„Stranger Things“: Netflix-Serie rettet die Karriere der Duffer Brothers

27. August 2017 Kategorie: Internet, Streaming, geschrieben von: André Westphal

Es ist nun wahrlich kein Geheimnis, dass Netflix mit der Serie „Stranger Things“ einen enormen Hit gelandet hat. So kam dieser Genremix mit 1980er-Jahre-Flair nicht nur bei den Kritikern, sondern auch den Zuschauern gut an. Allerdings hat „Stranger Things“ vor allem das Leben von zwei Personen umgekrempelt: den Duffer Brothers, welche durch die Serie quasi ihre Karriere retten konnten, nachdem zuvor Film- und Fernsehproduzenten eher abschätzig über das Projekt dachten.

So schafften es die Duffer Brothers nicht „Stranger Things“ bei traditionellen TV-Sendern unterzubringen, welche die Serie geschlossen ablehnten. Erst bei Netflix fand man dann Gehör und konnte die Serie zudem umsetzen, ohne dass seitens des Streaming-Anbieters hereingeredet wurde. Gerade die Erfolgsgeschichte von „Stranger Things“ zeigt also einmal wieder, dass viele Serien uns aktuell nur erreichen können, weil Anbieter wie Netflix oder Amazon Prime sich nach anderen Kriterien richten können als klassische TV-Sender. Denn Sendezeiten oder Werbemacher spielen hier keine Rolle.

Natürlich hätte das Experiment „Stranger Things“ trotzdem scheitern können, wie es bei so vielen Serien durchaus auch bei Netflix und Amazon Prime geschieht. Stattdessen entwickelte sich das Format, das von TV-Sendern belächelt wurde, zu einem internationalen Hit und einem wichtigen Zugpferd.

Allerdings geben die Duffer Brothers auch zu Protokoll, dass sie sich mittlerweile oft über einen bestimmten Umstand ärgern: Die TV-Einstellungen. Das mag banal klingen, ist für mich aber nachvollziehbar: Ich habe meine bisherigen Fernseher immer entweder kalibrieren lassen oder zumindest möglichst neutral eingestellt. Ziel sollte es ja sein, dass man am Ende den Content möglichst originalgetreu wiedergibt. Betonung liegt auf „sollte„, denn viele Zuschauer mögen übertriebene Kontraste und unnatürliche Farben oder extreme Nachschärfung – dann ähnelt das Ergebnis mehr einem Instagram-Foto. Für eine Serie wie „Stranger Things“, die viel Wert auf visuelle Atmosphäre legt, ist das natürlich suboptimal.

Die Duffer Brothers schimpfen in diesem Bezug auch besonders über die Zwischenbildberechnung an aktuellen Fernsehgeräten. Kann ich alles nachvollziehen und sehe ich exakt genau so. Einerseits soll jeder daheim so seinen Content konsumieren, wie er lustig ist. Andererseits verstehe ich sehr gut, wenn Film- und Serienmacher frustriert sind, wenn sie extrem viel Arbeit in kleine, visuelle Details investieren – von denen dann am Ende wenig übrig bleibt.

Die Duffer Brothers hatten übrigens keinen Traumstart in Hollywood: Ihr Film „Hidden“ wurde erst mit viel Hype hinter den Kulissen genehmigt, dann aber von Warner Bros. schon vor dem Start als eine Art Fehltritt behandelt und entsprechend kaum beworben und unter den Tisch gekehrt. Diese Erfahrung sorgte dann auch für viel Frustration und hätte die Brüder fast zum Aufgeben veranlasst. Allerdings heuerte der Regisseur M. Night Shyamalan, der selbst schon manche Irrungen und Wirrungen in Hollywood hinter sich hat, die Brüder dann als Autoren für seine Serie „Wayward Pines“ an. Dort sammelten sie dann auch die notwendigen Erfahrungen und neue Motivation für „Stranger Things“.

Dabei wollen die Duffer Brothers offenbar auch gerne irgendwann wieder einen Film in Angriff nehmen und neue Projekte starten. Sie erklären aber, dass sie nicht besonders gut im Jonglieren mehrerer Projekte seien. Man widme sich also lieber einem Format zur Zeit, stecke sein gesamtes Herzblut hinein und sehe dann weiter. Auf uns wartet ja erst einmal „Stranger Things“ mit Staffel 2. Jene soll am 27. Oktober bei Netflix ihren Einstand geben. Übrigens bestätigen die Duffer Brothers im indirekt auch eine dritte Staffel von „Stranger Things“. Nach ihrem Plan soll die Serie dann allerdings mit einer vierten Staffel enden.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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