nutzen, tado° kann dabei sowohl als Auslöser als auch als Empfänger fungieren. So könnte man beispielsweise auch einrichten, dass Lichter angehen, wenn tado° in den Home-Modus schaltet. Welche Möglichkeiten man da hat, hängt natürlich von der persönlichen Smart Home-Ausstattung ab.

tado° gibt es außerdem als Alexa Skill. Solltet Ihr also einen Echo nutzen, könnt Ihr die Heizungen auch per Sprache steuern. „Alexa, Heizung im Wohnzimmer auf 23 Grad.“ Funktioniert super und ist auch noch sehr viel bequemer als die App zu öffnen oder gar aufzustehen, um die Heizung aufzudrehen. Die Ausführung des Befehls erfolgt sofort und sehr zuverlässig, für mich das Killer-Feature schlechthin.

tado° selbst kann auch die Steuerung abhängig vom Aufenthaltsort. Verlässt der Letzte das Haus, wird die Wohnung automatisch abgekühlt, kommt man zurück wird es automatisch wieder warm. Das erfordert die permanente Standortfreigabe in der App. Da habe ich normalerweise kein Problem mit, allerdings machte sich das (auf dem iPhone 7 Plus) schon bei der Akkulaufzeit bemerkbar. Gerade wenn man unterwegs ist, kann man einen zusätzlichen Akkukiller wenig gebrauchen.

Die Funktion an sich funktioniert aber zuverlässig, wer also keine Probleme mit der Stromversorgung des Smartphones hat, kann dies schon nutzen. Für mich ist es kein Mehrwert, zumal ich das mit „Ankunft zuhause“ sehr cool in Verbindung mit meinem Nuki-Schloss lösen kann.

Ich nutze die Heizkörperthermostate sehr unterschiedlich. Ich habe im Wohnzimmer ein paar feste Zeiten, in denen geheizt wird. Genauso oft stelle ich die Heizung aber auch manuell am Heizkörper selbst ein. Das verringert aber sich mittlerweile und wird durch Alexa ersetzt. Am wenigsten nutze ich die tado°-App. Einmal eingerichtet läuft es nach Plan oder man greift eben manuell ein. Die App zu öffnen, um manuell die Temperatur zu ändern, ist für mich zu aufwändig, um einen Vorteil gegenüber anderer Bedienarten zu bieten.

Es kommt sehr auf die Heizsituation an, ob sich solche Thermostate für einen selbst lohnen. Billig sind sie alle nicht, wohl aber gibt es große Unterschiede in Sachen Komfort und Qualität der Hard- und Software. tado° spielt hier in der oberen Liga. Für mich die bisher beste Lösung für Heizkörper, auch aufgrund der Vernetzbarkeit mit anderen Geräten und Diensten.

Ob man durch den Einsatz solcher Thermostate und den entsprechenden Heizplänen aber tatsächlich Heizkosten sparen kann, hängt davon, wie man bisher heizte. Lief die Heizung auch in Abwesenheit, lässt sich freilich einfach etwas einsparen. Wer aber bisher eher sparsam heizte (wie ich), wird vielleicht sogar feststellen, dass die Heizung plötzlich öfter warm ist als vorher.

Man kann tado° übrigens nicht nur für 249 Euro kaufen, sondern auch mieten. Das 2er-Set inklusive Bridge kann im ersten Jahr für 4,99 Euro pro Monat (jährliche Zahlung, Mindestlaufzeit ein Jahr) gemietet werden, ab dem 2. Jahr fallen dann 6,99 Euro pro Monat an. Vielleicht eine günstige Möglichkeit, sich das ganze einmal für ein Jahr anzuschauen. Allerdings gehe ich davon aus, dass die Thermostate mehr als drei Jahre durchhalten, somit dürfte die Kaufoption auf Dauer die günstigere Lösung darstellen.

Aber ein Jahr für knapp 60 Euro die Thermostate nutzen zu können, ist schon eine gute Möglichkeit für einen Dauertest. So kann man eventuell auch feststellen, ob man tatsächlich Heizkosten durch die Nutzung spart.

Ein Fazit?

Man konnte es wohl schon erkennen, mir gefällt tado° sehr gut. Ich musste den ganzen Winter nicht frieren und der Bedienungsmix hat sich perfekt integriert. In Sachen Einrichtung und Bedienung habe ich bislang keine einfachere Lösung gesehen, es ist quasi Plug & Play im Smart Home. So kann man Nutzer erreichen, heute möchte sich keiner mehr mit einer „Frickel-Lösung“ die Zeit vertun. Es sei denn, er hat ein Faible dafür, aber das ist dann ja auch etwas anderes.

Die Anschaffung solcher Thermostate ist definitiv nicht im „nehm ich mal eben mit“-Preisbereich angesiedelt. Hat man mehrere Heizkörper, die man regelmäßig bedient, möchte man diese wahrscheinlich auch alle smart ausstatten. Das kann dann schnell ein paar Hundert Euro kosten, das muss es einem natürlich wert sein. Ich komme mit zwei Thermostaten gut hin, aber ich heize auch generell nicht viel. Über die Anschaffung eines dritten Thermostats denke ich nun allerdings nach, weil bequem ist es eben schon. Und tado° halte ich da durchaus für ein System, in das man investieren kann.


 

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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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